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Publikumsmagnet: Tausende Besucher verfolgen bei schönstem Wetter die festliche Prozession durch den Murnauer Ober- und Untermarkt.

Polizei zählt rund 12000 Besucher

Froschhauser Leonhardifahrt: Riesenandrang bei Kaiserwetter

Weißblauer Himmel und frühlingshafte Temperaturen: Die knapp 1000 Teilnehmer der traditionsreichen Froschhauser Leonhardifahrt hatten richtig viel Glück mit dem Wetter. Entsprechend groß war das Besucherinteresse: Die Polizei schätzt die Anzahl der Zuschauer auf rund 12 000.

Murnau  - Die Bad Tölzer Leonhardifahrt mag in Bayern die bekannteste sein. Aber die Froschhauser Pferde-Prozession zählt zweifelsfrei zu den schönsten und authentischsten. Die Wallfahrer mussten in der Vergangenheit schon einige Wetterkapriolen ertragen. So trotzten sie 2017 Regen und Kälte. Doch diesmal war es genau das Gegenteil: Sonnenschein und angenehme 17 Grad – und das Anfang November. Manch ein Schaulustiger lief sogar im T-Shirt herum.

Der Andrang war entsprechend groß. Die Polizei spricht von rund 12 000 Besuchern. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr waren es nur etwa 2500. Auswärtige, die heuer nicht rechtzeitig losgefahren waren, mussten viel Geduld mitbringen. Denn an den Zufahrtsstraßen nach Murnau bildeten sich in der Früh lange Staus.

Die schönsten Bilder von der Froschhauser Leonhardifahrt

 Als sich die Prozession zu Ehren des Heiligen Leonhard, dem Schutzpatron der landwirtschaftlichen Tiere, gegen 9 Uhr in Bewegung setzte, waren die Straßenränder im Ober- und Untermarkt bereits dicht bevölkert. Der Platz an der Mariensäule erwies sich als begehrter Standort für Fotografen, da der Blick nach Süden schöne Postkartenmotive mit den schmucken Bürgerhäusern und dem markanten Kistenkar des Estergebirges im Hintergrund bot.

 Der Leonhardiritt mit insgesamt knapp 1000 Teilnehmern, der ohne Zwischenfälle verlief, war beeindruckend – und Ausdruck lebendigen Brauchtums. Den Zug führten die berittene Polizei, die Vorreiter und die Kutschen des Staatsgestüts Schwaiganger mit den Ehrengästen an. Dazu zählten neben den Kirchenvertretern Vize-Landrat Dr. Michael Rapp (CSU) und Murnaus Zweite Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler). Landrat Anton Speer (Freie Wähler) und Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) waren verhindert: Sie mussten zur Vereidigung in den Bezirkstag.

 Die Mitwirkenden an der Prozession hatten im Vorfeld viel Zeit und Mühe investiert: Die rund 350 Rösser waren herausgeputzt – und die 59 Themen- und Motivwagen, auf denen vor allem Mitglieder der Traditionsvereine aus Murnau und Umgebung saßen, festlich geschmückt. Darauf waren beispielsweise kleine Modelle der Kirchen aus dem Staffelseeraum oder Handwerksszenen zu sehen. Ebenfalls mit dabei: Zwölf Kapellen, die fleißig aufspielten. Ziel war der Ortsteil Froschhausen, wo Ross und Reiter den Segen erhielten und ein großer Feldgottesdienst stattfand.

Das Publikum war begeistert. „Das war einmalig. Und das Wetter hat mitgespielt“, meinte etwa die Murnauerin Karin Koch. „Das hier ist nicht so steif wie in Bad Tölz“, ergänzte ihr Mann Rudolf. Und Hubert Süß, Kämmerer des Marktes, befand: „Mir hat es gut gefallen. Viele schöne Wagen und fesche Frauen hoch zu Ross.“ Reiterin Verena Gabler aus Oderding nahm mit ihrer Kaltblutstute zum zweiten Mal an der Leonhardifahrt teil: „Es ist eine schöne Tradition. Der Segen ist mir besonders wichtig, denn mein Pferd soll gesund durchs Jahr kommen.“ Und Kutschfahrer Herbert Thurna aus Bad Bayersoien genoss die Wallfahrt ganz besonders: „Bei dem Wetter ist das einmalig.“

 Franz Neuner, Erster Vorsitzender des Froschhauser Leonhardivereins, der das Hochfest der Pferdefreunde jedes Jahr mit viel Herzblut auf die Beine stellt, war voll und ganz zufrieden: „A boarischer Traum“, freute er sich. „Besser geht’s nicht.“ Die Leonhardifahrt sei etwas Besonderes, weil alle ehrenamtlich mitmachten. Dafür gebe es Gottes Lohn, den Leonhardi-Segen und eine Brotzeit.

Andreas Seiler, Constanze Wilz
 

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