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Geschlossen: die ehemaligen Autohaus-Räume mit Werkstatt.

Kontroverse Diskussion im Bauausschuss

Kern-Areal: Ungewisse Zukunft

Was wird aus dem ehemaligen Murnauer Autohaus Kern an der B2? Der Eigentümer soll erstmal ein Gesamtkonzept für das Areal vorlegen. 

Murnau – Jeder Murnauer kennt das ortsbildprägende Gebäude des ehemaligen Autohauses Kern an der B 2 bei Hechendorf. Am 30. Juni diesen Jahres wurde die dort seit den 1950er Jahren betriebene Lkw-Werkstatt bis auf die Tankstelle und den Getränkemarkt aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Nun lag im Murnauer Bauausschuss ein Antrag zur Nutzungsänderung des Autohauses zu einem Ausstellungs- und Verkaufsraum sowie Werkstatt und Lager für ein Fahrradgeschäft vor.

    Die weiträumigen Werkstätten im hinteren Teil des Baus wären davon nicht betroffen. Doch so schnell wird es nicht zu einer Verwirklichung dieses Vorhabens kommen. Denn das Gelände mit dem Gebäudekomplex liegt im Außenbereich und wurde beim Inkrafttreten des Flächennutzungsplans im Jahre 1994 nicht überplant. Nun befürchtet die Marktgemeinde die Zersplitterung des Geländes durch die Ansiedlung zahlreicher kleiner Firmen – wie etwa nach der Schließung des Poschinger-Möbelwerks in Neu-Egling oder auf dem ehemaligen Gelände von Böhmer Frottier in Westried. Auch das Landratsamt wünscht sich nach Aussage von Marktbaumeister Klaus Tworek keinen Branchenmix auf dem Gelände und würde sich in einem solchen Fall querstellen.

    „Es ist am Eigentümer, ein Gesamtnutzungskonzept vorzulegen“, sagte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), wobei er betonte, dass die Kommune kein Interesse daran habe, „dass das Areal verkommt“. Deshalb gab er bei der Abstimmung letztlich sein Votum für die Umnutzung ab. Kritischer äußerte sich sein Fraktionskollege Holger Poczka, ebenso sahen Josef Gramer und Johann Scherrer (beide CSU) Probleme auf die Gemeinde zukommen. Die Zweite Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler) sah die Angelegenheit hingegen etwas anders: „Wir sind doch mit der Überarbeitung des Flächennutzungsplans beschäftigt“, erklärte sie. „Wäre nicht eine befristete Nutzung der Räume möglich, solange er nicht in Kraft ist?“ Mit den Gegenstimmen von Beuting, Stewens, Veronika Jones (Grüne) und Sabine Pecher (ÖDP/Bürgerforum) entschied sich das Gremium dafür, den Antrag abzulehnen und dem Antragsteller zu empfehlen, ein Gesamtkonzept zur Nachfolgenutzung des Areals vorzulegen.

    Wenig begeistert zeigte sich der Besitzer des betroffenen Gebäudes, Georg Kern, auf Tagblatt-Anfrage von dem Beschluss. Der Unternehmer hatte den Betrieb von seinem Vater Albert Kern, der am 8. April diesen Jahres verstarb, übernommen. „Ich kann ihnen beim besten Willen nicht sagen, was ich jetzt vorhabe“, erklärte Georg Kern. „Ich werde erst einmal prüfen, wie meine rechtlichen Möglichkeiten in der Sache aussehen.“ Auf die Frage, ob er sich in der Lage sehe, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, winkte er ab: „Wie soll ich das machen? Ich weiß nicht, wie ich diese Aufgabe zurzeit erfüllen soll.“ Und weiter: „Kennen sie einen Vermieter, der ein so großes Areal hat – mit so vielen Nutzungsmöglichkeiten? Ich muss ja schließlich die Mieter dazu finden. Der Markt sagt, er hat Angst, dass sich das zersplittert. Und ich kann sagen, ich habe Angst, ob ich das überhaupt unter diesen Bedingungen vermieten kann.“ Dabei wäre ein Fahrradgeschäft eigentlich nur die konsequente Fortführung einer Tradition des Hauses: Sein Großvater Georg Kern hatte 1930 ebenfalls mit einem solchen Laden angefangen – zunächst in einem Schuppen, ab 1936 auf dem heutigen Gelände.

Heino Herpen

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