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Servus! Ende des Jahres verabschiedet sich Andrea Hutter (vorne Mitte) von den Kita-Kindern und ihrem Team. 

Leiterin der Murnauer Kindertagesstätte Drachennest hört zum Jahresende auf

Den Kindergarten „gehasst“, Erzieherin geworden

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Andrea Hutter gehört zum Murnauer Drachennest, prägt die Gemeinde-Einrichtung seit 1998: erst als Erzieherin, dann als stellvertretende Leiterin, seit 2008 als Kita-Chefin. Ende des Jahres ist Schluss: Hutter verabschiedet sich aus dem Leben mit Vollzeitjob.

Murnau– Die Geschichte wirkt ungewöhnlich – fast wie die des Vegetariers, der Metzger werden möchte. Andrea Hutter hat als kleines Mädel in Murnau den Kindergarten besucht – und sie hat ihn, das bekennt sie ganz offen, „gehasst“. Doch gerade deshalb „habe ich den Beruf ergriffen. Ich wollte Kindergärtnerin werden und habe mir geschworen: Meine Kinder kommen mal gerne zu mir.“

Andrea Hutter, die Frühberufene. Ihr Ziel hat sie immer im Blick behalten, und sie muss ihre Bestimmung auf diesem Weg gefunden haben. Denn dieser führte sie nach oben. Seit 2008 leitet sie die gemeindliche Kita Drachennest. Sie kennt andere Einrichtungen, doch jene in Murnau kreuzte immer wieder ihren Lebensweg. Da waren die abschreckenden Anfänge zu Kinderzeiten, damals noch in einem anderen Gebäude. Hutter, die sich in München zur Erzieherin ausbilden ließ, kehrte 1972 im Vorpraktikum erstmals zurück in den Murnauer Kindergarten, der einmal „ihrer“ werden sollte – diesmal sehr gerne. „Es war eine schöne Zeit.“ 1998 fing sie schließlich als Erzieherin in ihrem Heimatort an, wurde erst Stellvertreterin und 2008 Kita-Leiterin. Rund 140 Kinder füllen heute das Drachennest, 40 von ihnen sind Grundschüler und besuchen dort den Hort. Hutter betreut als Chefin keine eigene Gruppe mehr, springt aber bei Urlaub oder Krankheit im Team ein, das neben ihr sechs Erzieher(innen), sechs Kinderpflegerinnen sowie eine Küchenfee umfasst. An der Arbeit mit den Kleinen liegt ihr viel: „Ich kenne alle meine Kinder; für mich sind sie das Wichtigste.“

Erzieherin – das ist ihr Beruf fürs Herz. Hutter besitzt noch einen anderen, den die Vernunft ihr oktroyierte: 1983 legte sie die Prüfung zur Bürokauffrau ab und erledigte im Familienbetrieb fortan die anfallende Arbeit. „Das war nicht meins“, sagt sie.

Heute kommt ihr dieses Wissen zugute. Als Kita-Leiterin muss sie „viel Schriftliches“ erledigen, „da kann ich meine Vorkenntnisse gut gebrauchen“. Vor vier Jahren sattelte sie die Fachweiterbildung Qualifizierte Leitung drauf. Warum diese Mühe nach vielen Jahren Berufserfahrung? „Weil ich ein neugieriger Mensch bin“, sagt Hutter, die große Stücke auf ihr Team hält, immer ein offenes Ohr in der Rathaus-Geschäftsführung sowie Unterstützung bei Institutionen wie Feuerwehr und Bauhof fand. „Ich wollte mich den heutigen Gegebenheiten noch mal stellen: nicht nur das Eingefahrene, sondern neue Impulse.“

Dabei waren ihre Jahre im Haus letztlich voller Veränderungen. Nun sieht sich Hutter persönlich vor einer großen Zäsur: Zum Jahresende hört sie als Kita-Leiterin auf, ihre Nachfolgerin steht offenbar schon fest – dem Vernehmen nach ist diese auf dem Feld der Kinderbetreuung in Murnau keine Unbekannte. Hutter verabschiedet sich dagegen vom Vollzeitjob in den selbst gewählten „Lebensurlaub“, wie die Murnauerin sagt, die drei erwachsene Kinder und einen Enkel hat. Sie wird sich „nicht zu Hause hinsetzen“ und wohl auch in kein Loch fallen. Hutter will ihr „soziales Netzwerk wieder mehr aktivieren“, verreisen, Freunde besuchen, vielleicht das Motorradfahren erneut anfangen und sich ehrenamtlich engagieren, eventuell für Kinder, sowie womöglich dem Sohn im Büro helfen. Sie freut sich darauf, mehr Zeit zu haben, darauf, dass ihr Leben „nicht mehr so getaktet“ und sie nicht mehr fremdbestimmt ist. „Es fällt mir nicht schwer, aufzuhören“, sagt Hutter. Wiederum gilt: „Ich bin ein neugieriger Mensch.“ Doch sie räumt ein: „Die Kinder werden schon fehlen.“ Für sie zählte immer, sich in deren Persönlichkeit zu versetzen, sie wertzuschätzen und auch mit ihren Sorgen ernst zu nehmen. Manches davon trägt sie mit nach Hause, wenn sie in ihrem Büro die Tür schließt: „Ein Kind ist kein Bleistift, den ich zur Seite legen kann.“

Die Frühberufene weiß, worauf es ankommt.

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