Gelebtes Brauchtum: die Froschhauser Leonhardifahrt, die normalerweise am 6. November stattfindet.
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Gelebtes Brauchtum: die Froschhauser Leonhardifahrt, die normalerweise am 6. November stattfindet.

Brauchtums-Veranstaltungen in Bad Tölz und Benediktbeuern bereits abgesagt

Froschhauser Leonhardifahrt auf der Kippe

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    VonSilke Reinbold-Jandretzki
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Bad Tölz und Benediktbeuern zogen gestern einen Schlussstrich und machten ihre Absagen öffentlich. In Murnau hat Franz Neuner, Vorsitzender des Leonhardivereins Froschhausen, die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass die traditionsreiche Wallfahrt am 6. November stattfinden kann. Die Chancen darauf: wohl eher gering.

VON SILKE JANDRETZKI

Murnau – Noch fehlt der letzte Schritt. Ende September soll „in engster Abstimmung mit Landrat und Landratsamt“ die Entscheidung fallen, sagt Franz Neuner, Vorsitzender des Froschhauser Leonhardivereins. Dessen Ausschuss wird den Beschluss fassen.

3G-Regelung bei vielen tausend Zuschauern: „Wie sollen wir das machen?“

Gut möglich, dass am Ende gar keine Wahl bleiben wird und die Froschhauser Leonhardifahrt am 6. November, ein tief in den Herzen der Einheimischen verankertes Brauchtums- und Kirchenfest, wegen der Folgen der Corona-Pandemie nach 2020 erneut abgesagt wird. Es türmen sich schier unüberwindbare Hindernisse auf. Bei den in der Regel rund 1000 Teilnehmern sieht Neuner nicht das Problem, bei ihnen ließe sich die 3G-Regel anwenden. „Aber was tun wir an dem Samstag bei schönem Wetter, wenn wir vielleicht 15 0000 Menschen da haben? Wie sollen wir das machen?“, fragt Neuner und denkt an 3G-, Hygiene- und Abstandsregeln, an Listen mit Zuschauernamen. Und wiederholt: „Wie sollen wir das machen?“

Bad Tölz und Benediktbeuern sagen ihre Leonhardifahrten ab

Vor diesen Hürden haben am Dienstag Bad Tölz und Benediktbeuern kapituliert und die Absage ihrer Pferdewallfahrten zu Ehren des Heiligen Leonhard öffentlich gemacht. Die Verantwortlichen hatten im Vorfeld die Einschätzung des zuständigen Landratsamts eingeholt, das nach Rücksprache mit der Regierung von Oberbayern keinen Zweifel ließ: Die Leonhardifahrten seien in ihrer geplanten, typischen Form untersagt. Dem Verbot liegt eine Verordnung zugrunde, die noch bis Anfang Oktober greift. Die zwei Kommunen verwiesen am Dienstag in einer Pressemitteilung darauf, dass auch ohne dieses Dekret nur schwer vorstellbar gewesen wäre, wie sie die rechtlich geforderte 3G-Regelung praktisch hätten umsetzen sollen. Zugangskontrollen wären nötig geworden, um bei den nach außen nicht abgeschirmten Veranstaltungen die Impf-, Genesenen- und Testnachweise zu überprüfen – bei Teilnehmern und tausenden Zuschauern.

Wallfahrt ohne Zuschauer kommt nicht in Frage

Ein Verzicht auf die erwähnte „typische Form“ kommt für Franz Neuner nicht in Frage. Für ihn gilt: ganz oder gar nicht. „Eine abgespeckte Version kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Ohne Zuschauer, von denen die Teilnehmer getragen werden, mache ich das nicht – das ist eine Wallfahrt.“ Auch wenn eine erneute Absage schmerzen würde – für Neuner geht es in diesem Fall nicht um Befindlichkeiten: „Vernunft und Verantwortungsbewusstsein sind dem Herz vorzustellen.“ Er sieht bei den derzeitigen Rahmenbedingungen wenig Chancen auf die Leonhardifahrt, muss darauf setzen, dass sich die Vorgaben noch ändern. „Warten wir ab, die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Leonhardifahrt Froschhausen: Verordnung gilt bis zum 1. Oktober - doch was kommt danach?

Sie trägt in diesem Fall einen sehr sperrigen, bürokratischen Namen: Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Die aktuell 14. Ausgabe gilt bis 1. Oktober, Version 15 dürfte folgen. „Was dann kommt, ist offen“, sagt Garmisch-Partenkirchens Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf. Es könnten sich Änderungen ergeben, auch weitere Einschränkungen. „Aber das ist ein Stochern im Nebel. Man muss den Stichtag abwarten.“Aktuell sieht Scharf eine große Veranstaltung, bei der viele Menschen wohl dicht an dicht stünden, problematisch. Generell müsse man sich mit der Regierung von Oberbayern ins Benehmen setzen, um ein einheitliches Vorgehen sicherzustellen: „Leonhardifahrten finden ja auch in anderen Landkreisen statt“, sagt Scharf. Oder eben nicht – wie heuer in Bad Tölz und Benediktbeuern.

Im Murnauer Rathaus rechnet man mit sehr kurzfristiger Entscheidung

Im Murnauer Rathaus rechnet man damit, dass „die Entscheidung sehr kurzfristig fallen“ werde, erklärt die stellvertretende Geschäftsleiterin Nina Herweck-Bockhorni. „Je nachdem, wie sich die Lage verändert, kann zum derzeitigen Zeitpunkt noch nichts gesagt werden.“ Eine Absage brächte Murnau ein weiteres Mal um diesen tief im Glauben verankerten Feiertag. Kein Ereignis, sondern eine Wallfahrt, „deren ursprünglichen Charakter es unbedingt zu bewahren gilt“, sagt Murnaus Tourist-Info-Leiterin Alexandra Thoni: „Deswegen wird diese touristisch nicht vermarktet.“

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