Freund von Feuerwerken: Luis Neumeier befürchtet harte Zeiten für die Pyrotechnikbranche.
+
Freund von Feuerwerken: Luis Neumeier befürchtet harte Zeiten für die Pyrotechnikbranche.

Debatte um Feuerwerke an Silvester

Murnauer Pyrotechnik-Fan hält nichts vom Böllerverbot

Luis Neumeier aus Murnau stößt das Böllerverbot sauer auf. Seiner Meinung nach trifft diese kurzfristige politische Entscheidung die Branche „extrem hart“.

  • Der Murnauer Luis Neumeier wirkt seit seinem 18. Lebensjahr bei Großfeuerwerken mit.
  • Mit dem Böllerverbot ist der Student nicht einverstanden.
  • Doch es gibt auch andere Stimmen.

Landkreis – Feuerwerk und Jahreswechsel – für viele Menschen ist diese Kombination untrennbar. Raclette und Fondue – die wird es auch heuer geben. Doch die wilde Knallerei, die soll durch den Lockdown zumindest abgeschwächt werden. Die Ausgangssperre ab 21 Uhr, sie gilt auch am letzten Tag des Jahres – um Ansammlungen zu vermeiden. Damit ist klar: Auf öffentlichen Plätzen darf um Mitternacht nicht geböllert werden, dürfen keine Raketen fliegen. Die Polizei hat bereits angekündigt, an diesem Abend verstärkt zu kontrollieren.

Staatlich anerkannte Pyrotechniker

Wie leise Silvester wirklich ausfällt, das wird sich zeigen. Der Verkauf von großer Pyrotechnik der Kategorie F2 wurde generell verboten. Hintergrund ist die Verletzungsgefahr, die das ohnehin strapazierte Gesundheitssystem zusätzlich belasten könnte. So manchen Verfechtern der bunten Licht-, Farb- und Knalleffekte stößt das sauer auf. Darunter Luis Neumeier aus Murnau. Der 22-Jährige studiert Landschaftsarchitektur in Freising und wirkt seit seinem 18. Lebensjahr bei Großfeuerwerken mit. Heuer erfüllte er sich einen lang gehegten Traum, indem er eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Pyrotechniker absolvierte. Nur sein Vorhaben für Silvester, am spektakulären Burgfeuerwerk in Salzburg mitzuwirken, wurde nun von Regierungsseite durchkreuzt.

Großes Bedauern

Die Lust am Feuerwerk ist groß und für Neumeier emotional behaftet. Darum bedauert er das Verbot zutiefst. „Ich spreche nicht nur für mich, sondern für die Pyro-Communitys in Deutschland und Österreich, wenn ich sage, dass es keine Lösung darstellt“, sagt Neumeier. Seiner Meinung nach trifft diese kurzfristige politische Entscheidung die Branche „extrem hart“. Denn die Ware sei schon lange bestellt und bereit für den Verkauf gewesen.

Warenstau

Neumeier erwartet eine gefährliche Kettenreaktion: Es fehlt an Lagerkapazitäten für diese Bestände. Fatal aus seiner Sicht: Die Bestellungen für 2021/22 sind zum Großteil schon aufgegeben. „Die Ware staut sich, und die Branche droht, daran hops zu gehen.“

Gefahren lauern

Damit gehen auch Sicherheitsrisiken einher. Speziell die Lagerung bei den Privatpersonen sieht er als Problem an. In Wohnräumen, Dachböden oder Kellern wird sich die dort herrschende Luftfeuchtigkeit in Kombination mit Temperaturschwankungen negativ auswirken. „Beim späteren Anzünden kann es sein, dass das Feuerwerk nicht ordnungsgemäß funktioniert oder sogar explodiert“, erklärt der Fachmann.

Image der Branche ohnehin angeknackst

Eine noch größere Gefahr für die Sicherheit stellen laut Neumeier Feuerwerkskörper aus dem Ausland dar. „Im Internet kann man illegale Pyrotechnik bestellen. Solche Produkte stehen im Zusammenhang mit schlimmen Unfällen“, warnt er – und machte eines deutlich: „An einem deutschen Qualitätsfeuerwerk sprengt sich niemand die Hand weg.“ Solche Vorfälle würden dem ohnehin schon angeknacksten Image der Feuerwerksbranche zusätzlich schaden.

Kritik an Wortwahl

Der Student tauscht sich regelmäßig mit Pyrotechnikern und Herstellern aus. In diesen Kreisen sehe man die Zukunft durch strikte Verbote wie in der Corona-Zeit „zusätzlich gefährdet“. Ganz grundsätzlich stört sich der Student auch an der Wortwahl im Zusammenhang mit Feuerwerk: „Das ist kein stumpfes Geballer, wie viele sagen. Ich finde es schön und faszinierend, Farben in den Himmel zu zaubern. Der Knall ist dabei nur ein Effekt von vielen.“

Feinstaub, Lärm, Müll

Ganz anders sieht das ein Murnauer Pyrotechniker, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Viele Jahrzehnte übte er diesen Beruf aus und hörte 2018 komplett auf. Ihm zufolge habe die Lust der Bevölkerung am Feuerwerk „auch ohne Corona stark nachgelassen“. Als Gründe nennt er Feinstaubbelastung, Lautstärke, Vermüllung und Verletzungen. Das Hauptproblem in seinen Augen: „Die Leute sind an Silvester rotzbesoffen und – mit Pyrotechnik in der Hand – auch noch schwer bewaffnet.“ Sein Fazit: Zu Corona-Zeiten brauche es „sicherlich kein Feuerwerk“.

Constanze Wilz

Auch interessant: An Silvester mehr Kontrollen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare