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Schenken den Politikern kräftig ein: (v. l.) Kurt Schweda, Petra Albrecht, Hans-Jürgen Steib, Ursula Ohliger und Adi Sam.

Derblecken im Griesbräu-Saal

Murnaus Politiker bekommen ihr Fett ab

Den Großkopferten die Leviten zu lesen, das war einmal mehr die Mission beim Politikerderblecken in Murnau. Ziel des Spotts am Samstag im Griesbräu-Saal war unter anderem Rathauschef Rolf Beuting.

Murnau – Kapitäne tragen die Verantwortung für den gesamten Schiffsbetrieb. Und sie sorgen dafür, dass ihre Kähne sicher und pünktlich den Zielhafen erreichen. Die Kapitäne der MS Murnator, die am Samstagabend in den voll besetzten Griesbräu-Saal einmarschierten, hatten anderes im Sinn. Die Mission von Petra Albrecht, Ursula Ohliger, Adi Sam, Kurt Schweda und Hans-Jürgen Steib beim traditionellen Starkbieranstich war es, die örtlichen Politiker zu derblecken. Da lag es nahe, sich über „Leichtmatrosen“ lustig zu machen.

    Ein solcher ist aus Sicht der Mitglieder des Original Murnauer Bauerntheaters Alexander Weinhart. „Der is so überraschend Vater wordn, der hat net amoi de Matrosenausbildung bei ,Mehr Bewegen’ überstandn.“ Weinhart hatte sich aus beruflichen und familären Gründen aus dem Murnauer Marktgemeinderat zurückgezogen (wir bericheteten). Ordentlich Fett bekam an dem Abend auch Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ab. „Der is scho mehra wia a Leichtmatrose“, befanden die Derblecker. „Manchmoi muass er no Lehrgelt zoihn. Amoi hat er zruckrudern müassn, wia er sei Geheimloge installieren wollt. Dann is er fast unterganga in a Kreistagssitzung, wia er vom Schwimmbaderwartungsland in den Süden vom Landkreis gfahrn is und an Zuschuss wollt.“ Die Derblecker merkten an, dass Beuting „vom Wasser im Schwimmbad no vui lerna“ könnte, „des is durchsichtig, transparent sozusagen“.

    Auch das Murnauer Tagblatt kam nicht ungeschoren davon, das „in regelmäßiger Treue über den Rapp Michi“ schreibe, den Murnauer Ex-CSU-Bürgermeister. Es wird nicht ausgeschlossen, dass er den Posten nochmal anstreben will. Durch den Kakao gezogen wurde ferner neben Landrat Anton Speer (Freie Wähler) Veronika Jones, Grünen-Einzelkämpferin im Gemeinderat. Anlass war ihr Antrag für ein „essbares Murnau“. Die Idee dahinter: Die Gemeinde soll verstärkt mit Fruchtgehölzen oder Beerensträuchern bepflanzt werden. „De Düngung kenna glei die Hundehalter mit eahnare Hund übernehma“, ätzten die Theaterer.

    Die Truppe verschonte auch Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger nicht. „Der traamt davo, dass er in jedem leer stehenden Laden a innovatives Startup bsuachn kon. Zu de andern geht er eh net hi, ein traumhafter Wirtschaftsförderer. A Bsuach von dem waar für manche Gschäftsleit eher a Alptraum.“ Als solchen empfinden manche Seehauser auch die Ausbreitung des Bibers, ein dankbares Thema für Steib, Ohliger und Co. Als „erfolgsversprechendes Geschäftsmodell“ schwebte ihnen „Biberwatching“ vor. „De Ruderbootverleiher kennas Aufrüsten ofanga, ortskundige Ruaderer miassn ogstellt werden. Ölzeigverleih, wenns a schlechts Wetter hat, Fernglaslverkauf für Japaner, und de MS Seehausen macht statt der Mondscheinfahrt a Biberentdeckungstour.“

    Für Lacher sorgte zudem ein Seitenhieb aufs Schlossbergstüberl neben dem Rathaus. „Da ham sogar a Bierbank samt Tisch rausgstellt, dass den Bau bessa überwachen kenna. Wenn de do draussn hocken und ihre schlauen Kommentare obgebn, kannst moana, do sitzn lauter selbsternannte Bauleiter zamm.“ Und auch der Verschönerungsverein bekam im 150. Jahr seines Bestehens etwas hingerieben. Ziel des Spotts war die zwei Quadratmeter große Blumenwiese am Schützenplatzbrunnen. Der Verein hat „aber übersehng, dass de Bleame höher wachsen wie da Brunna hoch is. De Bleame san eh schöner wia da Brunnen gwesn“. Der Appell an die Verantwortlichen: „Pflanzts uns doch heier wieder so a schöne Festwiesen o.“ Eine Namensidee hatten die Derblecker auch: „Bürgermeister Beuting Park“.

Roland Lory

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