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Leere: der Platz in der Murnauer Bucht, an der das Platzl am See stand.

Diskussion um Gastronomie ebbt nicht ab

Murnauer Bucht: Foodtruck stößt Staffelseewirten sauer auf

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Die politische Entscheidung für einen Foodtruck in der Murnauer Bucht lässt die Wogen hochschlagen. CSU-Gemeinderat Josef Bierling kritisiert Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und die Verwaltung. Die Staffelseewirte fordern: Das Thema muss erneut auf den Tisch.

Murnau Das beliebte Platzl am See, das der Gemeinde gehört und das Pächter Kurt Höller 14 Jahre lang in der Murnauer Bucht betrieben hat, ist Geschichte – abgerissen vor allem aus baulichen und hygienischen Gründen. Aus einem aufgehübschten Container als Übergangslösung, für die sich der Gemeinderat im Oktober 2017 ausgesprochen hatte und die zwölf Wochen Lieferzeit gehabt hätte, wird in dieser Sommersaison nichts mehr. Nach einem Beschluss des Bauausschusses soll noch im Mai ein Foodtruck von auswärts anrollen. Höller, der seine Intermezzo-Winterhütte angeboten hatte, ging leer aus. Platzl-Stammgäste und andere Murnauer, die den Kiosk mit Biergarten geschätzt hatten, reagierten empört.

Diese Aufregung ebbt nicht ab, im Gegenteil: Sie zieht weitere Kreise. Wie die Staffelseewirte, der gestern einen Brief an die Gemeinderäte schickten, moniert CSU-Vertreter Josef Bierling, dass die Entscheidung fiel, ohne Touristiker einzubeziehen – in erster Linie Tourist-Info-Chef Philip Schürlein. Dies sei „nicht nachvollziehbar und nicht zu entschuldigen“, findet Bierling. Und: „Wie man hier mit touristischen Themen umgeht, ist schlichtweg eine Schande und eines Ortes wie Murnau nicht würdig.“

Bierling, der dem Bauausschuss nicht angehört, meint, dass den Gremiumsmitgliedern beim Beschluss nur eine „mehr als dürftige“ Sitzungsvorlage zur Verfügung stand, die darauf ausgerichtet war, „diesen unmöglichen Weg zu gehen, nur um die eigenen Nachlässigkeiten zu korrigieren“. Bierling wird noch deutlicher: Es sei „beschämend für die Gemeindeverwaltung, dass man regelrecht verschlafen“ habe, die beschlossene Containerlösung rechtzeitig auf den Weg zu bringen. „Das sollte eine Verwaltung eigentlich schaffen. Aber vielleicht war es ja auch so gewollt?“ Ein Foodtruck ist in Bierlings Augen für Murnau und seinen Tourismus nicht tragbar.

Verschlafen? Jan-Ulrich Bittlinger, im Rathaus zuständig für Pressearbeit, betont, für den Container sei eine Ausschreibung erforderlich gewesen. Zudem habe es gegolten, Auflagen des Landratsamtes hinsichtlich Ausstattung und Beschaffenheit im Bauantrag abzuwarten. Die Antwort der Behörde ging am 15. März ein. Nach Angaben Bittlingers hätte auch Höllers Hütte einer Baugenehmigung bedurft.

Apropos Höller – beim bisherigen Pächter setzt ein weiterer Kritikpunkt Bierlings an: Mit diesem sei nicht gesprochen, sondern nur schriftlich kommuniziert worden sei. „Mit den Leuten reden ist wohl nicht die große Stärke unserer Gemeindeführung“, ätzt Bierling in Richtung Beuting. Bittlinger sagt, mit Höller sei im Rahmen der Container-Pachtvergabe mehrfach kommuniziert worden, auch persönlich in einem Termin.

Die Staffelseewirte, die sich bei ihrem Schreiben an die Politik abgestimmt haben, äußern ebenfalls Kritik – um ein Zeichen zu setzen. „Es geht nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen“, betont Alpenhof-Chef Christian Bär, der mit dem Haus der Hotelier- und Gastronomenvereinigung angehört. „Wir müssen die Wichtigkeit des Platzes Bürgermeister und Gemeinderäten klar machen.“ Die Platzl-Entscheidung „hätte unbedingt im Hauptausschuss besprochen werden müssen“. Die Forderung der Wirte: Das Thema müsse noch mal „im großen Gremium“ diskutiert werden. „Ich weiß nicht, ob der Beschluss aufhebbar ist“, sagt Bär. Aus dem Rathaus heißt es, die Vergabe sei nicht abgeschlossen. Folglich fehlt also noch die Unterschrift unter dem Vertrag mit dem Betreiber des Foodtrucks.

Bär hätte die Intermezzo-Hütte einem mobilen Imbiss vorgezogen. Ein Fahrzeug sei „nicht das, was wir uns für unsere Gäste vorstellen. Da unterschätzen einige, was für eine Werbewirksamkeit das nach außen hat. An diese Stelle gehört etwas, das zu Murnau passt“. Bär erinnert daran, dass man sich als „Genussort“ präsentiert – und bezweifelt, dass beim Beschluss pro Foodtruck jemand dieses Prädikat im Blick hatte. Der Hotelier appelliert an Gemeinderat und Bürgermeister, bei künftigen Lösungen am Platzl höchste Sorgfalt walten zu lassen. Man wolle einen „anständigen Pächter“ an dieser Stelle, der die Werbetrommel rühre, Qualität biete. „Wir heißen Murnau am Staffelsee, nicht Murnau am Moos“, stellt Bär klar. „Das Moos wird gehegt und gepflegt. Den See tritt man mit Füßen.“

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