Rast anno 1924: Friedrich Wilhelm Murnau (l.) lehnt sich an ein Auto. Aufgenommen wurde dieses Foto auf der Straße zwischen Eschenlohe und Oberau.
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Rast anno 1924: Friedrich Wilhelm Murnau (l.) lehnt sich an ein Auto. Aufgenommen wurde dieses Foto auf der Straße zwischen Eschenlohe und Oberau.

Recherchen in der Marktgemeinde

Dem Großonkel auf der Spur: Regisseurin dreht Doku über Friedrich Wilhelm Murnau

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Alexandra Sorgenicht dreht eine Doku über ihren Großonkel Friedrich Wilhelm Murnau. Für das Projekt recherchierte die Regisseurin jetzt in der Marktgemeinde.

Murnau – 2015 haben Unbekannte das Grab von Friedrich Wilhelm Murnau (1888 bis 1931) auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin geöffnet und stahlen den einbalsamierten Kopf des Regisseurs. Nach dieser Freveltat beschloss Alexandra Sorgenicht, einen Dokumentarfilm fürs Kino über ihren Großonkel zu drehen.

Besuch im Archiv und Museum

Ihre Recherchen, die schon länger andauern, führten die 52-jährige Kölnerin kürzlich nach Murnau. Dort stattete sie dem Marktarchiv und dem Schloßmuseum einen Besuch ab. 1910 wirkte Murnau beim „Sommernachtstraum“ mit, den Max Reinhardt im Park der Seidl-Villa inszenierte. Zumindest wird Friedrich-Wilhelm Plumpe, wie Murnau ursprünglich hieß, im Programmheft zu diesem Stück als „Philostrat“ genannt, der Zeremonienmeister am Hof des Theseus.

Offene Fragen

Einige Fragen sind offen. So hat Sorgenicht zum Beispiel noch nicht herausgefunden, wo ihr Großonkel in Murnau gewohnt hat und wie lange. „Man weiß nur: Es war eine entscheidende Zeit in seinem Leben, und deswegen hat er wohl den Namen Murnau gewählt.“ Sein Lebensgefährte Hans Ehrenbaum-Degele war mit Münter und Kandinsky befreundet. Sorgenicht hofft, dass in Privatbesitz noch Unterlagen vorhanden sind, die ihr weiterhelfen. Ihr Traum: Auf einem Dachboden liegt eine Tasche mit alten Schriftstücken, die interessante Informationen enthalten. „Ich bin für jedes noch so kleine Puzzleteilchen dankbar.“

Viele Mosaiksteine

„Es bleibt Detektivarbeit“, sagt die Regisseurin. Viele Mosaiksteine zu Murnaus Vita hat sie bereits gefunden. Sie war auch schon an der Stelle bei Santa Barbara (Kalifornien), wo Murnau 1931 bei einem Unfall schwer verletzt wurde. Wenige Stunden später starb er. Sie besuchte auch die Kirche, wo er aufgebahrt wurde. Als Nächstes will Sorgenicht Paris ansteuern. Dort trifft sie die „größte Murnau-Expertin“ Janet Bergstrom sowie den Dokumentarfilmer Yves de Peretti, der „Tabu, die letzte Reise“ drehte. „Tabu“ war Murnaus letzter Film.

Kein Thema in der Familie

Bereits als Teenager hatte sich Sorgenicht gerne Murnau-Werke angeschaut. Nur da wusste sie noch gar nicht, dass der Schöpfer ihr Großonkel war. Das erfuhr sie erst später. In der Familie wurde nicht über den Regisseur gesprochen. Grund: Seine Homosexualität.

Drei Oscars

Dabei hätten seine Nachfahren allen Grund gehabt, stolz auf Murnau zu sein. Schließlich ist er einer der bedeutendsten deutschen Regisseure der Stummfilmära. „Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen“, sein erster Film in den Vereinigten Staaten, heimste bei seiner Veröffentlichung exzellente Kritiken ein und gewann drei Oscars. An den Kinokassen war dem Streifen jedoch kein Erfolg beschieden. Legendär ist „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von 1922. Was Cineasten bedauern: Ein Teil seines Frühwerkes gilt als verschollen oder ist nur fragmentarisch erhalten.

Schau im Schloßmuseum 2003

Das Schloßmuseum widmete dem Filmemacher, der das Weimarer Kino prägte, bereits 2003 eine Ausstellung. Titel: „Murnau (Friedrich Wilhelm) in Murnau (Oberbayern)“. Sorgenicht versucht, „ihn aus allen Richtungen einzukreisen“. Die Kölnerin selbst drehte zuletzt die Doku-Reihe „Frauen und Ozeane“. Darin porträtierte sie Wissenschaftlerinnen und Aktivistinnen, die oft unter großen persönlichen Risiken nach Wegen suchen, die Ozeane der Welt zu bewahren. Die Folgen liefen auf Arte.

Kontakt

Wer Unterlagen zu Friedrich Wilhelm Murnaus Aufenthalt in der Marktgemeinde hat, kann sich an Alexandra Sorgenicht unter der Telefonnummer 01 78/4 01 37 05 wenden. Ihre E-Mail-Adresse lautet mail@alexandrasorgenicht.de.

Alexandra Sorgenicht ist für jedes Puzzleteilchen dankbar.

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