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Gipfel-Marathon über sieben Tage: Das Besondere vor der Haustür schätzen

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Von: Katharina Bromberger

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Pause muss sein: Caja Schöpf und Ludwig Karrasch.
Pause muss sein: Caja Schöpf und Ludwig Karrasch. © privat

Die sieben höchsten Gipfel der sieben Gebirgszüge im Freistaat haben Caja Schöpf und Ludwig Karrasch aus Garmisch-Partenkirchen an sieben Tagen bestiegen. Ein Abenteuer, das sich nun nachempfinden lässt – beim Alpen Film Festival, das im Murnauer Griesbräu-Kino am 11. Mai Vorpremiere feiert.

Murnau – Auf der ganzen Welt ist Caja Schöpf Ski gefahren und Skitouren gegangen. In Indien, in Japan, in der Türkei und in Georgien. Unter anderem mit besonderen sportlichen Aktionen und deren Vermarktung verdient die Garmisch-Partenkirchnerin, die zudem als Sportpsychologin, Verhaltenspsychotherapeutin und Sportmodel arbeitet, Geld. Erst vor Kurzem bekam sie eine Medienanfrage. „Exotische Geschichten“ wünschte sich das Magazin. Was sich Schöpf dachte: „Ich will doch gar nichts Exotisches machen.“ Schließlich gibt es vor der Haustüre so wunderbare Ziele. Vor gut einem Jahr wurde ihr das bewusster denn je. Damals realisierte die ehemalige Freeride-Profifahrerin ein Herzens-Skiprojekt: 7 Bavarian Summits. Gemeinsam mit ihrem Spezl Ludwig Karrasch, Bergführer aus Garmisch-Partenkirchen, bestieg sie die sieben höchsten Gipfel der sieben Gebirgszüge im Freistaat. Nun ist auch der Film dazu fertig, der am 11. Mai Vorpremiere im Murnauer Griesbräu-Kino feiert. Einen Tag später startet er in München.

„7 Bavarian Summits“ - mit Camper, E-Bike und Ski

Sieben Gipfel in sieben Tagen – „damit es sportlich ein bisschen ambitionierter ist“ – mit Camper, E-Bike und Ski. So der Plan. Deshalb hatten die Freunde, die seit vielen Jahren gemeinsam in den Bergen unterwegs sind, die statistisch schneereichste und schneesicherste Zeit für ihre Aktion gewählt: Ende Februar. Und dann – „ein Desaster.“ Kein Schnee. Zum Teil hätten sich die beiden Wander- statt Skischuhe gewünscht. „Aber so ist das im Leben. Es läuft eben nicht immer so, wie man das gerne hätte.“ Da spricht der Mentalcoach und die Motivationstrainerin aus der 36-Jährigen. Und ihre Lebensphilosophie: Es gehe darum, Lösungen zu finden, weiterzumachen, ein Projekt durchzuziehen. Auch wenn viel schief läuft. Und es ist einiges schief gelaufen.

Die erste Tour in den Allgäuer Alpen - um 3.30 Uhr klingelt der Wecker

Die erste Tour führt Schöpf und Karrasch (30) auf die Hochfrottspitze in den Allgäuer Alpen. Um 3.30 Uhr klingelt der Wecker. Raus aus dem Bett im Wohnmobil. Schöpfs erster Blick fällt auf Max Fend, Kameramann aus Bad Kohlgrub. Kreidebleich sitzt er da, mehrfach hat er sich in der Nacht übergeben. Der Filmer fällt aus. Ein denkbar schlechter Start für ein Filmprojekt. Als dann während der Tour die Drohne gegen die Felswand fliegt, „wär’ ich am liebsten wieder runtergefahren“, sagt Schöpf. Zum Glück aber gibt es Daniel Hug und sein Multitalent. Eigentlich sollte der Wahl-Südtiroler aus dem Schwarzwald nur fotografieren, spontan übernimmt er Filmszenen – und das macht er richtig gut.

