Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung, vor der Metallkonstruktion an der Münchner Orleansstraße. Ein Teil könnte nach Murnau kommen.
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Geschichtsträchtiger Zaun: Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung, vor der Metallkonstruktion an der Münchner Orleansstraße. Ein Teil könnte nach Murnau kommen.

Stahlkonstruktion in München wird abgebaut

Weiße Rose: Murnaus Mittelschule hofft auf Teile von geschichtsträchtigem Zaun - es gibt Anfragen aus ganz Deutschland

  • Nadja Hoffmann
    vonNadja Hoffmann
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Sie starben im Kampf gegen den Terror der Nationalsozialisten: Heute vor 78 Jahren wurde Christoph Probst zusammen mit Hans und Sophie Scholl in München-Stadelheim geköpft. Die Erinnerung an die Widerstandskämpfer aber lebt weiter – auch in der Mittelschule Murnau. Sie trägt seit 2016 den Namen von Probst, der am Staffelsee geboren wurde. Das Gedenken an ihn könnte bald erweitert werden: um Zaunstelen, die historische Bedeutung haben.

  • In München erinnert ein geschichtsträchtiger Zaun an die Widerstandskämpfer der Weißen Rose. Dieser muss nun weichen.
  • Auch Murnau, Geburtsort von Weißer-Rose-Widerstandskämpfer Christoph Probst, hätte gerne einen Teil des Zauns.
  • Das Interesse an den Stelen ist groß - aus ganz Deutschland gibt es Anfragen.

Murnau - Denn am 23. Juli 1942 traf sich Probst an eben jenem Eisenzaun mit seinen Kommilitonen. Die Medizinstudenten brachen an diesem Tage vom Münchner Ostbahnhof zum Sanitätsdienst an die Ostfront auf. Probst, der einer anderen Kompanie zugeteilt war, gehörte nicht zu den Abreisenden. Wie Sophie Scholl kam er an die Orleansstraße, um sich von seinen Freunden zu verabschieden. Mitstudent Jürgen Wittenstein drückte dabei auf den Auflöser. So entstanden die einzigen Bilder der Mitglieder der Widerstandsgruppe.

Weiße-Rose-Zaun: Christoph-Probst-Mittelschule Murnau meldet Interesse an

„Nur in Verbindung mit diesen Fotos“, erklärt Hildegard Kronawitter, bekommt der Zaun einen besonderen Wert. Die Chefin der Weiße-Rose-Stiftung unterstützt deshalb das Vorhaben, einerseits einen Gedenkort in Haidhausen zu schaffen. Und andererseits Teile des Zauns an Schulen und Institutionen zu geben, die in Verbindung mit den Widerstandskämpfern stehen. Anfragen aus ganze Deutschland liegen bereits vor. Und auch die Christoph-Probst-Mittelschule in Murnau hat Interesse. „Die Idee finden wir sehr gut“, sagt Rektorin Martina Weber. „Für einen Teil des Zauns einen angemessenen und auch würdigen Platz zu finden, wäre eine Ehre für unsere gesamte Schulgemeinschaft.“ Die Stelen kann sie sich sehr gut „als weiteren Ort der Begegnung und des Gedenkens für uns alle“ vorstellen. Zusätzlich zum Christoph-Probst-Denkmal am Haupteingang und den Symbolen im Schulhaus.

Widerstandsgruppe Weiße Rose: Bis geschichtsträchtiger Zaun abgebaut wird, dauert es noch

Bis der Zaun abgebaut wird, dauert es aber noch: Er muss den Orleanshöfen weichen, die bis 2028 als moderner Büro- und Wohnkomplex entstehen sollen. Die Zeit will Kronawitter nutzen, um die Anfrage zu den Stelen zusammen mit der Stadt zu koordinieren. Die rege Nachfrage freut und interessiert sie zugleich. Sie zeige, dass die Erinnerung nicht stirbt.

NS-Widerstandskämpfer Christoph Probst wird mit 23 Jahren enthauptet

Die Mitglieder der Weißen Rose hatten in mehreren – tausendfach verteilten – Flugblättern die Gräueltaten des Nazi-Regimes angeprangert und ihre Mitmenschen aufgefordert, endlich die Augen zu öffnen. Probst war in der Gruppe Ideengeber und weniger Aktivist. Der Murnauer, der mit seiner Frau Hertha drei Kinder hatte, hielt sich für seine Familie im Hintergrund. Tragisch: Hans Scholl, der mit seiner Schwester Sophie am 18. Februar 1943 verhaftet wurde, hatte den von Probst verfassten, handschriftlichen Entwurf für das siebte Flugblatt bei sich. Es war das Todesurteil für Probst: Als er heute vor fast acht Jahrzehnten zum Henker geführt wurde, war er gerade mal 23 Jahre alt.

Lesen Sie dazu auch: Erinnerung an Christoph Probst: Kämpfer gegen Unrecht und Tyrannei

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