Freut sich über die fröhlich-bunte Ausstellung: Museumsleiterin Dr. Sandra Uhrig, hier mit dem „Marktweiberl“ von Heimrad Prem.
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Freut sich über die fröhlich-bunte Ausstellung: Museumsleiterin Dr. Sandra Uhrig, hier mit dem „Marktweiberl“ von Heimrad Prem.

Neue Sonderausstellung

Eintauchen in eine andere Welt: Murnauer Schloßmuseum widmet sich dem Thema „Die Kinderzeichnung und der Expressionismus“

Das Murnauer Schloßmuseum lockt mit einer neuen Sonderausstellung. Sie heißt „Punkt Linie Fläche – Die Kinderzeichnung und der Expressionismus“.

  • Eine neue Sonderausstellung im Murnauer Schloßmuseum widmet sich dem Thema „Punkt Linie Fläche – Die Kinderzeichnung und der Expressionismus“ .
  • Das Eintauchen in die Welt der Kindheit hat das Museumsteam durch die Pandemie getragen.
  • Besonderen Spaß machen Objekte wie der flotte „Straßenkreuzer“ von Lothar Fischer oder das lustige „Marktweiberl“ von Heimrad Prem.

Murnau – So viel sei versprochen: Die gestern im Murnauer Schloßmuseum eröffnete Sonderausstellung macht beste Laune. Auch Dr. Sandra Uhrig und ihre Kollegen hatten enorm viel Spaß bei der Konzeptionierung der Werkschau zum spannenden Thema „Punkt Linie Fläche – Die Kinderzeichnung und der Expressionismus.“ „Dieses Eintauchen in die Welt der Kindheit hat uns durch die Pandemie getragen“, bekennt die Museumsleiterin.

Schon das Titelmotiv, Paul Klees entzückender „Waldvogel“, eingebettet in eine Traumlandschaft aus farbigen Flächen, macht Lust auf mehr. Mit der Kreativität von Kindern setzten sich Wassily Kandinsky, Paul Klee, Pablo Picasso, Asger Jorn und weitere bedeutende Künstler der Klassischen Moderne intensiv auseinander. Das Thema stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts im besonderen Fokus, es gab mehrere Ausstellungen, bedeutende Publikationen wurden veröffentlicht. So fanden auch zwei Zeichnungen der achtjährigen Ingeborg Haeckel, Enkelin des Naturforschers Ernst Haeckels und von 1939 bis 1966 Schulleiterin in Murnau, Eingang in G.F. Hartlaubs Werk „Der Genius im Kinde“. Das kindliche Universum, die Parallelität von Fantasiewelt und Realität, der spontane, unbeschwerte Umgang mit Größenverhältnissen und den Gesetzen der Schwerkraft sowie das hohe Abstraktionsvermögen gaben der expressiven Malerei damals wie heute inspirierende Impulse.

Münter und Kandinsky sammelten Kinderzeichnungen

Neben Objekten der Volkskunst waren es daher besonders Kinderzeichnungen, die Gabriele Münter und Wassily Kandinsky schätzten und sammelten. Rund 250 Arbeiten werden in der Gabriele- Münter- und Johannes-Eichner-Stiftung bewahrt, viele fanden nun den Weg in die Ausstellung. Man sollte sich mit ausreichend Zeit in die reizenden Zeichnungen, Aquarelle und Collagen vertiefen, die Kinder verschiedener Altersstufen zwischen 1905 und 1924 geschaffen haben. Meist gehörten sie zum deutsch-russischen Familien- und Freundeskreis des Paares – von den meisterhaften und außergewöhnlichen Aquarellen der jungen Lydia Wieber etwa waren Münter und Kandinsky so fasziniert, dass sie fünf davon im Almanach „Der blaue Reiter“ abbildeten.

Münters Beschäftigung mit Kinderkunst fand vielfältigen Niederschlag in ihrer Arbeit – 1914 begeisterte sie die Zeichnung „Haus“ eines Buben namens Robert so sehr, dass sie eine 1:1-Replik erstellte. Ihr Linolschnitt „Wäsche am Strand“ wiederum inspirierte Kandinskys Nichte Maschura zu einer wunderbaren Collage. Kind und Künstler begegnen sich hier auf Augenhöhe, lernen voneinander.

Märchen spielen in Kandinskys Schaffen große Rolle

Die Welt der Märchen und Mythen spielte in Kandinskys Werk eine große Rolle, auch Lyonel Feininger tauchte in Kinderwelten ein. Interessant Paul Klees ambivalente Positionierung, seine lebenslange Auseinandersetzung mit Kinderzeichnungen. Künstler der Gruppen „Cobra“ und „Spur“ nahmen sich ebenfalls Kinder zum Vorbild – farbenfroh und phantasievoll die Bilder von Constant, Jean Dubuffet, Asger Jorn, Karel Appel, HP Zimmer, Heimrad Prem und Helmut Sturm.

Besonderen Spaß machen Objekte wie der flotte „Straßenkreuzer“ von Lothar Fischer oder das lustige „Marktweiberl“ von Heimrad Prem. Das steht perfekt platziert neben den ausdrucksstarken Arbeiten Murnauer Kinder aus einem Workshop zum Thema „Tiere im Museum“. Die dürfen hier genau so hängen wie Picassos Keramikgesichter – schließlich wollte dieser geniale Künstler stets lernen zu zeichnen wie ein Kind und hat experimentierfreudig bis ins hohe Alter den Zauber des Anfangs gesucht.

Hinweis

Die Präsentation, zu der ein umfangreicher Katalog erschienen ist, findet im Rahmen der Ausstellungsreihe „Avantgarde in Farbe. Blauer Reiter, Brücke, Expressionismus“ der MuSeenLandschaft Expressionismus statt, die auch ins Buchheim Museum in Bernried, ins Franz Marc Museum in Kochel, ins Museum Penzberg und ins Lenbachhaus in München führt.

Barbara Jungwirth

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