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Gut besucht: das Festzelt beim „Politischen Abend“ der CSU.

Hoher Besuch in Murnau

Stoiber und Dobrindt auf Stimmenfang im Bierzelt

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Das Bierzelt gilt als Höhle des bayerischen Löwen. Für die CSU ist es Trutzburg und sichere Bastion für Angriffe auf den politischen Gegner – hier hat sie ein Heimspiel. In Murnau schickt die Partei im Wahlkampf zwei ihrer Großen auf die Zelt-Bühne: Edmund Stoiber und Alexander Dobrindt.

Murnau – Edmund Stoiber (75) muss nicht mehr; er kann, wenn er denn möchte. Der frühere Bayerische Ministerpräsident und Ehrenvorsitzende der CSU hätte die Möglichkeit, sich zehn Wochen vor der Bundestagswahl bequem zurückzulehnen, statt im Bierzelt an der Basis um Stimmen zu kämpfen. Er tut’s trotzdem, für die Partei, für Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, den CSU-Direktkandidaten der Region für die Bundestagswahl am 24. September. Stoiber schätzt ihn: „Alexander sollte in Berlin noch ein Stück mehr Verantwortung übernehmen – und er wird es. Davon bin ich fest überzeugt.“

Dobrindt hatte Stoiber schon im Winter nach Murnau eingeladen. „Es war mehr ein Drängen“, sagt Stoiber. Er ist der CSU-Altmeister der Bierzelt-Reden, kann auf diesem Terrain „auf 40 Jahre Wahlkampf-Auseinandersetzungen zurückblicken“. Am Montagabend in Murnau ist Stoiber Hauptredner. Vize-Landrat Michael Rapp sowie Landtagsabgeordneter Harald Kühn sind eingangs nur wenige Minuten zu hören, und auch das Kabinettsmitglied aus Peißenberg nimmt sich zurück, spricht relativ kurz und knapp. Dobrindt will Stoiber erkennbar die große Bühne überlassen. Beim Publikum im gut gefüllten Zelt bedankt der Bundesminister sich sogar, dass so viele gekommen seien, um Stoiber zu hören. Man spielt sich die Bälle zu.

Dobrindt spricht natürlich über „seine“ Themen Pkw-Maut und Abgasprobleme, unter anderem über Integration („kann es nur geben, wenn es keine unbegrenzte Zuwanderung gibt“), Heimat und Identität, über die G20-Gewaltexzesse („linke Saubande, die marodierend durch Hamburg wütet“) sowie die Mütterrente. Er fordert, den „Soli endlich abzuschaffen“, stichelt gegen SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und wehrt sich gegen den Vorwurf, er würde Bayern bevorzugen bei der Verteilung der Mittel aus dem Verkehrshaushalt. Dieser sei „vollkommen ungerechtfertigt“, betont Dobrindt. In Bierzeltrede-Manier fügt er an: „Und wenn es stimmen würde, wär’s auch in Ordnung.“ Applaus aus dem Publikum.

Dann Stoiber. Der Wolfratshauser hat in Murnau ein Heimspiel. In den vorderen Reihen sitzen vor allem Mitglieder diverser CSU-Ortsverbände, und überhaupt befindet sich das Zelt offenbar ziemlich fest in christsozialer Hand. Olivier Mayr etwa, Wirt der Kreutalm und bekennender Schwarzer, will „dem Ehrenvorsitzenden Respekt erweisen“. Deshalb ist er da. 2003, sagt Mayr, habe Stoiber „seinen Wahlsieg bei uns gefeiert“.

Auch Nicht-Partei-Mitglieder besuchen die Höhle des bayerischen Löwen. So wie Michael Glatt aus der SPD-Hochburg Dortmund, der seit vielen Jahren im Blauen Land Urlaub macht. Er empfindet Oberbayern als Wahlheimat und schätzt die Traditionen, die die Einheimischen „im Herzen tragen“. Glatt setzt sich in Shorts und T-Shirt weit nach vorne, um auch gut sehen zu können, bestellt sich zur Musik der Schönegger Almmusikanten eine Mass Helles und verrät: „Ich bin zum ersten Mal im Leben auf einer politisch gefärbten Veranstaltung.“ Er will „die Atmosphäre kennenlernen und schauen“ – wie die Menschen „auf die sogenannten Großkopferten reagieren“. Sein Eindruck, noch bevor Dobrindt und Stoiber überhaupt loslegen: „Dass da so ein Bohei gemacht wird, ist schon extrem“. Fast wie bei Popstars, findet Glatt.

Stoiber ist der Hauptact des Abends. Er nutzt die Bühne, spricht über alles, was die CSU im Innersten zusammenhält, springt in typischer Stoiber-Manier von einem Thema zum nächsten und scheint nichts auszulassen, was das konservative Herz begehrt, kernige Aussagen inklusi

ve. Er beweist einen langen Atem, nimmt Anlauf, läuft sich rhetorisch warm, legt irgendwann den Trachtenjanker ab, kniet sich in seine Rede. Stoiber, einst Generalsekretär („blondes Fallbeil“) unter dem legendären Parteivorsitzenden Franz Josef Strauß, kann Bierzelt. Am Ende: großer Applaus für den 75-Jährigen; der eine oder andere erhebt sich von seiner Bank.

Dobrindt lobt Stoibers „großartigen Auftritt“ und überreicht – in Anspielung auf die von der CSU gerne gebrauchte Metapher „Laptop und Lederhose“ – „eine echte Hirschlederne fürs Tablet“.

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