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Dr. Katharina Bühren setzt sich für psychische Gesundheit der Jugend ein

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Kämpft für das Wohl Kinder und Jugendlicher: Fachärztin Priv. Doz. Dr. Katharina Bühren.
Kämpft für das Wohl von Kindern und Jugendlichen: Fachärztin Priv. Doz. Dr. Katharina Bühren. © Privat

Die Murnauer Privatdozentin Dr. Katharina Bühren ist die neue Ärztliche Direktorin des kbo-Heckscher-Klinikums in München. Dieses Krankenhaus gilt als erste Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die akute psychische Probleme haben.

Murnau – Wenn sie auf der A 95 von München aus in Richtung Murnau fährt und die Berge auftauchen, fühlt sie sich daheim. Privatdozentin Dr. Katharina Bühren liebt die Staffelseeregion, die sie trotz langer Reisen und vieler Stationen in der Ferne nie vergessen hat. Seit mittlerweile neun Monaten ist die 44-Jährige ärztliche Direktorin des kbo-Heckscher-Klinikums in München.

Der Name Bühren ist in Murnau kein unbeschriebenes Blatt – das Ehepaar Volker und Astrid Bühren ist ebenfalls seit vielen Jahren im medizinischen Bereich tätig. Er als ehemaliger Ärztlicher Direktor des Unfallkrankenhauses Murnau, sie als Fachärztin für psychosomatische Medizin. Eine echte Ärztefamile also, in der Katharina Bühren aufwächst. Geboren in Hannover, lebt sie ab ihrem 13. Lebensjahr mit der Familie in Murnau. „Ich bin sehr froh, dass ich hier groß werden konnte, ich habe eine sehr schöne Kindheit hier verbracht“, erinnert sich die Medizinerin und Universitätsdozentin zurück. Ihre Schulzeit verbringt sie auf dem Staffelsee-Gymnasium. Nach dem Abitur steht sie vor der Entscheidung, welcher Beruf der ihre werden soll. Sie schwankt zwischen Medizin, Psychologie und Jura. Schlussendlich wählt sie den Arztkittel. Sie studiert Medizin in Regensburg und München. Anschließend nimmt sie ihre erste Stelle an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Aachen und bleibt 10 Jahre dort. „Anfangs war es eine totale Bauchentscheidung, aber ich habe mir gesagt: Hier möchte ich arbeiten“, resümiert die Ärztin. Am Anfang habe sie kaum Erfahrung im Fachgebiet gehabt, aber sie sei dem Thema „sofort verfallen“.

Die Kinderpsychiatrie unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Erwachsenenpsychiatrie. So befinden sich Kinder und Jugendliche noch im Anfangsstadium ihrer Erkrankung. So stehen die Chancen auf eine vollständige Heilung oftmals sehr gut, erklärt Katharina Bühren. Auch die altersgerechte Behandlung sei wichtig. So benötige ein sechsjähriges Kind eine andere Herangehensweise als ein zehn- oder siebzehnjähriger Patient. Das familiäre Umfeld der Kinder und Jugendlichen wird ebenfalls in die Behandlung mit einbezogen. Darüber hinaus sind für junge Patienten seitens der Schulen und Jugendämter mehr Unterstützungsangebote verfügbar.

Das kbo-Heckscher-Klinikum, Fachkrankenhaus für psychische Erkrankungen stellt für das gesamte Gebiet Oberbayern mit Ausnahme der Region Ingolstadt die Pflichtversorgung. Außerhalb der Notfallversorgung behandeln auch andere Kliniken wie Hochried bei Murnau betroffene Kinder und Jugendliche. Das kbo Heckscher-Klinikum betreibt zehn Standorte im Regierungsbezirk und bietet stationäre, tagesklinische und ambulante Angebote.

Dr. Bühren ist mit ihrem multiprofessionellen Team in der Münchener Niederlassung unter anderem für akute Notfälle zuständig, die auch aus weiter entfernten Orten eintreffen: „Wenn ein junger Mensch beispielsweise am Sonntagabend in Mittenwald ein akutes Problem hat, stellt er sich bei uns in München vor“. Hauptsächlich handele es sich hierbei um Patienten mit Suizidgedanken, die um eine stationäre Aufnahme bitten. Diese Fälle seien jedoch die „Endstrecke“ des Spektrums psychischer Erkrankungen.

In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die an psychischen Krankheiten leiden, stark erhöht. Kein Wunder – haben sie doch während der Corona-Hochzeiten mit Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen besonders viele Einschränkungen hinnehmen müssen. Die Zukunftsängste, die durch Kriege und Klimakrise hinzukommen, tun ihr Übriges. Das kann zu Depressionen, Essstörungen und Angstsymptomen führen.

Für Bühren ergeben sich gerade durch die Entwicklungsdefizite, die mit Corona einhergegangen sind, große Herausforderungen. „Das hat die Kinder sehr aus dem Tritt gebracht und sie in ihrer Entwicklung gestört“, fasst sie zusammen. Das Erlernen fester Strukturen in der Schule oder das richtige Austragen von Konflikten auf dem Fußballplatz sind essenziell für eine gesunde psychische Entwicklung. Gerade diese grundlegenden Kompetenzen sind dank Homeschooling und Lockdowns sehr aus dem Fokus geraten.

Bei Jugendlichen geht es vor allem um die Abnabelung vom Elternhaus und den gesunden Umgang mit den Sozialen Netzwerken, Computern und Spielekonsolen, was während der Pandemie oft vernachlässigt wurde.

Bühren zufolge haben die Komplikationen der Pandemie dazu geführt, dass vor allem vorbelastete Kinder psychische Erkrankungen entwickelten. Obwohl der Faktor Corona in den Hintergrund rückt, stagniert die Anzahl der jungen Patienten auf relativ hohem Niveau – gerade weil die Heilung viel Zeit in Anspruch nimmt.

Bühren wünscht sich, dass der Kinder- und Jugendpsychiatrie mehr Beachtung geschenkt wird – gerade im ländlichen Raum ist die Versorgung mit Psychotherapeuten und Psychiatern unzureichend. Wenn junge Patienten zu lange auf einen Therapieplatz warten müssen, ist die Gefahr einer chronischen Erkrankung besonders groß. Trotz aller Engpässe kämpft sie für das psychische Wohlergehen ihrer jungen Patienten.

Wenn sie wieder zuhause im Blauen Land ist, entspannt die Mutter zweier Töchter gerne draußen in der Natur, in den Bergen und in der Murnauer Fußgängerzone. Katharina Bühren ist froh, wieder in ihrer Heimat angekommen zu sein: „Hier fühle ich mich wohl und zu Murnau spüre ich eine tiefe Verbundenheit.“

Aaron Jungwirth

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