Corona Testzentrum am Schwimmbad-Parkplatz. Im Schutzanzug Hans Steinbrecher Leiter der Teststation.
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Anlaufpunkt: Corona Testzentrum am Schwimmbad-Parkplatz.

Corona-Versorgung im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Idee der Bürgermeister aus dem Nordlandkreis: Corona-Zentrum fürs Blaue Land?

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Die acht Bürgermeister der Tourismus-Region Blaues Land haben einen Antrag an Landrat Anton Speer gerichtet, um ein zweites Corona-Test- sowie Impfzentrum im nördlichen Landkreis zu errichten. Die ersten Reaktionen aus dem Landratsamt sind verhalten.

Nördlicher Landkreis – Sie fühlen sich nicht vernachlässigt oder schlecht behandelt. „Nein“, sagt Christian Scheurerer (parteifrei). „Mit Kritik hat das nichts zu tun“, bestätigt der Bürgermeister von Ohlstadt. Die acht Bürgermeister der Gemeinden aus dem Blauen Land haben ein Schreiben an Landrat Anton Speer (FW) adressiert, in dem sie eine eigene Corona-Test- und Impfstation für den nördlichen Landkreis beantragen. „Wir denken einfach, dass eine zweite Einrichtung sinnvoll wäre, auch um den Ansturm in Garmisch-Partenkirchen zu entzerren“, argumentiert Scheuerer stellvertretend für seine Kollegen.

Der Rathauschef hat sich die Arbeit gemacht und die Landkreis-Zahlen der Infizierten nach Regionen herausgefiltert. „Sie stammen vom 7. Dezember, so viel dürfte sich aber nicht verändert haben.“ Demnach gab es zu diesem Zeitpunkt 28 Positiv-Getestete im Isartal, 74 im Ammertal, 136 im Oberen Loisachtal bis Eschenlohe und 192 im Blauen Land. „Durch diese Zahlen sind wir Bürgermeister erst aufmerksam geworden“, betont Scheuerer.

Alle Gemeinde wären gesprächsbereit für einen Standort

Ihnen geht es um einen eigenen Standort für den nördlichen Landkreis. „Wo, das ist egal. Jede Gemeinde wäre sofort kooperationsbereit.“ Auch von der Dimension her müsse sich die Einrichtung nicht an der ersten am Alpspitz-Wellenbad in Garmisch-Partenkirchen orientieren. „Das kann eine kleinere Lösung sein, die nicht so teuer ist.“ Bekanntlich hat allein das Errichten des Testzentrums, das das BRK für den Landkreis betreibt, rund 220 000 Euro verschlungen. Hinzu kommt jetzt noch die Impfstation an selber Stelle.

Konkrete Lösungsvorschläge oder eben einen fixen Standort und Betreiber haben die Bürgermeister bisher nicht parat. Das wäre auch zu früh, meint Scheuerer. „Es geht uns wirklich nur darum, dass wir darüber reden, ich denke, das ist ein berechtigter und sinnvoller Ansatz.“

Amtssprecher argumentiert: Selbst größere Landkreise haben nur ein Zentrum

Im Landratsamt ging der Antrag aus dem Nordlandkreis erst gestern ein. Dezidiert haben sich die Verantwortlichen dort noch nicht mit der Thematik beschäftigt. Pressesprecher Wolfgang Rotzsche betont, dass der Vorstoß aus dem Blauen Land in jedem Fall ernst genommen wird. Dennoch schwingt bereits eine gute Portion Skepsis in seinen Aussagen mit. „Selbst Landkreise, die viel größer sind als unserer, haben nur ein Zentrum“, merkt er an. Er verweist auf den Aufwand, der hinter einem solchen Projekt steht. Nicht nur finanziell. „Es war schon anspruchsvoll, jetzt dieses Impfzentrum in vier Wochen auf die Beine zu stellen.“ Es sei auch nicht damit getan, einfach einen Standort zu benennen. „Es braucht ein Gebäude, die Ausstattung, die EDV, das Personal“, betont Rotzsche. Corona-Testzentrum und Impfstation müssten zudem mindestens räumlich voneinander getrennt laufen. Dazu kommen logistische Komponenten wie die Lagerung der Impfdosen. „Als erste Einschätzung unsererseits stellt sich einfach die Kosten-/Nutzen-Frage.“

Problem: Finanzierung einer weiteren Anlage

Die Finanzierung dieser medizinischen Projekte stellt derzeit grundsätzlich eine vage Geschichte dar. „Es heißt momentan immer erst einmal: ,Stellt das Zentrum hin, übers Geld reden wir später‘. Die Frage ist dann schon, ob vom Staat auch wirklich alles gezahlt wird oder wir auf den Kosten sitzen bleiben.“

Scheuerer stellt den finanziellen Aspekt in der Corona-Frage erst einmal hinten an. „Derzeit wird so viel Geld vom Staat locker gemacht“, sagt er. „Da müssen wir uns doch fragen, um was geht es: Ums Geld oder die Gesundheit?“ Doch nochmals bekräftigt der Rathauschef: „Wir stellen uns nicht mit erhobenem Finger hin, wir haben einen ersten Schritt getan und schauen, was passiert.“

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