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Murnauer Skatepark wird doppelt so teuer

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Von: Peter Reinbold

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So könnte der Murnauer Skatepark aussehen. Das Bild zeigt einen Entwurf des Büros Landskate, in dem Vorschläge von Jugendlichen eingearbeitet sind.
So könnte der Murnauer Skatepark aussehen. Das Bild zeigt einen Entwurf des Büros Landskate, in dem Vorschläge von Jugendlichen eingearbeitet sind. © Büro Landskate

Die vollintegrative Skateanlage südlich des Murnauer Bahnhofs ist beschlossenen Sache. Allerdings belaufen sich die Kosten für das Projekt mittlerweile auf mehr als eine halbe Million Euro.

Murnau – Sage noch einer, Kinder und Jugendliche hätten kein Interesse an Politik – und schon gar nicht an Kommunalpolitik. Sie nehmen durchaus Anteil an dem, was in ihrer Heimatgemeinde passiert – vorzüglich, wenn es um Dinge geht, die sie betreffen. Als sich der Murnauer Gemeinderat mit der vollintegrativen Skateanlage, die in Bahnhofsnähe entstehen soll, abschließend beschäftigte, saßen fast 30 Kinder und Jugendliche auf den Zuhörerplätzen, um mitzuerleben, ob einer ihrer Herzenswünsche, den sie in einer Umfrage noch vor einem Schwimmbad nannten, sich ein paar Wochen vor Weihnachten erfüllt. Ob des großen Andrangs sah sich Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) gar bemüßigt, diese Angelegenheit, die erst an zehnter Stelle von zwanzig Tagesordnungspunkten vorgesehen war, nach vorne zu ziehen. Was die Jugendlichen hörten, dürfte ihnen durchaus gefallen haben.

Neue vollintegrative Skateanlage: Unfallklinik und Rollstuhlsportverein mit im Boot

Die vollintegrative Skateanlage, die auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen die Möglichkeit zur Teilhabe bietet, kommt. Das Unfallkrankenhaus, das mit vielen Rückenmarksverletzen Patienten zu tun hat, ist dabei ebenso mit im Boot wie der Rollstuhlsportverein Murnau. Was letztlich gebaut werden wird, daran haben die Jugendlichen und Kinder einen großen Anteil. Zusammen mit dem Planungsbüro Landskate erarbeiteten sie im September im Rahmen eines Workshops, wie die Anlage aussehen soll. Auf einem rund 860 Quadratmeter großen Areal entstehen auf einer Fahrfläche von 625 Quadratmetern unter anderem zwei Auffahrtsrampen und barrierefreie Aufenthaltsplätze. Da einige Bäume weichen müssen, sind laut Nina Herweck-Bockhorni, die stellvertretende geschäftsleitende Beamtin präsentierte den Gemeinderäten das Projekt, zwölf Neupflanzungen und etliche Büsche geplant.

Zustimmung aus den Reihen der Gemeinderäte

Die Kommunalpolitiker befürworteten durch die Bank den Bau der Anlage. „Es geht um ein Bekenntnis zur Jugend“, sagt Mehr-Bewegen-Fraktionschef Phillip Zoepf. Allerdings diskutierte das Gremium auch die enormen Kostensteigerungen. Als die Skateanlage im Dezember 2021 erstmals im Gemeinderat besprochen wurde, war man in der Verwaltung von rund 275 000 Euro ausgegangen. Davon hat man sich mittlerweile weit entfernt. Derzeit kalkuliert man einschließlich sämtlicher Baunebenkosten mit 551 400 Euro. Mehr als doppelt so viel als vor einem Jahr. Die Explosion auf der Ausgabenseite erklärte Herweck-Bockhorni mit den inflationär gestiegenen Baukosten in den vergangenen Monaten. Ob damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist, wenn die Bauphase spätesten 2024 ab geschlossen ist?

Probst nennt Kostensteigerung „enorm“

Die Steigerung nannte Welf Probst (Freie Wähler) „enorm“. Man habe damals eine Entscheidung auf Grundlagen getroffen, die nicht passen. „Dieses Phänomen haben wir öfter“, erklärte Beuting. Man gehe zunächst von groben Schätzungen aus, erst nach der Planung sehe man klarer. Er bat darum, das Vorhaben „weiter zu befürworten“. Er nannte als Beispiel Uffing. Dort war vor einigen Monaten ebenfalls ein Skatepark entstanden, der sehr gut angenommen wird. In Murnau fehle so ein Ort, „an dem sich die Jugendlichen austoben können“, meinte Beuting.

Freistaat schießt Fördergelder zu, auch Spender und Sponsoren helfen

Der Murnauer Gemeindesäckel wird allerdings nicht mit den vollen 550 000 Euro belastet. Allein der Freistaat schießt über das Investitionspaket Sportstätten 275 000 Euro zu. Spenden und Sponsoren minimieren den Eigenanteil, der sich derzeit zwischen 135 000 und 140 000 Euro bewegt, des Marktes weiter. Dennoch bleibt ein Batzen Geld, der den angespannten Etat der Kommune für die nächsten Jahre belastet. Die Auswirkungen der Kostensteigerung hinterfragte Hans Kohl (Bündnis 90/Die Grünen): „Mich interessiert, was sagt unser Haushalt dazu? Was verschieben wir, was machen wir nicht?“ Eine Antwort darauf erhielt Kohl nicht.

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