+
Sieht keine Notwendigkeit für mehr Personal: Murnaus Polizei-Chef Joachim Loy.

Freie Wähler beziehen gegen Sicherheitswacht Position

Ruf nach mehr Polizei für Murnau

  • schließen

Die Frage nach der Einführung einer Sicherheitswacht in Murnau spaltet die lokale Politik. Die Freien Wähler lehnen Bürger auf Streife ab. Sie fordern: mehr Polizisten, mehr Jugendarbeit.

Murnau– Welf Probst machte sich selbst ein Bild. Nachdem Anwohner diverser öffentlicher Plätze in der Sitzung des Hauptausschusses ein dramatisches Bild von ihren Problemen mit jugendlichen Krawallmachern gezeichnet hatten – die Rede war von Ruhestörungen bis spät in die Nacht, Alkohol- und Drogenmissbrauch –, zog es den Fraktionssprecher der Freien Wähler (FW) am Freitag in den Kemmelpark, an einen der Brennpunkte in dieser Sache. Sein Resümee: „Ich kann verstehen, dass die Nachbarn genervt sind.“ Bereits am späten Nachmittag habe er „Jugendliche zum Teil sturzbetrunken angetroffen. Dennoch hält Probst den Ruf nach einer Sicherheitswacht, für die sich unter anderem Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und Polizei-Chef Joachim Loy aussprechen, für den falschen Weg. „Wir haben in Murnau kein Sicherheitsproblem“, sagt Probst. „Wir haben ein ordnungspolitisches Problem“ – mit Jugendlichen, die teilweise über die Stränge schlagen.

Gleichzeitig schließt Probst aus Worten Loys, dass die Polizei sich dafür „nicht richtig zuständig fühlt“, sondern sich vor allem auf Themen wie die Terror-Abwehr konzentriere. „Es ist aber eine hoheitliche Aufgabe, für Ordnung zu sorgen.“ Er sieht aktuell in erster Linie Polizei und Pädagogik gefragt. Murnaus Streetworkerin Ilona Demmel macht auf ihn einen „sehr kompetenten Eindruck“, doch dieser Bereich sei „mit 20 Wochenstunden unterbesetzt“ und müsse aufgestockt werden. Zudem sei eine verstärkte Präsenz der Polizei „erforderlich, aber offenbar aufgrund zu wenig Personals nicht realisierbar“, meint der Chef der Freien Wähler, die sich gegen eine Sicherheitswacht positionieren. Ehrenamtliche sollen, falls der Marktgemeinderat zustimmt, unter Regie der Polizei ausgewählt, ausgebildet und gegen eine Aufwandsentschädigung eingesetzt werden.

Die FW-Fraktion hingegen macht sich in einem Antrag an den Marktgemeinderat dafür stark, dass das Gremium eine Resolution beschließt und ans Bayerische Innenministerium sendet. Inhalt: Die Gemeinde fordert den Freistaat auf, „die Besetzung der Polizeiinspektion Murnau umgehend aufzustocken und besser auszurüsten“. Weiter heißt es: „Die Befürchtung liegt nahe, dass abends und nachts zu wenig Personal vorhanden ist, um gleichzeitig die Wache und auch ausreichend den nördlichen Landkreis mit Streifen zu versorgen.“ Der Bürger, argumentiert Probst, fühle sich nicht sicher, wenn er sehe, dass die Polizei für alltägliche Dinge keine Zeit mehr habe.

Dienststellen-Chef Loy reagiert auf den Vorstoß mit Ablehnung. „Wir sind von der Statistik her eine der sichersten Dienststellen in ganz Bayern und personell ausreichend aufgestellt.“ Für eine Verstärkung sieht er keine Notwendigkeit. 35 Soll-Beamten-Stellen sind für Murnau vorgesehen, in der Realität sind nach Schätzung Loys 30 volle Stellen besetzt. Bei größeren Einsätzen helfen etwa nachts Streifen von benachbarten Inspektionen aus. Die Polizei kontrolliert Jugendliche nach Loys Worten auch regelmäßig auf Alkohol und Drogen. Für Probleme sorgen seiner Erkenntnis nach drei Gruppen mit insgesamt rund 30 jungen Leuten, die überwiegend aus der Region stammen und zwischen 13 und 17 bis 18 Jahre alt sind. „Die treffen sich zum Beispiel am Erlhaus – und da wird es dann laut.“ Bei Klagen „fahren wir auch hin“, unterstreicht Loy. „Das hat aber nicht erste Priorität, diese hat sich verschoben. Wir haben ganz andere große Probleme“ – und damit spielt Loy auf Terrorgefahr und Amokläufe im Land an. „Wir können und wollen nicht Streifen zwei Stunden lang irgendwo hinstellen, damit Kinder, die keine offensichtlichen Straftaten begehen, nicht lärmen.“ Gerade an solchen Problempunkten wäre es in seinen Augen sinnvoll, eine Sicherheitswacht einzusetzen, „die dafür genügend Zeit hat. Wir brauchen nicht mehr Polizei, um Jugendliche zu jagen“.

In einem Punkt aber teilt Loy Probsts Meinung: „Die Streetworkerin“, sagt er, „macht sehr gute Arbeit.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tankwagen rutscht am Rießersee ab
Die Glätte und ihre Gefahr: Ein Heizöllaster ist  am Montag auf einem abschüssigen Weg abgerutscht. Die Feuerwehr musste der Lage schnell Herr werden.
Tankwagen rutscht am Rießersee ab
Rekord! Sportlerin des Jahres kommt zum sechsten Mal aus dem Landkreis
Sie ist die Preisträgerin 2017. Laura Dahlmeier wurde zur Sportlerin des Jahres gewählt. Wieder hat damit eine Athletin aus dem Landkreis den Titel abgeräumt. 
Rekord! Sportlerin des Jahres kommt zum sechsten Mal aus dem Landkreis
Das Who is Who des Expressionismus
Diese Sonderschau ist ein kunsthistorischer Leckerbissen, wie er nur selten an einem einzigen Ort anzutreffen ist: Anlässlich des zehnjährigen Gründungsjubiläums der …
Das Who is Who des Expressionismus
Belgier (66) will Betrug um König Ludwig II. aufdecken 
Die Audienz eines US-amerikanischen Journalisten bei König Ludwig II. vor 131 Jahren soll rein erfunden sein. Der Belgier Luc Roger (66), der seit Jahren in Mittenwald …
Belgier (66) will Betrug um König Ludwig II. aufdecken 

Kommentare