+
Im Gespräch: eine Sicherheitswacht als „verlängerter Arm der Polizei“.

Diskussion im Murnauer Hauptausschuss

Gesucht: Rezept gegen Krawallmacher

  • schließen

Das Problem ist in Murnau bekannt: Auf öffentlichen Flächen treffen sich immer wieder Jugendliche zu wilden Partys. Die Anwohner sind genervt – und fordern, dass endlich etwas unternommen wird. Nur was? Ein Patentrezept scheint es nicht zu geben, wie jetzt eine Debatte im Hauptausschuss zeigte.

Murnau – Es waren dramatische Schilderungen, die einige betroffene Murnauer Bürger in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses vorbrachten: Demnach hat heuer das Problem mit jugendlichen Krawallmachern spürbar zugenommen, die sich vorwiegend in den Sommermonaten auf öffentlichen Plätzen treffen und über die Stränge schlagen. Von Ruhestörungen bis spät in die Nacht war die Rede, von Alkohol- und Drogenmissbrauch und von Sachbeschädigungen. Nach Angaben der Anwohner handelt es sich mitunter um regelrechte Gelage größerer Gruppen – anscheinend sind es vor allem Minderjährige –, die sich beispielsweise im Kemmelpark, im Kulturpark oder in der Bucht zusammenfinden. „Das ist nicht mehr tragbar. Das ist eine richtige Belastung“, sagte etwa Ralf Bues, der im Kemmelpark wohnt. Gespräche mit den Teenagern brächten kaum etwas. Und die Polizei sei häufig mit anderen Dingen beschäftigt und könne nicht sofort eingreifen. „Wir müssen versuchen, die Ordnung wiederherzustellen“, appellierte Bues an die Volksvertreter. „Die Sache eskaliert“, meinte auch Heinz Rethfeldt, der am Kulturpark zuhause ist. Er sprach gar von einer „Invasion.“ Sein Fazit: „Es muss härter durchgegriffen werden.“

Das Thema ist nicht neu. Bereits vor einigen Jahren hatte sich die Ortspolitik damit beschäftigt – und zum Gegensteuern eine Streetworker-Stelle geschaffen. „Wir sind keinen Schritt weitergekommen“, resümierte Gemeinderat Holger Poczka (ÖDP/Bürgerforum).

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) sprach im Zuge der Diskussion, in der mehrere Fachleute zu Wort kamen, von einem „komplizierten Problem“. Auf die Schnelle werde man keine Lösung finden. „Wir nehmen das sehr ernst, was an uns herangetragen wird“, meinte der Rathauschef. In einer der nächsten Sitzungen soll eine Entscheidung gefällt werden. Im Gespräch ist ein Bündel an Maßnahmen. Neben dem Ausbau und der besseren Vernetzung der Jugendarbeit wird auch die Einrichtung einer Sicherheitswacht genannt (wir berichteten).

Von solch einer ehrenamtlichen Streife erhoffen sich vor allem die Anlieger sehr viel. Und auch Murnaus Polizeichef Joachim Loy würde einen freiwilligen Dienst begrüßen, der auf die öffentliche Ordnung achtet und unter anderem die besagten Party-Standorte aufsucht. „Wir haben nicht die Zeit, uns dort den ganzen Abend hinzustellen. Wir haben andere Probleme“, sagte der Beamte.

Doch die Bürgerwacht ist umstritten. Befürworter sehen darin eine sinnvolle Ergänzung der Polizeiarbeit. Tenor: Auf einen Versuch könnte man es ankommen lassen. Kritiker halten das Ganze für eine wirkungslose Placebo-Aktion, weil die Mitglieder kaum Kompetenzen hätten. So wurde in der Debatte der Ruf nach mehr Polizei laut.

Murnaus Streetworkerin Ilona Demmel machte deutlich, dass sie mit ihrer 20-Wochenstunden-Stelle nur in einem begrenzten Rahmen handeln könne. Sie habe aber Kontakte und Vertrauen zu den besagten Jugendlichen aufgebaut. Ihrer Ansicht nach muss man auf der einen Seite das Ordnungsrecht durchsetzen. Denn: „Jugendliche brauchen Grenzen.“ Aber zugleich müsse man pädagogische Angebote machen. Beispielsweise fehle in Murnau ein Ort, wo Heranwachsende ungezwungen zusammenkommen können. Demmel betonte: „Nur durch Verbote werden sich die Jugendlichen nicht vom Treffen und Feiern abhalten lassen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wegen Krankheit: Eschen am Partnachuferweg müssen weichen
Eschentriebsterben – darunter leiden drei Bäume am Partnachuferweg. Mehrheitlich hat der Bauausschuss nun beschlossen, dass sie gefällt werden dürfen. Die Kosten …
Wegen Krankheit: Eschen am Partnachuferweg müssen weichen
Mittenwalder veröffentlicht Bildband zum Bozner Markt
128 Seiten pure Erinnerung: Hubert Hornsteiner hat sein erstes, ein für Mittenwald besonderes Buch kreiert. Es zeigt den Bozner Markt 2017 in Bildern.
Mittenwalder veröffentlicht Bildband zum Bozner Markt
Karwendelbad: Der Abriss beginnt
Bald gehört es der Vergangenheit an: Der Abbruch des Karwendelbads geht in die Vollen. 
Karwendelbad: Der Abriss beginnt
Richard-Strauss-Festival erreicht eine neue Stufe
Alexander Liebreich hat eine Vision. Er will das Richard-Strauss-Festival zu etwas ganz Besonderem machen. Und die Reihe vor allem einem neuen Publikum erschließen. …
Richard-Strauss-Festival erreicht eine neue Stufe

Kommentare