+
Ehre, wem Ehre gebührt: Franz Höck er (vo. Mi.) erhält von Bürgermeister Rudi Kühn (vo.l.) und Stellvertreter Ingo Presuhn (vo.r.) die Altbürgermeister-Urkunde. 

24 Jahre an der Spitze der Gemeinde Riegsee

Franz Höcker ausgezeichnet: Der Ruheständler wird Altbürgermeister

  • schließen

Er prägte eine Ära: 24 Jahre stand Franz Höcker als Erster Bürgermeister der Gemeinde Riegsee in der Verantwortung. 2014 trat er ab. Nun, mitten im Ruhestand, wurden seine Verdienste gewürdigt: Höcker bekam die Ehrenbezeichnung Altbürgermeister verliehen.

Riegsee– Franz Höcker beteuert, „von nichts gewusst“ zu haben. Riegsees Bürgermeister Rudolf Kühn dagegen kann sich durchaus vorstellen, dass die als Überraschung gedachte Ehre durchgesickert und „da ein Wink gekommen ist“. Für diesen Fall hat sich Höcker zumindest nichts anmerken lassen, als Kühn und sein Stellvertreter Ingo Presuhn bei ihm vorstellig wurden und Höcker die Ehrenbezeichnung Altbürgermeister verliehen. „Ich habe mich gefreut“, sagt Höcker, der sein Herz nicht auf der Zunge trägt und nicht viel Aufhebens um seine Person macht. Am Abend seines 70. Geburtstags aber stand Höcker in doppelter Hinsicht im Mittelpunkt: als Jubilar – und als frisch gekürter Altbürgermeister der 1200 Einwohner großen Gemeinde Riegsee, zu der die weiteren Ortsteile Aidling und Hagen gehören.

Diesen Gedanken, sagt Kühn, habe es „seit langem gegeben“. Er ging mit der Idee schwanger, behielt sie im Hinterkopf. „Es hat sich immer die Frage gestellt: In welchem Rahmen machen wir das? Ich habe lange nach einem geeigneten gesucht.“ Dass die Auszeichnung angebracht, geradezu überfällig war, stand für den Amtsinhaber außer Zweifel: „Das ist dem Gesamtwerk angemessen. 24 Jahre als Bürgermeister sind eine große Leistung, das meine ich ganz ohne Pathos“, betont Kühn, der in der gesamten Ära Höcker als Vize fungiert hatte. Nicht immer sei man mit allem einverstanden, was ein Rathaus-Chef mache. „Aber bei Franz Höcker war der ganz große Anteil seiner Arbeit positiv.“

Nun, bei Höckers 70. Geburtstag, bot sich die passende Gelegenheit zur Auszeichnung. „Ein würdiger Anlass“, findet Kühn, froh, dass die Ehrung endlich vollzogen ist. Höcker feierte mit Familie, Freunden und Weggefährten im Gasthaus Westner, als eine Abordnung anrückte, um den Jubilar hochleben zu lassen. Die Musikkapelle Aidling-Riegsee spielte vor der Wirtschaft auf, Kühn und Presuhn schlossen sich Vertretern örtlicher Vereine an, die gratulierten, und Kühn überreichte dem Vorgänger die Urkunde mit der Ernennung zum Altbürgermeister. Den Beschluss hatte der Gemeinderat, von Kühn angeregt, im Juli einstimmig gefällt.

Höcker, von 1990 bis 2014 Rathaus-Chef, hat den richtigen Platz für die gerahmte Urkunde noch nicht gefunden. Doch solche Dinge muss er nun auch nicht mehr überstürzen. „Ich genieße meinen Ruhestand“, sagt Höcker, ein gebürtiger Murnauer, der in Seehausen aufwuchs. Dieser, glaubt er, habe ihm auch gesundheitlich gut getan. „Wenn ich heute merke, dass es irgendwo Ärger gibt, kann ich mich zurückziehen.“ Das war nicht möglich zu Zeiten, als er in der Gemeinde an vorderster Front und in der Verantwortung stand. Wie es Höcker, nun ein Siebziger, geht? „Gut“, antwortet dieser. „Ich habe überhaupt keinen Grund zum Jammern und mache, woran ich Spaß habe.“

Die Familie – verheiratet mit Gertraud, hat Höcker drei Kinder und fünf Enkel – stehe an erster Stelle, „da gibt es immer mal was, bei dem der Opa gefordert ist“. Gleich danach kommt das Radfahren. Höcker macht es sich nicht leicht, ist ohne Elektro-Motor unterwegs. „So lange es so geht und ich mir die Strecken aussuchen kann, brauche ich den nicht“, sagt der Mann, der im Landratsamt Weilheim eine Verwaltungs-Ausbildung absolviert hatte und später unter anderem als Geschäftsleitender Beamter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Seehausen arbeitete (1978 bis 1990). In seiner Zeit als Bürgermeister war er zudem Erster Vorsitzender der VG, zu der Seehausen, Riegsee und Spatzenhausen zählen.

Höcker verfolgt die Ortspolitik noch, keine Frage. Doch es fällt ihm nicht schwer, sich rauszuhalten. Überhaupt konnte er gut loslassen und vermisst das Bürgermeisteramt nicht: „Ich habe lange genug gewusst, dass am 30. April 2014 Schluss ist.“ Und ihm wird nicht langweilig, „das möchte ich auch gar nicht. Meine Überzeugung ist: Man muss sich körperlich und geistig fordern, darf nicht nur auf dem Kanapee sitzen“. Unter anderem gibt der Altbürgermeister Deutschunterricht für Asylbewerber, beliefert für die Murnauer Tafel Menschen, die nicht mehr zur Ausgabestelle kommen können, übernimmt im Staffelsee-Museum Dienste und widmet sich der Erstellung einer Chronik. Höcker sammelt Unterlagen über die Höfe in Riegsee. „Das macht Spaß und ist interessant.“

Er scheint mit sich selbst im Reinen zu sein. Sein ganz persönlicher Geburtstags-Wunsch ist deshalb unkompliziert: „Am liebsten hätte ich, dass alles so bleibt.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weichen für Mittenwalder Sporthalle gestellt
Baubeginn 2020, Fertigstellung 2021 – so lautet die Wunschvorstellung der Marktverwaltung zum Bau der neuen Sporthalle in Mittenwald. Am Dienstag hat der Gemeinderat mit …
Weichen für Mittenwalder Sporthalle gestellt
Zugspitze: Neue Kabine für Seilbahn kommt im Dezember - Startet Fahrbetrieb noch dieses Jahr?
Auf das große Pech folgt jetzt das große Glück: Wie von der BZB gewünscht, wird die neue Kabine der Seilbahn Zugspitze noch vor Weihnachten an der Talstation in Grainau …
Zugspitze: Neue Kabine für Seilbahn kommt im Dezember - Startet Fahrbetrieb noch dieses Jahr?
Traunsteiner Lindl geht an hoib & hoib
Es ist die höchste bayerische Auszeichnung in der Volksmusik. Heuer geht sie an Musikanten aus der Region. Nicht zum ersten Mal. 
Traunsteiner Lindl geht an hoib & hoib
Wer darf den ausgebauten Stall im Bad Kohlgruber Lampl-Anwesen nutzen?
Bewerber gab es mehrere. Jetzt hat der Gemeinderat beschlossen, wer den Zuschlag für die Nutzung des ausgebauten Stalls im Lampl-Anwesen bekommt. 
Wer darf den ausgebauten Stall im Bad Kohlgruber Lampl-Anwesen nutzen?

Kommentare