Der Parkplatz unterhalb des Rewe-Marktes: An dieser Stelle soll, so ist aktuell der Plan, das neue Feuerwehrhaus errichtet werden. Im Untergrund schlummern Altlasten. 
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Der Parkplatz unterhalb des Rewe-Marktes: An dieser Stelle soll, so ist aktuell der Plan, das neue Feuerwehrhaus errichtet werden. Im Untergrund schlummern Altlasten. 

Haushaltsberatungen in Murnau

Erst Kita und dann Feuerwehrhaus? Marktgemeinderat steht vor schwerer Entscheidung

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Soll der Markt Murnau zunächst eine neue Kita bauen? Oder doch zuerst das Feuerwehrhaus? Darüber müssen die Gemeinderäte demnächst entscheiden.

  • Die Haushaltsberatungen haben in Murnau begonnen.
  • Einer der Knackpunkte ist, ob die Gemeinde zuerst eine neue Kita am Längenfeldweg baut oder ein neues Feuerwehrhaus.
  • Zur Debatte steht auch, ob die Kommune ein Azubi-Wohnheim am Bahnhof errichtet.

Murnau – Draußen hupen die Autos, die Corona-Demonstranten kehren am Dienstagabend noch einmal nach Murnau zurück und versuchen, sich mit einem Autocorso Gehör zu verschaffen. Drinnen, im großen Saal des Kultur- und Tagungszentrums, geht es zum Teil auch um das Virus. Genauer gesagt, um die Folgen finanzieller Art.

Die Corona-Delle

Die Marktgemeinderäte sitzen beisammen, um über den Haushalt 2021 zu beraten. Kämmerer Hubert Süß bekräftigt, was er bereits im Vorfeld kommuniziert hatte. „Corona hinterlässt eine sehr deutliche Delle.“ Und das nicht nur im Jahr 2021. „Das hält drei Jahre an. Maßhalten ist ein wichtiger Bestandteil der weiteren Planungen.“ In den vergangenen zehn Jahren lagen die Dinge etwas anders. Da sei, sagt Süß, „fast jeder Wunsch erfüllbar“ gewesen.

Verwaltung: Kita zuerst

Erwartungsgemäß nehmen an dem Abend die Themen Neubau Feuerwehrhaus und Neubau Kita St. Nikolaus breiten Raum ein. Denn die Kämmerei hatte im Vorfeld empfohlen, beide Projekte nicht gleichzeitig anzugehen, sondern nacheinander. Die Verwaltung schlägt vor, zunächst die Kindertagesstätte zu realisieren.

Kritik vom Feuerwehr-Referenten

Michael Hosp (CSU), Ex-Kommandant der Murnauer Wehr und Referent für das Feuerlöschwesen, zeigt sich empört. Es könne nicht sein, dass der Feuerwehrhaus-Neubau um vier Jahre nach hinten rückt. „Das ist ein Unding.“ Das sei so nicht zu akzeptieren und ein „Riesenproblem“. Auch Veronika Jones, Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, meint: „Das geht gar nicht.“ Man müsse eine Lösung finden.

Beuting: Arbeitsressourcen im Blick behalten

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) spricht sich für die Marschroute „Großprojekt nach Großprojekt“ aus. „Es soll nicht zur Überschuldung kommen.“ Der Neubau der Kita ist mit 7,5 Millionen Euro angesetzt, der des Feuerwehrhauses mit 8 Millionen Euro. Große Brocken. Und das alles auf einmal? „Das schaffen wir die nächsten zwei bis drei Jahre nicht“, sagt Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum). „Nicht mal mit Steuererhöhungen.“ Beuting gibt zu bedenken, dass man die Arbeitsressourcen im Blick behalten müsse. Zwei solche Großprojekte „sind mit dem Bestandspersonal nicht gut umzusetzen“. Hosp weist darauf hin, dass die Gemeinde jetzt günstiges Geld bekomme. Außerdem: „Wir wissen seit fünf Jahren, dass diese Dinge anstehen.“

Breys Einwurf

Hosps Fraktionskollege Lorenz Brey hält es für sinnvoll, mit demjenigen Projekt zu beginnen, das zuerst baureif ist. Wenn das die Kita sei, wäre es aus seiner Sicht „schade“, nicht damit anzufangen. „Wir müssen so ehrlich sein, dass wir nicht zwei Großprojekte gleichzeitig schultern können“, findet Brey.

Neues Azubi-Wohnheim

Was auch auf der Agenda steht, ist der Neubau eines Azubi-Wohnheims am Bahnhofplatz für 1,8 Millionen Euro. Dort soll ein altes Haus ersetzt werden – im Zuge des Kommunalen Wohnungsbaus, wie es auch am Längenfeldweg praktiziert wird. Das heißt, die Gemeinde würde ein zinsgünstiges Darlehen aufnehmen. Für ein Wohnheim direkt gibt es keine Fördermittel.

Kritik von Jones und Utzschneider

Doch mehrere Räte stellen das Projekt in Frage. Welf Probst (Freie Wähler) etwa, und auch Hosp. Er regt an, es nach hinten zu verschieben. Jones echauffiert sich, weil das Vorhaben im Erläuterungsbericht als Kommunaler Wohnungsbau firmiert. „Wohnungen sind etwas anderes als ein Wohnheim.“ Im gleichen Sinn äußert sich CSU-Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider. Jones beklagt, ihr fehlten „viele Informationen“ für eine Investition von 1,8 Millionen Euro. „Das ist mir viel zu vage.“ Sie will wissen: „Wo ist die Bedarfsabfrage?“

Schlegel-Herz: Bedarf vorhanden

Beuting sagt, aus der hiesigen Wirtschaft habe es vielfach entsprechende Äußerungen gegeben. Ein Azubi-Wohnheim ist für den Rathauschef „ein Instrument der Wirtschaftsförderung“. Auch Anna Schlegel-Herz (ÖDP/Bürgerforum) – sie hatte seinerzeit den Wohnheim-Antrag im Namen ihrer Fraktion eingereicht – betont: „Der Bedarf ist da. Mir fehlt das Konstruktive.“ Für Utzschneider „ein Totschlagargument“. Er mutmaßt: „Bei einem Kommunalen Wohnungsbau wird kein Einziger aus der Zielgruppe einziehen.“

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