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Im Wirtshaus wird diskutiert, gestritten und intrigiert. Die Bühne ist wirkungsvoll an der Murnauer Schlossmauer aufgebaut.

Erfolgreiche Premiere für das Stück Andreas Vöst

Beim Freien Theater Murnau wird getanzt, geflucht, gerauft

In diesem Sommer gibt es wieder Theater unter freiem Himmel, direkt im Herzen Murnaus, und alle Beteiligten vom Freien Theater Murnau haben sich dafür mächtig in Zeug gelegt. Mit der Produktion Andreas Vöst ist eine großartige Gemeinschaftsarbeit gelungen. 

Murnau – Als am Freitagabend nach der Premiere der begeisterte Schlussapplaus der Besucher an der Murnauer Schlossmauer tobte, sah man ebenso begeisterte Gesichter der mehr als 20 Schauspieler und Musiker, die sich voller Euphorie ins Publikum mischten, um ein paar Reaktionen einzufangen. „Absolut realistisch“, attestierte eine Besucherin dann auch dem Darsteller des Andreas Vöst, Peter Keller, woraufhin dieser lachend entgegnete: „So bin i daheim a.“

Regie führte diesmal der Schauspieler, Regisseur und Autor Josef Daser, der seit vielen Jahren zum Ensemble der Neuwirtbühne in Großweil gehört. Mit seiner soliden Regie sorgte er für viel Selbstsicherheit im Ensemble. Zum 150. Todestag des keineswegs unumstrittenen Ludwig Thoma hatte Daser dessen 1905 erschienenen Bauernroman „Andreas Vöst“ gekonnt und mit viel Gefühl für lebensnahe Dialoge für die Bühne adaptiert und in der Prosa viele wirkungsvolle Szenen gefunden. Es wird getanzt, geflucht und gedroht, mitunter gerauft und viel gelaufen in dem Stück, das von einer gar nicht so guten „alten Zeit“ erzählt.

Dennoch bleibt das Stück, gerade im Vergleich mit den Werken, die hier in den Jahren zuvor gespielt worden sind, die Geierwally von Felix Mitterer sowie der Alpenkönig und Menschenfeind von Nestroy, ein eher kleines Stück, das auch Platz auf einer normalen Theaterbühne gefunden hätte.

Konflikt zwischen Andreas Vöst und dem Dorfpfarrer

Der Konflikt, der hier verhandelt wird, ist der zwischen zwei Menschen, dem Andreas Vöst und dem Dorfpfarrer, der meint, eine alte Rechnung begleichen zu müssen, und der das ganze Stück über am längeren Hebel sitzt. Natürlich sind auch Einfluss und Macht der Kirche – so wie es vor etwas mehr als hundert Jahren noch mancherorts gewesen sein wird – Thema.

Aber, wie es sinngemäß auch im Stück heißt: Es gibt auch in der Kirche gute und schlechte Menschen. Michael Karrasch jedenfalls gibt alles, um den Pfarrer Baustätter so richtig unsympathisch wirken zu lassen. Selbstgerecht und überheblich lehnt er jede Bitte, die vom Schullerbauern Andreas Vöst kommt, jede Aufforderung zum Umdenken ab. Seit der sich einst gegen ihn gestellt hatte, als es um den Bau eines neuen Kirchturms ging, nutzt Baustätter jede Gelegenheit, den aufrechten Bauern in Misskredit zu bringen. Und als Vöst dann zum Bürgermeister des Ortes gewählt wird, schreckt der Pfarrer auch vor Lügen und Intrigen nicht zurück, um ihm zu schaden.

Stück, das an vielen Stellen aktuell ist

Andreas Vöst ist ein Stück, das viel Menschliches offenbart und an vielen Stellen auch heute noch sehr aktuell ist. Gerade wenn das Nebenmotiv der Bauernbündler im Stück aufscheint – mit viel Einsatz von Marktbaumeister Klaus Tworek in Szene gesetzt – fühlt man sich an die Proteste von Milchbauern erinnert.

Insgesamt erlebte man am Freitag ein hervorragendes Ensemble, das sich im Dialekt sichtlich wohlfühlt und dabei Emotionen und Beweggründe der Personen deutlich und glaubhaft darstellte. In ihren eher kleinen Nebenrollen fielen Laurin Hilsdorf als Priesteramtskandidat Mang, Sepp Gramer als „schmieriger“ Bauer Geitner, und Hans Paul Böck als Paulimann auf.

Klaus Tworek, der nicht nur als Bauernbündler das Publikum mitzureißen verstand, schrieb die Bühnenmusik zum Spektakel, die, ohne sich aufzudrängen, dem Stück Stimmung und Tempo verschaffte. Das diesmal eher schlichte Bühnenbild überraschte durch eine muskelkraftbetriebene Drehbühne und machte von Anfang an deutlich, dass der Schullerbauer auf abschüssigem Boden lebt. Am Ende wurden die Hauptdarsteller, allen voran Peter Keller und Michael Karrasch, sowie das ganze Ensemble für die große Leistung gefeiert.

Heribert Riesenhuber

Weitere Vorstellungen:

Freitag, Samstag und Sonntag, 4., 5. und 6. August, um jeweils 20 Uhr. Die Einführung in das Stück beginnt bereits um 18.30 Uhr.

Die Darsteller: Peter Keller, Daniela Gramer, Maria Zwerger, Laurin Hilsdorf, Michael Karrasch, Hans Hlawatsch, Joseph Schmid, Helmut Mayer, Sepp Gramer, Josef Stöckle, Hans Paul Böck, Klaus Tworek, Sabine Remmele, Susanne Gartenfeld, Franz Fischer, Hedi Fischer, Reinhold Gartenfeld und Matthias Platek und weitere. Regie: Josef Daser.

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