Lebensfreude pur: Sepp Gramer (r.) auf dem Kutschbock, zusammen mit (v.l.) Elisabeth Hoechner, Sabine Remmele und Markus Hörmann. Anlass war ein Kutschenkorso in Murnau. 
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Lebensfreude pur: Sepp Gramer (r.) auf dem Kutschbock, zusammen mit (v.l.) Elisabeth Hoechner, Sabine Remmele und Markus Hörmann. Anlass war ein Kutschenkorso in Murnau. 

Nachruf

Ein unverwechselbares Original: Murnauer Josef Gramer mit 71 Jahren gestorben

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Die Bestürzung ist groß: Das Murnauer Original Josef Gramer ist am Mittwoch mit 71 Jahren gestorben.

  • Das Murnauer Original Josef Gramer ist mit 71 Jahren gestorben.
  • Er war in vielen Vereinen sowie im Markt- und Pfarrgemeinderat aktiv.
  • Die Bestürzung in der Marktgemeinde ist groß.

Murnau – Josef Gramer war aus Murnau nicht wegzudenken. Mit seiner Pferdekutsche gehörte er zum Ortsbild. Der einstige Bahnbeamte war bekannt wie ein bunter Hund. Und sehr vielseitig. Das Murnauer Original war bei zahlreichen Vereinen aktiv, spielte Theater, war Fußball-Schiedsrichter und saß im Markt- sowie im Pfarrgemeinderat. Nun ist er am Mittwoch mit 71 Jahren an den Folgen seines schweren Kutschunfalls gestorben. Die Trauer in Murnau ist groß. Eins ist jetzt schon klar: Sepp Gramer wird fehlen.

Vier Mal Fasskasperl

Der Murnauer hatte einen einzigartigen Humor. Diese Eigenschaft konnte er zum Beispiel beim traditionellen Politikerderblecken oder auch bei den Murnauer Schäfflern ausleben, wo er unter anderem Fasskasperl war. 21 Jahre war Sepp Gramer alt, als er 1971 erstmals am Schäfflertanz als Tänzer teilnahm, danach noch 1978 und 1985. „Anschließend setzte er seine ,Schäfflerlaufbahn‘ dann vier Mal von 1992 bis 2013 als Fasskasperl fort, wobei ihm diese Rolle geradezu auf den Leib geschnitten war und er auf seine bekannte Art dadurch den Murnauer Schäfflertanz prägte“, sagt Michael Huber, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung des Murnauer Schäfflertanzes. Sepp Gramer habe es dabei nicht nur im Besonderen verstanden, die Leute auf äußerst lustige sowie einfallsreiche Art zu derblecken und für sie im wahrsten Sinne den Kasperl zu machen, sondern bei ganz speziellen Tänzen auch sehr einfühlsam zum Publikum zu sprechen. „Gerade diese Mischung zeichnete ihn aus, und er bleibt für uns alle unvergessen. Für seine Verdienste um die Murnauer Schäffler werden wir ihm immer dankbar sein.“

Der Fasskasperl rührt im Bier: Sepp Gramer beim Schäfflertanz im Januar 2013.

Auf ihn war Verlass

Auch beim Verschönerungsverein trauert man um Sepp Gramer, der seit 2011 Zweiter Vorsitzender war. Vorher stand er zwei Jahre an der Spitze des Vereins. „Insbesondere wenn es um Arbeitseinsätze ging, konnten wir uns stets auf ihn verlassen“, sagt der Vorsitzende Wilhelm Müller. Er nennt zum Beispiel den Auf- und Abbau des Töpfermarktes oder des Christkindlmarktes. Beim Ausholzen von Gebirgs- oder Seeblick, beim Wegebau und noch im Februar des vergangenen Jahres bei Holzarbeiten an der neuen Schutzhütte in der Nähe von Grafenaschau packte Sepp Gramer mit an. „Auch bei der Verhandlung mit der Unteren Naturschutzbehörde war er eine wichtige Größe“, sagt Müller. „Und wer im Vorstand erinnert sich nicht an die Kutschfahrt mit seinen Haflingern ins Murnauer Moos zur Erkundung eines geeigneten Standortes für unser Projekt. Die Nachricht von seinem Tod war ein Schock, weil wir alle zuversichtlich waren, dass er sich von den Folgen seines Unfalls mit der Kutsche wieder erholen würde.“ Dabei waren Anfang Juli 2020 am Kultur- und Tagungszentrum zwei Pferde durchgegangen. Danach wurde Gramer von der Kutsche geschleudert. Mit schweren Kopfverletzungen kam er damals in die Unfallklinik. „Er hinterlässt eine große Lücke“, betont Müller, „wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Wir trauern mit der Familie Gramer.“

Multitalent: Sepp Gramer versteigerte des Öfteren Fundsachen im Bauhof. 

Beuting: Er hinterlässt eine Lücke

Auch Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ist bestürzt: „Mit Josef Gramer hat uns eine außergewöhnliche Persönlichkeit in Murnau verlassen. Als aktives Mitglied in zahlreichen Vereinen, in der katholischen Pfarrgemeinde oder im Marktgemeinderat ist er uns frei, ehrlich und herzlich begegnet. Er war zu jeder Zeit ein echtes Murnauer Original, das mit seiner Art auch die Besucher und Gäste unserer Gemeinde begeistern konnte. Sepp Gramer hinterlässt eine Lücke in unserer Gemeinschaft, die wir nicht schließen können.“ Beuting bekräftigt: „Wir werden ihn stets in herzlicher Erinnerung behalten. Unsere Gedanken und Gebete sind bei seiner Familie, der wir viel Kraft in dieser schweren Zeit wünschen.“

Fraktion ist erschüttert

Das Murnauer Unikat saß seit 2008 im Gemeinderat, zunächst für die CSU, dann als fraktionsloser CSU-Vertreter und zuletzt für das ÖDP/Bürgerforum. Seine Gruppierung zeigt sich „tief erschüttert über den nun doch überraschenden Tod unseres Fraktionskollegen und Freundes Sepp Gramer“. Dieser habe die Arbeit in der Fraktion „durch seinen großen politischen Erfahrungsschatz, seine Menschenkenntnis und seinen Humor sehr bereichert. Er hatte immer auch gute Kontakte zu den anderen Fraktionen und hat immer das Miteinander in den Vordergrund gestellt.“ In der E-Mail, die Gemeinderätin Anna Schlegel-Herz namens ihrer Gruppierung verschickte, heißt es: „Wir werden seine Persönlichkeit, seinen Humor und seine Freundschaft sehr vermissen.“

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