Ein Hochhaus ist im Hintergrund zu sehen, vorne trägt ein Schild die Aufschrift SeniorenWohnen.
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130 Bewohner und über 70 Mitarbeiter wurden im BRK-Seniorenheim im Murnau getestet. Auch 15 Pflegekräfte sind positiv.

Auch 15 Pflegekräfte positiv getestet

Seniorenheim in Murnau: 41 Bewohner mit Corona infiziert - Acht Heimbewohner gestorben - Covid-19-Zusammenhang unklar

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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  • Katharina Bromberger
    Katharina Bromberger
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Die Lage im Seniorenheim Garhöll in Murnau ist ernst. 41 der hochbetagten Bewohner haben sich mit Corona infiziert. Sechs positiv Geteste sind gestorben. Ein unmittelbarer Zusammenhang jedoch steht nicht fest.

  • Ende November waren in einem Seniorenheim im Landkreis Garmisch-Partenkirchen 23 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden.
  • Die Zahl hat sich nun deutlich erhöht: 41 Bewohner haben sich mit Corona infiziert, zudem 15 Pflegekräfte.
  • Die traurige Nachricht: Acht Heimbewohner sind seit 30. November gestorben, sechs davon waren Corona-positiv. Wegen Vorerkrankungen und des hohen Alters sei jedoch ein kausaler Zusammenhang nicht sicher.

Update 9. Dezember: Die Lage im Seniorenwohnen Staffelsee in Murnau hat sich massiv verschärft. „Acht hochbetagte Bewohner sind in den vergangen zehn Tagen verstorben, von denen sechs positiv auf Covid-19 getestet waren“, heißt es in einer Pressemitteilung, die Elisabeth Mark, Sprecherin der Sozialservice-Gesellschaft (SSG) des Bayerischen Roten Kreuzes, gestern auf Anfrage verschickte. Aufgrund des hohen Alters und vorhandener Vorerkrankungen lässt sich ihr zufolge nicht sagen, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Versterben und dem Virus gab.

Am 1. Dezember berichtete das Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt (siehe Bericht unten) von 23 Covid-19-Fällen in dem BRK-Seniorenheim. Es ging damals allen gut. Nur eine sehr betagte Person zeigte Mark zufolge Symptome, war im Krankenhaus – allerdings nicht wegen Covid-19. Eingeliefert worden war sie bereits zuvor. Diese Person ist unter den Todesfällen. Angaben zu Alter und Geschlecht der Verstorbenen macht Mark nicht. Das Durchschnittsalter im Heim beträgt 87 Jahre.

Seniorenheim: 41 Bewohner und 15 Pflegekräfte positiv getestet

Auch die Zahl der Bewohner, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, hat sich deutlich erhöht. Stand Dienstag waren es 41. Sie halten sich in ihren Wohnbereichen auf. „Zwei befinden sich im Krankenhaus, werden aber nicht beatmet“, sagt Mark.

Weitere Hiobsbotschaft: Auch 15 Pflegefachkräfte sind positiv auf das Virus getestet und befinden sich in häuslicher Quarantäne. Der Betreiber sorgte zügig für eine Kontaktverfolgung, um eine weitere Ansteckung zu vermeiden.

In den vergangenen Tagen wurden alle Bewohner und Mitarbeiter getestet. Für den heutigen Mittwoch ist eine erneute Reihentestung geplant. Alle erkrankten Personen werden ärztlich beobachtet und betreut. Die meisten zeigen nach Marks Angaben keine bis leichte Symptome.

Heim-Sprecherin: „Nach wie vor unklar, wie der Virus ins Haus kam“

„Es ist nach wie vor unklar, wie der Virus ins Haus kam, alle Maßnahmen der Hygiene wurden akribisch eingehalten“, betont die Sprecherin. Eine Hygienefachkraft der Zentrale ist zur Unterstützung vor Ort. Das Besuchsverbot bleibt bis auf Weiteres bestehen. Weil 15 Pflegekräfte momentan fehlen, behilft man sich mit Kräften, die Schwestergesellschaften der SSG zur Verfügung stellen oder Leiharbeitsfirmen.

Die Sprecherin beschreibt die Situation an der Garhöll als „angespannt. Aber alle packen mit an. Alle nehmen das sehr ernst.“

Ursprünglicher Text:
Landkreis – Von einer niederschmetternden Zahl könnte man sprechen: 52 Neuinfektionen übers Wochenende im Landkreis. In einer Zeit, in der das öffentliche Leben zurückgefahren und Kontakte beschränkt sind. Sprich: in einer Zeit, in der die Infektionszahlen sinken, nicht plötzlich deutlich steigen sollen. Dennoch zeigt man sich am Landratsamt einigermaßen entspannt nach der neuen Entwicklung am Sonntagabend. Weil es nichts bringt, zu klagen, auch wenn sich die Belastung für die Mitarbeiter im Gesundheitsamt dadurch massiv erhöht. „Kann eben immer passieren,“ sagt Sprecher Stephan Scharf. Zudem müsse man die Zahlen genauer anschauen. 23 Fälle gehen auf das BRK-Seniorenheim in Murnau Garhöll zurück. Zieht man sie ab, bleiben 29 Neuinfizierte, von denen sich 18 auf drei Asylbewerberunterkünfte verteilen. „Dann schaut die Situation schon zumindest ein bisschen anders aus.“

Zudem können die Betroffenen einem Cluster zugeordnet werden, anders als bei einem diffusen Infektionsgeschehen – die größte Sorge eines Gesundheitsamtes. Denn ohnehin lassen sich die Wege, wer wen angesteckt hat und angesteckt haben könnte, nie zu 100 Prozent klären. Ein lokaler Ausbruch in einer Einrichtung erleichtert die Situation ein wenig. Aber: „Sie ist schlimm genug.“ Scharf will’s nicht klein reden. Mit Sorge blickt der Behördensprecher nach Murnau. Denn mit einem Ausbruch in einem Seniorenheim sind die Menschen betroffen, „die am meisten gefährdet sind“.

