Phillip Zoepf spricht für „Mehr bewegen“.
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Phillip Zoepf spricht für „Mehr bewegen“.

Murnau soll Startort für berühmtes Straßenrennen werden

European Championships 2022 in Murnau: Ein Glücksfall und seine Kosten

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Für einen Tag könnte Murnau den Statur Nabel der Radsportwelt erlangen. Der Markt hat das Angebot erhalten, Startort des Straßenrennens der Männer im Rahmen der European Championships 2022 zu sein. Allerdings gibt es quer durch die Fraktionen Bedenken, was die Kosten angeht. Murnau müsste einen Betrag von 50 000 Euro stemmen.

Murnau – Das Ereignis – mega. Wie groß die European Championships 2018, die Europameisterschaften von sieben Sportarten in Berlin und Glasgow waren und auf welche Medienresonanz stießen, machen die Zahlen deutlich, die bekanntlich nicht lügen. Rund 1,4 Milliarden Zuschauer saßen weltweit vor den Fernsehern, die TV-Anstalten sendet rund 885 Stunden von den diversen Wettbewerben. Wenn Murnau nicht alles falsch macht, kann die Marktgemeinde 2022 Teil dieser Veranstaltung sein, die Gemeinderat Wolfgang Küpper (ÖDP/Bürgerforum) in seiner Stellungnahme im Rahmen der Sitzung des Hauptausschusses am Donnerstagabend im Kultur- und Tagungszentrum „als das größte Sportereignis in Deutschland seit den Olympischen Sommerspielen 1972 in München“ beschrieb. Ähnlich äußerte sich Phillip Zoepf (Mehr bewegen): Die Multi-EM fühle sich wie eine Mini-Olympiade an. Die bayerische Landeshauptstadt ist vom 11. bis 21. August 2022 Austragungsort, wenn Europas beste Athletinnen und Athleten um die begehrten Medaillen kämpfen – diesmal in neun Sportarten.

Eine davon: Radrennen. Und dabei kommt Murnau ins Spiel. Die Organisatoren haben die Gemeinde als Startpunkt des Herrenstraßen-Rennens am 14. August auserkoren. „Die Anfrage des Organisationsteams, angesiedelt beim Olympiapark München, wurde über Landrat Speer an den Markt herangetragen“, erklärte Tourismus-Chefin Alexandra Thoni, bei der die lokalen Fäden zusammenlaufen und die mit rund 3000 Zuschauern rechnet. Sie begreift die Veranstaltung als Chance, um auf Murnau und das Blaue Land „als Radsportdestination aufmerksam zu machen“.

Alexandra Thoni ist Murnaus Tourismuschefin.

Alle Mühe gab sich Thoni, den Ausschussmitgliedern, das größte Sportereignis – Murnau hat in der jüngeren Vergangenheit nichts Vergleichbares erlebt – schmackhaft zu machen. Das gelang ihr zunächst ganz gut. Über alle Parteigrenzen hinweg signalisierte man zuerst einmal Wohlwollen. „Als Grüne kann man ja nichts gegen Radfahren haben“, sagte Veronika Jones. Wohl aber gegen Radeln in dieser Profi-Form. Je länger die Diskussion dauerte, desto mehr outete sich Jones, bis vor Kurzem Fraktionssprecherin der Öko-Partei, als Bedenkenträgerin. Zuerst wies sie ebenso wie Felix Burger (SPD) darauf hin, dass massive Werbung in den elektronischen und den Print-Medien dafür sorgen werde, dass noch mehr Gäste nach Murnau und in die Region stürmen dürften. „Laufen wir in eine Falle? Kommen die Touristen, die wir ansprechen wollen?“, fragte Jones und lieferte die Antwort gleich nach. „Das wage ich zu bezweifeln.“ Ein Beitrag, den Josef Bierling (CSU) wohl als Tourismus-Bashing verstand und den er so nicht stehen lassen wollte. „Ich kann’s nicht mehr hören. Wir brauchen den Tourismus.“ Gleichzeitig machte sich der Christsoziale für die Veranstaltung stark, „die er einen Glücksfall für Murnau“ nannte, „und die wir in den Schoß geschmissen bekommen“.

Die Kosten, die auf Murnau zukommen, ließen die Begeisterung dann weiter abschwellen. Thoni sprach von einem Betrag von 50 000 Euro. Für die meisten Gemeinderäte eine Summe, die sie schlucken ließ. Burger redete von einer „Hausnummer“, Jones gar davon, dass es bei den Kosten ein „böses Erwachen“ geben könne. Probleme bereitet ihr auch der Vertrag, der mit den Organisatoren geschlossen werden müsste. Als Horrorszenario malte sie die „Knebelverträge“, die das IOC bei Olympischen Spielen verlangt, an die Wand. Bürgermeister Rolf Beuting machte deutlich, dass es sicherlich einen Kontrakt geben werde, wenn sich Murnau dazu entschließt, Startort zu sein. „Die Veranstalter brauchen Sicherheit.“ Am 4. Mai steht ein Treffen von Beuting und Thoni mit Vertretern des Organisationskomitees im Kalender. Dann will der Rathaus-Chef alle Punkte ansprechen. Er macht indes deutlich, dass die Kosten nicht Gegenstand der Vereinbarung sein werden.

Der Betrag von 50 000 Euro, der so viel Kopfzerbrechen bereitet und der benötigt wird, um die Fußgängerzone abzusperren, Technik aufzubauen, die Band zu bezahlen und so weiter, soll als Sonderbudget im Haushalt 2022 eingestellt werden. Die ließen sich wohl abschmelzen durch die Einnahmen des Rahmenprogramms (siehe Kasten), das Thoni mit ihrem Team gedenkt, auf die Beine zu stellen. Bierling bot die Hilfe des Sportbeirats an. „Vielleicht lässt sich dadurch Geld einsparen.“

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