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Macht als stellvertretender Ortsvorsitzender der CSU Murnau Schluss: Alpenhof-Chef Christian Bär (r.), hier mit dem wiedergewählten Vorsitzenden Dr. Michael Rapp.

Wer kandidiert? Aussagen bleiben vage

CSU Murnau und die Wahl: Rapp wirft Nebelmaschine an

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Dr. Michael Rapp bleibt Chef der Murnauer CSU. Rund 30 Mitglieder haben den Ortsvorsitzenden im Amt bestätigt. Der Ex-Bürgermeister stichelte gegen Nachfolger Rolf Beuting und deutete an, wie die CSU die Kommunalwahlen 2020 angehen könnte.

Murnau – Dr. Michael Rapp machte rasch klar: Eine Antwort auf die ihm viel gestellte K-Frage werde er an diesem Abend nicht liefern – darauf also, ob er noch einmal eine Bürgermeister-Kandidatur in Murnau ins Visier nehmen wird. Der 64-Jährige vermied eine klare Positionierung. Doch was der wiedergewählte Erste Vorsitzende in der Ortshauptversammlung der CSU am Montag in leicht nebulöse Worte verpackt sagte, könnte sich dahingehend interpretieren lassen, dass Rapp keine Kandidatur gegen seinen Nachfolger Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) anstrebt. Rapp beschwor die Mitglieder, gemeinsam Sorge dafür zu tragen, dass „wir eine gute, stabile Mannschaft zusammenbringen“. Dann werde man sehen, wie sich die CSU in Bezug auf einen Spitzenkandidaten positioniere: „ja, nein – oder mit wem.“ Hier sei jeder gefordert. Es gelte zu schauen, „wie wir das genau ausloten und jemanden nicht in irgendeiner Weise im Vorfeld verbrennen“. Und dann drehte Rapp die Nebelmaschine noch etwas stärker auf: „Man muss sich vielleicht auch fragen, wie wichtig es ist in Zusammenhang mit einer guten Atmosphäre im Gemeinderat, auch vielleicht mit anderen Parteien, mit anderen Fraktionen dazu zu kommen, dass man in gewisser Weise jemanden aufbaut, jemanden dementsprechend positioniert oder jemanden unterstützt, egal in welcher Weise, der dann in der Demokratie ein Gegengewicht gegen jetzige Verhältnisse darstellt.“

Rapp entwarf also unkonkrete, vage Szenarien, sagte etwas, doch nichts Genaues. Doch der Chef des aktuell 133 Mitglieder starken CSU-Ortsverbands dürfte damit Diskussionen auslösen, was wohl wie genau gemeint sein könnte, und Spekulationen anheizen. Sonnenklar ist, dass sich Rapp im Kommunalparlament eine stärkere CSU-Fraktion wünscht: „Wir müssen schauen, dass wir ein Stück weit mehr Gewicht bekommen im Gemeinderat.“ Da agieren die Christsozialen seit dem Machtverlust 2014 mitunter unglücklich. Es fehlt offenkundig eine starke Führungspersönlichkeit. Eine wie Rapp? Jedenfalls hält sich in Murnau hartnäckig das Gerücht, der Name des CSU-Orts- und Kreisvorsitzenden werde unter Umständen auf der Gemeinderatsliste zu finden sein. Rapp bestätigt zumindest Überlegungen, über 2020 hinaus in der Kreispolitik bleiben zu wollen.

Einzelne verbale Nadelstiche setzte er erneut gegen den Habitus von Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), dessen Name den ganzen Abend über nicht fiel. Er blieb eine Art Phantom, war aber angesichts aktueller Geschehnisse ganz offensichtlich gemeint, als Rapp über die Art der Kommunikation (des Phantoms) in sozialen Medien zu Felde zog. „Viele Beispiele, die ich nie und nimmer genützt hätte, ganz ehrlich, sind auch Auftritte“, setzte Rapp an. „Wenn man sich irgendwo hinstellt und muss sich selber fotografieren und im Video abbilden – da muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen: Was soll das?“ Und laufe es nicht gut, gelte es einzuräumen, dass man sich getäuscht habe. „Aber nicht auf den Spuren von Herrn Trump Videos einstellen oder irgendwelche anderen Dinge verbreiten.“

Zudem prangerte Rapp eine Aussage an, die er „unlängst aus den Kreisen der Gemeinde Murnau“ vernommen haben will und die laute: „Wir haben mehr Wohnungen geschaffen bis jetzt als 30 Jahre CSU.“ Dabei habe sein Vorgänger Harald Kühn als Bürgermeister zwei Einheimischenmodelle vorzuweisen, unter seiner Regie entstanden „80 Wohneinheiten in der Kemmel. Und ich habe noch keinen Schlüssel gesehen bis jetzt, der in einer Wohnung umgedreht wurde, die neu geschaffen worden ist in Murnau“.

Begonnen hatte Rapp seine Rede im Großen: Europa. Er unterstrich, wie wichtig es sei, am 26. Mai proeuropäisch zu wählen. In diese Richtung zielte auch Isabella Ritter (26) aus Kiefersfelden, CSU-Kandidatin auf Platz zehn fürs EU-Parlament. Sie hob die Bedeutung der Europawahl hervor und wie wichtig es sei, Populisten nicht das Feld zu überlassen.

Weitgehend unverändert bleibt der CSU-Vorstand. Einen Wechsel gab es in der zweiten Reihe hinter Rapp: Alpenhof-Chef Christian Bär machte als stellvertretender Ortsvorsitzender Schluss. Er visiert einen Posten beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband an, der möglicherweise vakant werde und der „sehr interessant“ sei für die Hotellerie und auch für Murnau. Parallel dazu, so Bär, könne er jedoch kein politisches Amt übernehmen.

Ergebnis der Neuwahlen

Erster Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Murnau: Dr. Michael Rapp; stellvertretende Vorsitzende: Harald Kühn, Sabine Mayr, Martin Todea (bisher Geschäftsführer – diese Aufgaben schultert nun der gesamte Vorstand); Schatzmeister: Veit Volwahsen; Schriftführerin: Regina Samm; Kassenprüfer: Florian Beckert, Jürgen Mück; weitere Vorstandsmitglieder (Beisitzer): Ludwig Betzmeir, Michael Hosp, Elisabeth Hoyer, Robert Hutter, Max Kirschning, Gisela Lücke-Wegmann, Franz Neuner, Stefanie Schmidt, Claudia Winter.Delegierte Kreisvertreterversammlung: Josef Bierling, Gerd Eschenlohr, Prof. Paul Tavan, Elisabeth Hoyer, Robert Hutter, Max Kirschning, Harald Kühn, Sabine Mayr, Franz Neuner, Simon Ofenstein, Dr. Michael Rapp, Regina Samm, Martin Todea, Michaela Urban; Ersatzdelegierte: Peter Albrecht, Florian Beckert, Theresa Hebeisen, Michael Hosp, Ulrich Kleh, Horst Künzel, Bärbel Leerhoff, Christa Maier, Michael Montag, Jürgen Mück, Jakob Olbrecht, Hans Scherrer, Veit Volwahsen, Claudia Winter.

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