Einen symbolischen Schlüssel übergibt Kämmerer Hubert Süß (r.) an seinen Nachfolger Josef Brückner. In der Mitte: Bürgermeister Rolf Beuting. 
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Einen symbolischen Schlüssel übergibt Kämmerer Hubert Süß (r.) an seinen Nachfolger Josef Brückner. In der Mitte: Bürgermeister Rolf Beuting. 

Ära geht zu Ende

Nach 30 Jahren: Kämmerer Hubert Süß sagt Servus

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Für den Markt Murnau war es das größte städtebauliche Projekt der vergangenen Jahrzehnte. Nun ist die Umwandlung der einstigen Kemmel-Kaserne in ein so genanntes Mischgebiet abgeschlossen. Kämmerer Hubert Süß hat im Marktgemeinderat seinen Abschlussbericht vorgelegt. Es war gleichzeitig sein Abschied als Herr über die Murnauer Finanzen.

  • Nach 30 Jahren als Murnauer Kämmerer beginnt für Hubert Süß die Freistellungsphase der Altersteilzeit.
  • Im Gemeinderat gab er einen Abschlussbericht über das Großprojekt Kemmelpark.
  • Unterm Strich bleiben 1,8 Millionen Euro übrig.

Murnau – Hubert Süß hat sich seinen letzten Auftritt als Kämmerer im Murnauer Marktgemeinderat sicher anders vorgestellt. Ohne Maske, mit Sekt und Häppchen. Doch Corona kennt kein Pardon. Und so fällt die Verabschiedung des Finanzexperten, der 30 Jahre über den Geldsäckel der Kommune wachte und jetzt in die Freistellungsphase der Altersteilzeit eintritt, eher kurz und knapp aus.

Neuer Ortsteil Kemmelpark

Zuvor lässt der 63-Jährige ein Kapitel Revue passieren, das er maßgeblich mitgeprägt hat: die Entwicklung des Kemmelparks. Aus dem ehemaligen Kasernenareal ist in den vergangenen 20 Jahren quasi ein neuer Ortsteil geworden. „Dort kann man aus meiner Sicht sehr gut wohnen und arbeiten“, resümiert Süß.

Geschichte beginnt 1991

Rückblende: Am 8. November 1991 gibt es einen Paukenschlag. Der damalige Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg (CDU) verkündet, dass die KemmelKaserne geräumt wird. „Da waren wir alle sehr geschockt“, erinnert sich Süß. Doch mit der Zeit erahnen die Verantwortlichen die Chancen und Möglichkeiten, die sich mit dem Rückzug der Streitkräfte ergeben. 1992 ruft die Kommune die so genannte städtebauliche Entwicklungsmaßnahme ins Leben. Es laufen Voruntersuchungen. Bis Frühjahr 1995 gibt der Bund die Liegenschaft schrittweise auf. Man gründet die Murnauer Grundstücks-Verwaltungs-GmbH (MGV). Die Marktgemeinde ist alleiniger Gesellschafter. Als Generalmieter verwaltet die MGV, deren Geschäftsführer Süß ist, in der Spitze 170 Mietverträge.

Der Deal

2002 dann der große Deal: Der Markt Murnau erwirbt von der Bundesrepublik Deutschland für 2,76 Millionen Euro eine 16 Hektar große Fläche. Einige Gebäude reißt man ab. Kosten: drei Millionen Euro. Sie sind kontaminiert mit Giftstoffen wie DDT, Asbest oder PCB.

Erhebliche Debatten

Der nächste Schritt: Die Gemeinde beschließt, einen städtebaulichen Ideenwettbewerb auszuloben. Es wird ein Bebauungsplan aufgestellt. Um Kanal, Wasser und Fernwärme kümmern sich die Gemeindewerke Murnau. Was in der jüngsten Ratssitzung nicht zur Sprache kommt: Der ganze Umwandlungsprozess sorgt im Lauf der Jahre für erhebliche Kontroversen im Gremium.

Der Kemmelpark: Dort wo früher Soldaten das Bild prägten, ist ein neuer Ortsteil entstanden. Das Bild zeigt einen Teil des Einkaufszentrums.

Viele Flächen verkauft

Unterm Strich verkauft die MGV für 19 Millionen Euro Grundstücke. Das letzte derartige Geschäft datiert von 2017. Die Gemeinde besitzt heute das Areal, wo der Gewerbehof steht. Zudem gehört ihr noch eine rund 1500 Quadratmeter große Parzelle südlich des Altenheims. „Es gibt keine konkreten Pläne dafür“, sagt der künftige Kämmerer Josef Brückner.

1,8 Millionen Euro übrig

Es bleibt Geld übrig: 1,8 Millionen Euro liegen auf einem Treuhandkonto – zur freien Verwendung. Der Entwicklungsträger-/Treuhändervertrag zwischen dem Markt Murnau und der MGV sei „erfüllt“, sagt Süß – nicht ohne sich bei allen Bürgermeistern und den sechs Gemeinderäten zu bedanken.

Großes Lob für Süß

Der scheidende Kämmerer erhält viel Lob. „Es ist ein Mehrwert für den Ort entstanden“, sagt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Süß habe den Prozess von Anfang an begleitet und umgesetzt. „Da gilt Ihnen unsere Anerkennung.“ 30 Jahre Kämmerer zu sein – „das ist nicht nur Arbeit, das ist eine Lebensleistung“. Der frühere Bürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) betont, dass Süß eine „ordentliche Bilanz vorgelegt“ und die Konversion der Kaserne „zu einem großen Erfolg geführt“ habe. Welf Probst (Freie Wähler) würdigt Süß’ „transparente und vertrauensvolle Art“. Michael Manlik, Fraktionssprecher des ÖDP/Bürgerforums, sagt kurze Dankesworte, die „größeren Lobeshymnen“ spart er sich für einen späteren Zeitpunkt auf, wenn eine Abschiedsfeier möglich ist.

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