Diskussion über sozialgerechte Bodennutzung

Günstiges Bauland im Visier

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Sozialgerechte Bodennutzung – das klingt ziemlich bürokratisch. Doch sollte sich Murnaus Gemeinderat für diese Regelung bei Baulandausweisungen entscheiden, dann hätte dies weitreichende Folgen für die Ortsentwicklung.

Murnau – Das Problem ist bekannt: In Murnau ist Bauland rar und teuer. Die Preise zogen in den vergangenen Jahren massiv an, inzwischen werden dem Vernehmen nach im Schnitt über 600 Euro pro Quadratmeter bezahlt. Entsprechend hoch sind auf dem angespannten Immobilienmarkt die Mieten. „Wir brauchen dringend bezahlbaren Wohnraum“, schlägt Michael Manlik, Sprecher der Gemeinderatsfraktion des ÖDP/Bürgerforums, Alarm. Die auf den Weg gebrachten kommunalen Bauvorhaben, etwa am Längenfeldweg, reichen seiner Ansicht nach bei Weitem nicht aus. „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Die politische Gruppierung von Bürgermeister Rolf Beuting drängt daher auf eine tiefgreifende Reform bei der Baulandausweisung – und brachte dazu einen Antrag in den Gemeinderat ein. Die Zauberformel lautet „sozialgerechte Bodennutzung“ – eine Methode, die in vielen anderen Kommunen bereits angewandt und in Murnau seit Längerem diskutiert wird.

Vereinfacht gesagt geht es dabei darum, dass auch die Allgemeinheit von der Wertsteigerung profitiert, wenn einfache Wiesen in hochwertiges Bauland umgewandelt werden – und nicht nur die Eigentümer. Diese sollen einen Teil der Baufläche – laut Manlik sind in Murnau 30 Prozent im Gespräch – zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellen. Darauf kann dann, so die Überlegung, Wohnraum realisiert werden, den sich auch die unteren bis mittleren Einkommensschichten leisten können, etwa im Rahmen eines Einheimischenmodells oder eines genossenschaftlichen Projekts. Ziel ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Greifen soll die Auflage allerdings erst ab einer gewissen Größenordnung.

Den von Kritikern gerne vorgebrachten Vorwurf, das Ganze sei eine Form von Enteignung, lässt Manlik nicht gelten. Es bestehe kein Zwang, betont er. Er gehe davon aus, dass sich genügend Interessenten finden, die von sich aus auf die Gemeinde zukommen und Areale anbieten. Außerdem werde ein Mindestmaß an Wertzuwachs garantiert.

Im Gemeinderat könnte es in der Angelegenheit zu einer Grundsatzentscheidung kommen. Zumindest steht diese als Thema auf der Tagesordnung – ebenso eine Richtschnur, wie die sozialgerechte Bodennutzung in der Praxis aussehen soll. Rathaus-Chef Beuting ist jedenfalls davon überzeugt, dass Handlungsbedarf besteht: „Es ist mir wichtig, dass sich alle Bevölkerungsschichten in Murnau das Wohnen weiterhin leisten können. Nur so kann Murnau im Gleichgewicht gehalten werden“, erklärt er.

Doch das Konzept der sozialgerechten Bodennutzung hat einen Haken: Es scheitert, wenn keine Grundeigentümer Gefallen an dem „Deal“ finden. Die Diskussion im Gemeinderat dürfte spannend werden, denn offenbar sind nicht alle begeistert.

Freie-Wähler-Chef Welf Probst hält zwar die Idee grundsätzlich für „nicht schlecht“, hat aber trotzdem Bedenken und spricht sich dagegen aus. Man würde der Gemeinde und den Bürgern unnötigerweise Fesseln anlegen, argumentiert er. Seiner Ansicht nach wäre es sinnvoller, mit Grundbesitzern individuell zu verhandeln, um beispielsweise ein Einheimischenmodell auf die Beine zu stellen. Denn: „Jeder Fall ist anders“, sagt Probst.

Der Murnauer Immobilienmakler Rupert Poettinger ist skeptisch, dass mit dem besagten Verfahren im größeren Umfang Bauland gewonnen werden kann. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei das Angebot sicherlich interessant, meint er. „Das rechnet sich.“ Nur dürfe man nicht vergessen, dass viele auch einen emotionalen Bezug zu ihrem Grundbesitz haben.

Rubriklistenbild: © dpa

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