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Das Sprachrohr der G7-Kritiker: Lisa Poettinger – Aktivistin mit Murnauer Wurzeln

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Von: Peter Reinbold

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Gefragte Rednerin: 2021 sprach Lisa Poettinger bei der Schlusskundgebung des Ostermarsches auf dem Königsplatz in München. Die G7 sind demokratisch nicht legitimiert, um Entscheidungen zu fällen, die sich auf die ganze Welt auswirken. Lisa Poettinger
Gefragte Rednerin: 2021 sprach Lisa Poettinger bei der Schlusskundgebung des Ostermarsches auf dem Königsplatz in München. Die G7 sind demokratisch nicht legitimiert, um Entscheidungen zu fällen, die sich auf die ganze Welt auswirken. Lisa Poettinger © Extinction Rebellion

Sie ist mit drei anderen die Stimme des Bündnisses Stop G7 Elmau: Lisa Poettinger, die aus Murnau stammt, spricht für die Kritiker des G7-Gipfels auf Schloss Elmau.

Murnau – Sie spricht schnell, viel und ausdauernd. Lisa Poettinger hat jede Menge zu sagen. Es sind vor allem Dinge und Inhalte, die Klima- und Linksaktivisten von sich geben, wenn sie auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen möchten, was auf diesem Planeten aus ihrer Sicht schief läuft. Wohl auch deshalb gehört Poettinger zum Pressesprecherteam, das aus vier Frauen und Männern besteht und das die Medien vor und während des G7-Gipfels in Elmau mit Informationen rund um die Aktionen füttern wollen, die das Bündnis Stop G7 Elmau während der Gipfelzeit vom 26. bis 28. Juni plant.

G7-Gipfel in Elmau: Lisa Poettinger plant Bündnis Stop G7 Elmau

Details will Poettinger (25), die aus Murnau stammt, am Staffelsee-Gymnasium 2015 ihr Abitur machte und seitdem in München zu Hause ist, nicht nennen. Dass es zu Demonstrationen, wie 2015 beim ersten Treffen des sieben wichtigsten Staats- und Regierungschef der westlichen Welt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, kommt, davon geht sie aus. Sie erwartet im Umfeld des Gipfels vielleicht andere, aber wohl keine größeren Proteste als vor sieben Jahren – und vor allem keine gewalttätigen.

Der Tagungsort ist großflächig abgesichert, ein Vordringen zum Schloss Elmau wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit. Ungefähr 18.000 Polizisten sollen für Ruhe und Ordnung sorgen, auch in Garmisch-Partenkirchen, wo eine Großkundgebung angemeldet ist. „Eine Aktion im Bereich des zivilen Ungehorsams“ soll es aber durchaus geben, das hat das Bündnis „Stop G 7 Elmau“ laut Poettinger verabredet. Grundsätzlich wolle man ohnehin dezentral und auf der ganzen Welt Menschen auf die Straße bringen.

Stop G7 Elmau: Fokus auf Klima- und Flüchtlingskrise

„Wir müssen die Klima- und die Flüchtlingskrise bekämpfen“, sagt Poettinger im Tagblatt-Gespräch. Zum Ukraine-Krieg zu sprechen, will sie sich nicht anmaßen. „Da kenne ich mich zu wenig aus.“ Die Staatsmänner, die auf Schloss Elmau zusammenkommen, sind ihrer Meinung nach „demokratisch nicht legitimiert, um Entscheidungen zu fällen, die sich auf die ganze Welt auswirken“. Die Industrienationen seien „zum großen Teil für die Umweltzerstörungen verantwortlich“. Die G7 müssten den armen Ländern des globalen Südens die Schulden erlassen, um eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen und um selbst einen kleinen Teil der ökologischen Schulden abzutragen, die sie durch ihre Wirtschaftsweise aufgehäuft hätten.

Die Welt und die Umwelt retten, das hat sich Poettinger, deren Familie noch in und um Murnau lebt, zum Lebensziel gemacht. Zwei Jahre war sie bei Extinction Rebellion aktiv, als sie die Gruppierung verließ, war ein Wechsel zu Fridays for Future für sie nie ein Thema. „Dafür bin ich nicht mehr jung genug. Zurzeit engagiere ich mich hauptsächlich im Offenen Antikapitalistischen Klimatreffen München.“

Poettiger war auch bei Münchner Sicherheitskonferenz 2022 bei Protesten dabei

Zuletzt stand sie häufiger in vorderster Front, war das Gesicht einiger spektakulärer Aktionen. Sie agierte als Sprecherin des Bündnisses „#noIAA“, das gegen die Internationale Automobilausstellung mobil machte, die von Frankfurt nach München umgezogen war. Poettinger sprach 2021 für die Waldbesetzer im Forst Kasten in Neuried.

Dort sollte ein Wald für den Kiesabbau gerodet werden. Zudem zog sie gegen die Münchner Sicherheitskonferenz zu Felde. Ganz aktuell hält sich Poettinger in Bonn auf, wo die G7-Finanzminister tagen. Im Rahmen einer Protestveranstaltung, die am Samstag durch die Innenstadt der ehemaligen Bundeshauptstadt zieht, wird sie eine Rede halten, im Juni geht sie neben dem G7-Gipfel bei einer Aktion gegen Imperialismus auf die Straße.

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Erweckungserlebnis in Südafrika

Was war der Auslöser für Poettinger in die Aktivistenszene zu gehen? Was hat sie politisch sozialisiert? Die Familie wohl eher nicht, dort herrschte Poettinger zufolge eher eine konservative Sicht der Dinge vor. Ihr Erweckungserlebnis – Poettinger engagierte sich schon während ihrer Schulzeit in sozialen Projekten, organisierte Kochkurse für Flüchtlingskinder – hatte sie wohl während eines dreimonatigen Volontariats an der Kannemeyer Primary School in Grassy Park bei Kapstadt (Südafrika). Die Zustände dort haben sie geprägt, weil sie erlebt hat, welch ärmliche Verhältnisse in anderen Ländern herrschen. Mit einer Spendenaktion, die sie im Jahr 2016 in Murnau organisiert hatte, kamen über 4000 Euro zusammen, die in den Bau einer Mehrzweckhalle investiert wurden.

Mit dem Start ihres Studiums in München an der Ludwig-Maximilians-Universität nahm ihre Karriere als Aktivistin Fahrt auf. Derzeit befindet sie sich im zehnten Semester von zwölfen ihrer fünfteiligen Fächerkombination – darunter Schulpsychologie, Englisch, Ethik, Deutsch als zweite Sprache und Bildung als nachhaltige Entwicklung – für das Lehramt. Menschen, die sich im linken politischen Spektrum bewegen, werden natürlich kritisch beäugt – vor allem von der Politik.

„Das Überleben von Menschen ist mir wichtiger als meine Karriere“

Von 1972 bis 1991 wurden Bewerber in Bayern für den Öffentlichen Dienst auf ihre Verfassungstreue hin überprüft. Wer die Kriterien nicht erfüllte, konnte nicht eingestellt werden. Als Poettinger Teilnehmerin an der Münchner Runde war, einer Talksendung des Bayerischen Fernsehen, fragte der Moderator Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), ob jemand mit der Vita Poettingers eine Chance habe, an einem Gymnasium verbeamtet zu werden. „Herr Herrmann hat darauf keine Antwort gegeben“, erinnert sie sich. Im Fall des Falles, sollte der Worst Case eintreten, könne sie sich vorstellen, in die politische Bildung zu gehen. „Das Überleben von Menschen ist mir wichtiger als meine Karriere.“

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