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Neue Größe an der Unfallklinik Murnau: Privatdozent Dr. Fabian M. Stuby (51) wird Ärztlicher Direktor.

Der Aufstieg zum Gipfel

Dr. Fabian Stuby ist neuer Ärztlicher Direktor an der Murnauer Unfallklinik

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Der Mann mit Faible für die Berge hat seinen persönlichen Everest-Gipfel erreicht. Dr. Fabian Stuby tritt zum 1. Juli den Posten als Ärztlicher Direktor der Unfallklinik Murnau an. Er habe „die ganze Karriere darauf hingearbeitet“, Klinikchef zu werden, sagt Stuby. Bald steht er an der Spitze eines „Leuchtturms der Unfallchirurgie“.

Er ragt aus der Menge heraus, schon allein optisch. Privatdozent Dr. Fabian M. Stuby bringt es auf ein Gardemaß von 2,04 Metern, und auch beruflich dringt der 51-Jährige in hohe Sphären vor. Stuby kann eine Bilderbuchlaufbahn vorlegen, die stetig nach oben führte: Oberarzt, Leitender Oberarzt, Stellvertretender Ärztlicher Direktor. Nun folgte der nächste logische Schritt. Stuby bewältigte die letzte Etappe, die ihn vom ganz großen Gipfelerlebnis trennte. Eines, um das ihn „viele beneiden“, selbst Chefs anderer nicht gerade kleiner Häuser. Stuby wird zum 1. Juli Ärztlicher Direktor der Berufsgenossenschaftlichen (BG) Unfallklinik Murnau und folgt damit auf Prof. Dr. Volker Bühren. „Das ist ein Traum, der in Erfüllung geht“, sagt der gebürtige Freiburger. Selbst Klinikchef zu werden, darauf arbeitete er seine ganze Karriere hin. Nun erreicht er nicht nur irgendein Ziel: Er hat „eine der größten, wenn nicht die größte Unfallchirurgie Deutschlands“ unter sich. „Das ist ein Leuchtturm“, schwärmt Stuby, „etwas ganz Großes, ein toller Laden.“ Der Spitzen-Posten war entsprechend begehrt. Über 20 Kandidaten sollen ihren Hut in den Ring geworfen haben, Stuby weiß von einem breiten Feld „mit vielen hochkarätigen Bewerbern“; er überragte sie. Und schaffte den angepeilten Aufstieg.

Die Wahl fiel damit auf einen Mann aus der Unternehmensfamilie. Stuby, der wegen der Jura-Professur seines Vaters die Schulzeit in Bremen verbrachte, arbeitete mit Ausnahme einer fünfjährigen Pause immer an BG-Kliniken, bewarb sich schon nach dem Studium gezielt an einem solchen berufsgenossenschaftlichen Haus, weil es „ein hohes OP-Aufkommen gibt und viele Schwerverletzte behandelt werden“. 2001 wechselte er an die BG-Klinik Tübingen, die Stadt wurde zur Heimat. Dort lebt Stuby bislang mit Ehefrau Noëlle, einer Halbfranzösin, die Marketingleiterin in einer Werbeagentur und spezialisiert auf Online-Marketing ist; die drei gemeinsamen Kinder Lenny (bald 10), Henri (8) und Lillie Fleur (5) kamen in Tübingen auf die Welt. Stuby zieht zunächst allein nach Murnau, die Familie folgt, sobald ein geeignetes Mietobjekt in Murnau oder seiner Umgebung gefunden ist. „Die Kinder waren zunächst nicht so begeistert“, sagt Stuby. „Aber nachdem wir gemeinsam beim Skifahren in Garmisch-Partenkirchen waren, konnte ich ihre Begeisterung wecken. Jetzt freuen sich alle, dass wir hierher ziehen“ – zumal die gesamte Familie sehr für Berge zu haben ist. Stuby findet fast poetische Worte für den Ausblick nach Süden, der sich von der Murnauer Klinik aus bietet: „ein sehr schöner Flecken Erde“.

Der Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie hat eine Ader dafür. Freie Zeit, die künftig eher noch spärlicher zur Verfügung stehen dürfte, verbringt er gerne mit Frau und Kindern, die Söhne sind begeisterte Fußballer. Auch Stuby treibt gerne Sport: Fahrradfahren und Joggen sind bevorzugte Disziplinen. In der Medizin bilden Beckenverletzungen im Rahmen der Schwerstverletztenversorgung sein Spezialgebiet. Stuby kam innerhalb von 20 Jahren auf insgesamt rund 8500 Operationen, etwa 400 im Jahr, in der jüngeren Vergangenheit waren es eher mehr. Auf seinem neuen Posten, weiß er, werde er „nicht mehr ganz so viel operieren können“ – weil andere Aufgaben auf ihn warten. Stuby steht als Chef an der Spitze, allerdings nicht als Halbgott in Weiß. Er zählt sich nicht zu den Vertretern eines autokratischen Führungsstils. Eine Hierarchie sei aber gerade in der Chirurgie notwendig, betont er: „Solch eine große Abteilung lebt davon, dass Entscheidungen getroffen werden. Die müssen für die Mitarbeiter jedoch nachvollziehbar sein.“

Stuby bereitet sich längst auf den neuen Posten vor. Er steht mit Vorgänger Bühren in Kontakt („Ich denke, er kann mit der Wahl gut leben“) und hält sich immer wieder für Gespräche in Murnau auf. Stuby hat einen unbefristeteten Vertrag als Ärztlicher Direktor unterzeichnet und setzt auf eine langfristige Bindung zur UKM – quasi auf Arbeits-Lebenszeit: „Ich will bis zur Rente bleiben und prägend in die Klinik eingreifen.“

Das braucht eine Weile, geht nicht von heute auf morgen. Bühren, der hohe Reputation als Ärztlicher Direktor genoss, brachte 25 Jahre auf seinem Posten zu. Stuby wird sich nun hüten, brachial Fundamente einzureißen. „Es wäre falsch zu meinen, dass man in einem gut laufenden Betrieb alles umkrempeln muss.“ Auch in diesem Fall zieht er das Skalpell dem Presslufthammer vor. „Ich versuche, das Positive zu erhalten und an kleinen Rädchen zu drehen.“ Stuby will sich in der Unfallklinik, die 2000 Mitarbeiter beschäftigt und damit größter Arbeitgeber im Landkreis ist, vielmehr in Ruhe ein Bild machen, sehen, an welchen Stellen er Dinge verbessern oder anpassen kann. Schritt für Schritt, über die Jahre, möchte Stuby dann „eine eigene Handschrift hinterlassen“. Der 51-Jährige würdigt Bühren als den Mann, der „maßgeblich am Aufblühen“ der Unfallklinik beteiligt war. „Ich versuche, es so gut zu machen wie er“, erklärt Stuby. „Aber auf meine eigene Art.“

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