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Freilaufende Hunde bedrohen Wiesenbrüter im Murnauer Moos: Biologe vermisst Sensibilität – Vogelbund-Chef plädiert für Anleinpflicht

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Eindeutige Botschaft: Ein Stop-Schild am Murnauer Moos weist darauf hin, dass es sich um ein Wiesenbrüter-Areal handelt. 
Eindeutige Botschaft: Ein Stop-Schild am Murnauer Moos weist darauf hin, dass es sich um ein Wiesenbrüter-Areal handelt.  © Wilz

Wiesenbrüter sind selten geworden. Im Murnauer Moos gibt es sie noch. Doch freilaufende Hunde setzen den verbliebenen Beständen zu. Biologe Benjamin Schwarz vermisst bei Haltern Sensibilität.

Murnau – Freilaufende Hunde, die auf sensiblen Streuwiesen des Murnauer Mooses abseits der befestigten Wege toben – dieser Anblick ist für Benjamin Schwarz kaum zu ertragen. Der Seehauser Biologe vermisst die Sensibilität gegenüber diesem einzigartigen Ökosystem, dem er sogar seine Diplomarbeit gewidmet hat. Denn dort sind Wiesenbrüter angesiedelt, deren Bestände dramatisch zurückgehen. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Verlust von Lebensräumen sind diese Arten deutschlandweit seit 1980 bereits bis zu 95 Prozent zurückgegangen, berichtet Schwarz. Ihm zufolge ist auch das Murnauer Moos betroffen. Besonders kritisch ist die Brutzeit von Anfang März bis Ende Juni. Bedrohte Arten wie Braunkehlchen, Feldlerche, Großer Brachvogel und Wachtelkönig nisten dann auf extensiv bewirtschafteten und feuchten Flächen, den Streuwiesen. Werden sie durch Hunde oder Menschen aufgeschreckt, flüchten die Vögel. Oftmals kühlen die Eier dabei aus, was das Ende für den Nachwuchs bedeutet.

Schwarz empfindet es als „tragisch zu beobachten, wie jedes Jahr Nester von Vogeleltern durch Störung freilaufender Hunde aufgegeben werden“. Er befürchtet, dass Arten wie das Braunkehlchen in einigen Jahren aussterben. Denn selbst wenn die Besitzer höflich angesprochen werden, zeigt sich laut dem Seehauser ein Großteil uneinsichtig. Trotz Beschilderung würden manche Menschen sogar mit mehreren unangeleinten Hunden querfeldein über die geschützten Flächen laufen. Schwarz hat beobachtet, dass es sich oft um Einheimische handelt, die sich auf ihr Gewohnheitsrecht berufen. Das kann die Pressestelle des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen bestätigen. „Die Problematik wird sehr oft diskutiert und ist vielen Menschen bekannt, auch vielen Hundehaltern“, teilt Sprecher Stephan Scharf auf Tagblatt-Anfrage mit.

Kein Anleingebot

Eine Leinenpflicht, wie Schwarz sie fordert, sei nicht ohne weiteres umzusetzen. Laut Scharf enthält die 1980 etablierte Naturschutzverordnung „kein explizites Anleingebot“. Jedoch sind Störungen wildlebender Tiere verboten. Wer dagegen verstößt, kann „angesprochen, des Ortes verwiesen oder auch belangt werden“. Dafür ist die Naturschutzwacht zuständig, die in kleinem Umfang bereits seit Jahren unterwegs ist – ebenso wie Bedienstete des Landratsamtes (Gebietsbetreuung, Biologische Station am Moos und weitere Fachkräfte). Neu ist, dass in Kürze eine Rangerstelle hinzukommt und die Naturschutzwacht in absehbarer Zeit „entscheidend verstärkt“ wird. Weiter berichtet Scharf, dass Beteiligte wie Gemeinden, Landwirte, Jäger und Tourist-Infos mit ins Boot geholt werden. Dabei genügt laut dem Pressesprecher eine Fokussierung „alleine auf freilaufende Hunde“ nicht. Denn die sehr störempfindlichen Wiesenbrüter-Vogelarten haben es auch mit Fressfeinden wie Krähen und Mardern zu tun. Hinzu kommt, dass Menschen ohne und selbst mit angeleintem Hund an bestimmten Stellen eine erhebliche Störung verursachen können. Auch die landwirtschaftliche Nutzung und die Jagdausübung müssten passen, betont Scharf. Deshalb sei es notwendig, „an allen Faktoren anzusetzen“.

LBV-Chef gegen Freiwilligkeit

Vor diesem Hintergrund will man sich auf Brennpunkte konzentrieren, um dort die Erholungssuchenden zu informieren, sensibilisieren und zu überzeugen. „Wir haben die Erfahrung, dass die Leute umso besser mitmachen, je präziser und verständlicher die Botschaft ist“, sagt Scharf. Ihm zufolge geht es nicht darum, Hunde und Hundebesitzer zu verärgern. Von Appellen und freiwilligen Regelungen hält Hans-Joachim Fünfstück nichts. Er fungiert als Vorsitzender der Regionalgruppe des Landesbund für Vogelschutz Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau. Seine Versuche, die Menschen auf das Thema Vogelschutz aufmerksam zu machen, seien meist gescheitert. „Die Leute sind unwissend und uneinsichtig“, klagt Fünfstück. Daher sieht er den einzigen Ausweg in einer Leinenpflicht. Denn: „In Sachen Naturschutz erleiden freiwillige Regelungen Schiffbruch“.

Constanze Wilz

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