Neues Ziel, neue Katastrophe - das Team erwartet eine Spiegeleisplatte

Neuer Tag, neues Ziel: Kreuzspitze in den Ammergauer Alpen. Die Skitouren-Bedingungen „eine Vollkatastrophe“, sagt Schöpf. Eine Spiegeleisplatte erwartete das Team, nur mit Steigeisen und die Skier am Rücken kamen sie voran. Spaß klingt anders und fühlt sich anders an, das redet die 36-Jährige nicht schön. Doch „natürlich hat das alles Spaß gemacht“. Vor allem „erlebt man Momente viel intensiver, wenn nicht alles supereasy läuft“. Wie viel Karrasch zu lachen hatte, wird er unter anderem im Film verraten. Denn nach ihrer Rückkehr wurden sie getrennt voneinander befragt. Allein diese Gespräche versprechen gute Unterhaltung, ehrlich und amüsant dürften sie werden. „Naturgemäß haben die zwei einen sehr unterschiedlichen Blick auf das Geschehene“, heißt es in der Kurzzusammenfassung zum Film „7 Summits of Bavaria“.

Sieben Gipfel an sieben Tagen - das verlangt den Alpinisten viel ab

Die Tage sind lang: Start gegen 4 Uhr oder früher, radeln, Aufstieg und Abfahrt beziehungsweise – bei Schneemangel – Fußmarsch ins Tal, radeln, Weiterfahrt mit dem Wohnmobil zum Ausgangspunkt für die nächste Tour. Schöpf und Karrasch, beide topfit, überlegten, ob sie das Ganze nicht ohne E-Antrieb stemmen können. Sie verwarfen die Idee schnell. Auch mit Motor forderte die Woche den beiden einiges ab. Körperlich und mental. Genau das, was Athletinnen wie Schöpf und ein Alpinist wie Karrasch immer wieder suchen.

Vor dem Start zur Östlichen Karwendelspitze an Tag fünf „hatte ich mal so gar keinen Bock mehr“, gesteht Schöpf. Die Räder eingefroren, die Akkus der E-Bikes leer, „arschkalt“ war’s. Am Gipfel aber war das alles vergessen. Der Blick auf die Berge, das Gefühl, im Niemandsland zu stehen. Das Karwendel, so schroff, so einsam, so perfekt – und das so nah.

Erlebnis Zugspitze: Der ganze Tag ist ein Geschenk

Noch näher liegt die Zugspitze. Über die Route Eisenzeit haben Karrasch und Schöpf Deutschlands höchsten Berg an Tag vier bestiegen. Eine „Wahnsinnstour“, sagt Schöpf. Der ganze Tag ein Geschenk. Das Erlebnis mit Freunden. Der Moment am Gipfel in der Abendsonne.

Denkt Schöpf an die sieben Tage vergangenen Winter, denkt sie oft an den kleinen Prinzen, den der Autor Antoine de Saint-Exupéry erschaffen hat. „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, lässt er den kleinen Prinzen sagen. „Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“ Es passt in vielerlei Hinsicht zum Sieben-Gipfel-Projekt der beiden Garmisch-Partenkirchner. Zu den besonderen Erlebnissen, zum Zusammenhalt, zu Auswegen. Und dazu, dass man manches als zu selbstverständlich erachtet – und damit übersieht.

Die Erkenntnis: Das ganz Besondere kann so nah sein

Schöpf wird weiter fremde Länder bereisen. Sie liebt es, neue Kulturen kennenzulernen. Doch hat sie die Heimat mehr schätzen gelernt, Ziele im Karwendel und Wetterstein stehen nun ganz oben auf ihrer Liste. Diese Botschaft möchten sie und Karrasch mit ihrem Film weitergeben: „Man muss nicht weit weg, um etwas ganz Besonderes zu erleben.“

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