BRK-Seniorenheim in Murnau: 23 infizierte Bewohner, 22 davon ohne Symptome

Ungern erinnert sich Scharf an den April. In einem Seniorenheim im Kemmelpark in Murnau war das Virus ausgebrochen. Zwölf Bewohner starben in der Folge. Jetzt hat es erneut ein Seniorenheim in Murnau getroffen, das SeniorenWohnen Staffelsee. Sofort erkundigte sich die Behörde nach dem Gesundheitszustand der 23 infizierten Bewohner. Aufatmen: Es geht allen gut. Elisabeth Mark, Sprecherin der Sozialservice-Gesellschaft, die das BRK-Haus betreibt, konkretisiert: Nur eine Person zeigt Symptome, sie ist im Krankenhaus – allerdings nicht wegen Covid-19. Eingeliefert wurde sie bereits zuvor. Die Person befinde sich im palliativen Prozess, sagt Mark. Sie liegt also im Sterben. Angaben zu Geschlecht oder Alter macht Mark nicht, sagt nur: Der oder die Betroffene sei sehr betagt, liege über dem ohnehin hohen Altersdurchschnitt der Bewohner von 87 Jahren. Die übrigen positiv Getesteten leben offenbar alle in einem Wohnbereich, dieser wurde isoliert. Betreuer betreten ihn nur in Schutzkleidung, bringen Verpflegung, kümmern sich auch um das „gesellschaftliche und seelische Wohl“, sagt Mark. „Wir versuchen, das alles für sie so verträglich wie möglich zu gestalten.“

Im Haus gilt ab sofort ein Besuchsverbot. Die Wohnbereiche waren bislang schon tabu, nun dürfen Familienmitglieder ihre Eltern oder Großeltern gar nicht mehr im Innenbereich treffen, sie nur zum Spazierengehen abholen – sofern sie sich an alle Regeln halten, sich anmelden, Kontaktbögen ausfüllen, Fieber messen lassen. Man befinde sich in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, betont Mark. Auch unterstützt das Personal die Behörde bei der Kontaktermittlung.

BRK-Seniorenheim: Wie es zum Corona-Ausbruch kam, ist unklar

Aufgekommen waren die Infizierten durch eine Reihentestung am Freitag, die das Amt angeordnet hatte nach vereinzelten Fällen im Heim Anfang November. Alle 130 Bewohner und über 70 Mitarbeiter machten einen Abstrich. Noch liegen nur die Ergebnisse der Senioren vor. Was zum Ausbruch führte, ist unklar. „Wir wissen nicht, wie das Virus ins Haus kam“, sagt Mark. Scharf warnt vor voreiligen Vorwürfen. „Die sind fehl am Platz.“ Man prüfe die Lage. Doch selbst mit den besten Hygienekonzepten bleibe ein Risiko. Insgesamt betreibt die Sozialservice-Gesellschaft für das BRK 26 Seniorenheime in Bayern mit über 4600 Bewohnern. Zu einem größeren Ausbruch wie jetzt in Murnau kam es nach eigenen Angaben bislang nur einmal: im Mai in einem Haus in Neu-Ulm.

Drei Unterkünfte für Asylbewerber geschlossen

Quarantäne gilt für Asylbewerber in der Unterkunft in Oberau.

In einer Asylbewerberunterkunft gelten bei einem Infizierten schnell alle Bewohner als Kontaktpersonen der Kategorie 1. Also: Isolation für alle. Dies zeigt die aktuelle Lage einmal mehr. Drei Unterkünfte im Kreis sind geschlossen: Urihof in Bad Kohlgrub (bis Montagabend 3 Infizierte bei 69 Bewohnern), Oberau (10 Infizierte bei 73 Bewohnern) und in Garmisch-Partenkirchen das Haus an der Münchner Straße (5 Infizierte bei 45 Bewohnern). Ursprünglich war auch von einem Fall im Abrams-Komplex die Rede. Dies stellte sich jedoch als Falschmeldung heraus.

Immer wieder stellen Corona-Ausbrüche in Asylbewerberunterkünften Verantwortliche vor Herausforderungen. In Oberau gestalte sich die Lage als etwas schwieriger, sagt Scharf. Nicht jeder zeige sich einsichtig. Die Behörde überlegte, wieder einen – in der Öffentlichkeit umstrittenen – Zaun um das Areal zu bauen, wie man es in der Vergangenheit in Bad Kohlgrub und Oberau bereits gemacht hatte. Doch entschied man sich auch aufgrund der Erfahrungen dagegen. Man setzt auf Gespräche und Aufklärung. „Wir hoffen, dass sich alle an die Quarantäne halten“, sagt Scharf. Wie auch an die Hygienekonzepte und Mundschutz-Pflicht, die in den Häusern gelten.

Unterdessen beschäftigt den Landkreis Garmisch-Partenkirchen auch ein anderes Thema: Bis mindestens 20. Dezember wird es keinen Skibetrieb geben. Es wird Kritik an der Politik laut.

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