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Seniorin sorgt vor Gericht für faustdicke Überraschung

Diebstahls-Opfer schützt den Täter

Nordlandkreis – Gleich zwei Eigentumsdelikte in Folge hat ein 42-Jähriger aus einem Dorf im Norden des Landkreises begangen. Opfer war jeweils eine Seniorin. Obwohl der Mann die Taten gestand, musste Richter Dr. Benjamin Lenhart das Verfahren am Amtsgericht einstellen – nach einer faustdicken Überraschung.

Am 24. Februar hatte sich der Angeklagte von einer 67-Jährigen aus einem anderen Dorf 360 Euro geliehen, um, wie er vorgab, eine kleine Wohnung einzurichten. Doch das Geld sah die Frau erst nicht wieder. Dabei hatte der Mann mehrmals zugesagt, es sofort zurückzuzahlen. Damit nicht genug: Am 28. Februar bediente er sich selbst aus der Handtasche der Seniorin, klaute 200 Euro.

„Betrug und Diebstahl“, fasste Staatsanwalt Maximilian Huprich die Tatbestände zusammen. Der von Anwalt Florian Oppenrieder (Murnau) verteidigte Angeklagte räumte die Sachverhalte ein. Weshalb Lenart das Strafverfahren einstellen musste, erläuterte der Richter nach einstündiger Verhandlung.

Zunächst hatte der Angeklagte, der die freundliche Seniorin einst in einem heimischen Gasthaus kennengelernt und in ihrem Garten ein paar Arbeiten vorgenommen hatte, die 360 Euro der ersten Tat als „Darlehen“ bezeichnet, das er nur nicht zurückzahlen habe können, weil es ihm an Aufträgen gefehlt habe. Den Diebstahl der 200 Euro habe er ebenfalls allein begangen, weil ihm Einkünfte fehlten. Mittlerweile habe er sowohl das „Darlehen“ als auch das entwendete Geld, 560 Euro also insgesamt, zurückzahlen können.

„Mit welchem Geld?“ erkundigte sich Richter Lenhart. Die Antwort kam sofort: „Ja, durch Arbeit halt.“ Kost und Logis hatte ebenfalls die Frau gewährt, die ihn freundlicherweise in ihren Haushalt aufgenommen hatte, ohne eine Beziehung mit ihm zu haben. Und die Seniorin ging noch weiter: Sie teilte als Zeugin mit, dass sie die Strafanzeige gegen den Angeklagten zurückgenommen habe: „Schließlich bekam ich ja mein Geld wieder.“ Dies führte zu der ungewöhnlichen Situation, dass das Verfahren auf Antrag des Staatsanwalts eingestellt wurde. Betrug und Diebstahl gelten zwar als Offizialdelikte, werden also amtlich verfolgt. Anders verhält es sich, wenn Täter und Geschädigter in einer häuslichen Gemeinschaft leben – so wie es bei dem 42-Jährigen und der Seniorin der Fall war. Dann handelt es sich um Delikte, die lediglich auf Antrag verfolgt werden. Und genau darauf verzichtete die 67-Jährige jetzt im Gericht. Der Mann muss laut Strafprozessordnung nur noch die Verfahrenskosten tragen, die bei rund hundert Euro liegen dürften, schätzte der Richter.

Wolfgang Kaiser

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