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Echtes Murnauer Original: Hermann Becher in der Fußgängerzone. 

Seine Geschichten machen Vergangenheit lebendig

Ein Murnauer Original: Hermann Becher, der Mann, der Münter die Haare schnitt

Hermann Becher macht ein gutes Stück Murnauer Vergangenheit lebendig - mit einzigartigen Geschichten aus seinem Leben als Friseur. Über eine mittellose Malerin zum Beispiel. 

Murnau – Er ist gleichermaßen Lebenskünstler, Abenteurer, Friseur, talentierter Theaterschauspieler und hat auch in kleinen Fernsehrollen kantige, eigenwillige Typen gespielt – kurzum: Hermann Becher ist eines der letzten Murnauer Originale. An sonnigen Tagen trifft man ihn oftmals in der Murnauer Fußgängerzone an, wo er bei einem Espresso humorvoll das Geschehen in der Marktgemeinde kommentiert. Wenn der stets gut gelaunte 78-Jährige ins Reden kommt, wird ein gutes Stück Murnauer Vergangenheit lebendig.

Malerin Münter kommt im Frisiersalon in Murnau vorbei

In seiner Jugend hatte Becher im damaligen Frisiersalon Berger am Untermarkt (später Salon Schön, heute Eis Gabrielli) eine Lehre als Friseur absolviert und 1958 seinen Gesellenbrief erworben. „Zwei, dreimal im Jahr kam die Malerin Gabriele Münter bei uns vorbei“, erzählt er schmunzelnd, „und jeder wusste, dass sie kein Geld zum Bezahlen besaß. Deshalb machte sie immer die Runde von einem Murnauer Friseur zum anderen, damit das nicht weiter auffiel“. Einmal – es soll um 1962 gewesen sein – habe sie gleich um neun Uhr früh den Salon Berger betreten, erinnert sich Becher. „Sie tuschelte leise mit der Chefin, die dann zu mir kam, und mir zuflüsterte: ‚Schneid’s ihr möglichst kurz, damit sie so schnell nicht wiederkommt’“. Dies habe er dann auch getan: „Trinkgeld gab’s natürlich keins, weil sie halt nichts gehabt hat.“

Bechers beruflicher Lebensweg führte ihn unter anderem nach Hildesheim, München-Garching und Farchant, dazwischen wieder nach Murnau zu Heinz Schön in dessen Frisiersalon, mit dem er zusammen seine Lehre gemacht hatte. Einmal nahm er sich gar eine Auszeit, bei der er gleich vier Monate lang in Finnland mit einem Zelt unterwegs war. Noch heute schwärmt er von den hellen Nächten des hohen Nordens, und von dem Häuschen mit Sauna, das er damals für einige Tage gemietet hatte.

Schauspieler Manske kennt der Murnauer vom Stammtisch

Seit 1974 ist er mit seiner Frau Irmgard verheiratet, das Ehepaar hat eine Tochter, einen Sohn und eine Enkelin. Ein durchaus anspruchsvolles Hobby für sich entdeckte Becher Jahre später mit der Schauspielerei: „Wilhelm Manske, den ich vom Stammtisch her kannte, suchte zum Horváth-Jahr 1988 Mitwirkende für das Stück ‚Zur schönen Aussicht“, erzählt der vielseitige Murnauer. „Ich bekam die Rolle des Generaldirektors Müller, und das hat mir viel Spaß gemacht.“ Sein Auftritt blieb nicht ohne Folgen: „Kurz darauf erschienen zwei Damen des Bayerischen Fernsehens bei mir, die einen Darsteller für den Part eines Polizisten in einer Episode der Fernsehserie ‚Löwengrube’ suchten“, lacht Becher. „Beim Casting hab’ ich offensichtlich dem Regisseur gefallen, und schon hatte ich die Rolle.“ Es folgten weitere kleine Engagements, wie beispielsweise bei der sechsteiligen Serie „Die schnelle Gerdi“ von Michael Verhoeven, bei der er jeweils im Vorspann als Maskenbildner der Hauptdarstellerin Senta Berger die Haare frisierte. „Sie war nett und meinte: ‚Tun sie einfach so, als ob sie in ihrem Salon wären’“, sagt der gelernte Friseur.

Hermann Becher spielt heimtückischen Mörder

Aber der Murnauer konnte auch anders: So gab er in dem Kurzfilm „Der Spießer“, der in der Studentenstadt Freimann gedreht wurde, einen heimtückischen Mörder. Gleichwohl entsagte er nicht dem Theaterspiel: Bei einer Freilichtinszenierung des Stückes „Der Drache von Murnau“ vor dem Murnauer Schloß verkörperte er 2000 einen Bürgermeister. Im Jahr darauf trat er zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Deutschlehrer Klaus-Thomas Fricke vom Goethe-Institut in ihrer Gemeinschaftsproduktion „Einwohnermeldeamt“ insgesamt sieben Mal im restlos ausverkauften Caféhaus Krönner vor sein Publikum. Weitere Stücke des erfolgreichen Duos folgten. „Ich finde das Theater spannender als das filmen, weil es da anderthalb bis zwei Stunden fließend durchgeht“, resümiert der 78-Jährige. „Beim Film spricht man immer nur zwei, drei Sätze, und dann heißt es schon wieder Stopp, weil irgendwas umgebaut werden muss oder so. Im Theater applaudiert einem das Publikum, das ist doch viel direkter und gefällt mir besser.“

Und würde er gerne wieder einmal auf der Bühne stehen? Er muss nicht lange überlegen: „Eindeutig ja – wenn die Rolle passt“.

Heino Herpen

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