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Lautstarker Protest: Mit Plakaten ziehen die Pflegekräfte durch die Murnauer Fußgängerzone. 

Demo in Murnau

Mit Trillerpfeifen gegen den Pflegenotstand

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Die Pflegenot ist ein deutschlandweites Problem. In Murnau sind nun fast 400 Pflegekräfte auf die Straße gegangen, um für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne einzutreten.

Murnau – Der Krach der Trillerpfeifen und der Trommelwirbel sind ohrenbetäubend: Der Demonstrationszug – die Polizei schätzt die Anzahl der Teilnehmer auf 380 – bewegt sich langsam vom Murnauer Kemmelpark über die Reschkreuzung durch die Fußgängerzone. Viele halten Schilder, Transparente und Plakate in die Höhe. Darauf sind Sprüche zu lesen wie: „Ich will pflegen, keinen Marathon laufen“, „Come in & burnout“ oder „Wir brauchen Hilfe“. Das Ziel des friedlichen Protestmarsches: die Mariensäule im Herzen des Marktes, wo eine Bühne aufgebaut ist, auf der die Redner sprechen.

Etliche Pflegekräfte – dem Vernehmen nach vor allem aus der Unfallklinik (UKM) – sind in der Staffelsee-Gemeinde auf die Straße gegangen, um sich für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne stark zu machen. Der offizielle Titel: „Demonstration für mehr Wertschätzung in der Pflege“. Der Hintergrund ist ein deutschlandweites Problem: Die Kliniken bekommen den akuten Fachkräftemangel im Pflegebereich zu spüren. Davon bleiben, wie auf der Kundgebung zu erfahren war, auch die Häuser im Landkreis nicht verschont. „Wir wollen nicht mehr jammern, sondern laut werden“, sagte die Versammlungsleiterin und UKM-Krankenschwester Christiane Hammes, die die Aktion zusammen mit ihren beiden Kolleginnen Angie Funke genannt Kaiser und Miriam Garcia del Castillo organisiert hatte. Sie sei an einen Punkt angelangt, an dem es darum gehe, entweder aufzuhören oder aufzustehen. Die Ohlstädterin hat sich für Letzteres entschieden. Mit der Resonanz sei sie sehr zufrieden, erklärte sie gegenüber dem Tagblatt. Es sei gut vorstellbar, dass weitere Aktionen folgen, denn: „Wir können was bewegen.“

Demonstration in Murnau: „Der Beruf muss besser bezahlt werden“

In Gesprächen wurde deutlich: In der Branche ist die Belastung sehr groß. Dafür reichen die Löhne oftmals nicht aus, um die hohen Lebenshaltungskosten zu stemmen. Sie verdiene als Intensiv-Krankenschwester monatlich rund 2300 Euro netto, berichtete etwa Barbara Mayet. Die Hälfte davon gehe allein für die Miete drauf. „Wir brauchen Fachkräfte. Aber die müssen sich das Leben hier auch leisten können.“ Viele müssten sich einen Nebenjob suchen, um das Einkommen aufzubessern. „Der Beruf muss besser bezahlt werden“, pflichtete ihr Christine Körner bei, die ebenfalls auf der Intensivstation tätig ist. Ein weiterer Pfleger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sprach von Überlastungen. Es müsste mehr Personal eingestellt werden, forderte er, um die Patienten optimal versorgen zu können.

Unterstützung erhielten die Demonstranten von der Politik. Unter die Menge mischten sich die frisch gewählten Landtagsabgeordneten Susann Enders (Freie Wähler) aus Weilheim und Andreas Krahl (Grüne) aus Seehausen, die beide selbst im UKM im Pflegebereich tätig waren. „Pflege bekommt man nicht zum Nulltarif“, meinte Enders. Es müsse wieder der Mensch – sowohl der Patient als auch der Mitarbeiter – im Mittelpunkt stehen. Und nicht das reine Profitstreben. 

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