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Aus und vorbei: Das beliebte Lido „Beach & Burger“ in der Murnauer Bucht macht dicht.

Zukunft der Gastronomie noch offen

Drama am Staffelsee: Kult-Wirt schmeißt unerwartet hin - aus diesem Grund

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Paukenschlag am Staffelsee: Das beliebte Restaurant Lido „Beach & Burger“ wird es ab Ende März nicht mehr geben. Gastronom Kurt Höller wirft überraschend hin.

  • Kurt Höller war jahrelang Wirt des Restaurant „Beach & Burger“ in Murnau.
  • Jetzt kündigte er seinen Pachtvertrag.
  • Gäste trifft die Nachricht unvorbereitet.

Murnau – Seit Jahren betreibt Kurt Höller erfolgreich das Lido Restaurant „Beach & Burger“ und das Strandbad in der Murnauer Bucht. Der Umbau des Areals am Staffelsee, das er 2004 von der Gemeinde gepachtet hatte, war für ihn nach eigenen Worten eine Herzensangelegenheit. Viel Zeit und Geld hatte er investiert, um das im Vintage-Stil gestaltete, türkis-weiß getünchte Restaurant mit Ibiza-Flair und traumhaftem Ausblick auf den See sowie angeschlossenem Strandbad einzurichten und „zu einem der schönsten Plätze Oberbayerns“ zu machen, wie er damals voller Elan ankündigte.

Besucher strömten zum „Beach & Burger“ am Staffelsee in Murnau

Der Erfolg schien ihm Recht zu geben: Scharenweise strömten Ausflügler dorthin, das von ihm kreierte Burger-Konzept war bis weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Ohne Vorbestellungen ging nichts, nicht selten bildeten sich lange Schlangen vor dem Eingang. Gäste mussten auch mal abgewiesen werden. Die Omnipräsenz des Chefs war nicht nur sprichwörtlich, sondern gleichzeitig auch das Markenzeichen des Hauses. Mit ausschlaggebend dafür, dass der Rubel so kräftig rollte, war dabei natürlich immer die sensationelle Lage des Restaurants an der Seestraße 31.

Video: Am Staffelsee werden noch Traditionen gepflegt

Überraschendes Ende für Kult-Wirtschaft am Staffelsee - „aus privaten Gründen“

Umso überraschender kommt jetzt die Nachricht: Höller hört auf. Per Pressemitteilung informierte der 54-Jährige, dass er das Pachtverhältnis mit Wirkung zum 31. März „aus privaten Gründen“ gekündigt habe. Er wolle zu neuen Ufern aufbrechen. Seine Motivation umschreibt der schillernde Gastronom mit der markanten Frisur und der farbigen Brille recht allgemein mit Sinnsprüchen wie „Was man liebt, soll man nicht halten“ und „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Allerdings sei ihm die Entscheidung schwer gefallen, wie er im Tagblatt-Gespräch verdeutlicht: „Das war ein emotionales Feuerwerk. Ich habe lange Zeit über den Schritt nachgedacht und gewartet, die Meldung in den PC einzutippen.“

Ein Grund für die Schließung des Restaurants in Murnau: die immer strenger werden Auflagen 

Eine Rolle gespielt haben auch die zusehends strengeren Auflagen in puncto Verkehrssicherungspflicht: Höller wäre gezwungen gewesen, das Personal aufzustocken, um den Badebetrieb am Ufer auch in den Abendstunden zu gewährleisten. Das wollte er ebenso wenig wie in den Umbau der für den Betrieb inzwischen zu klein gewordenen Küche zu investieren. Doch all das sei allenfalls in die Entscheidung eingeflossen. „In erster Linie war es mein privater Wunsch.“

Auch die Gemeinde traf die Nachricht unvorbereitet – wenngleich ein mittleres Beben angesichts der Bedeutung der Murnauer Bucht für die Marktgemeinde ausblieb. „Wir finden es schade, dass Herr Höller aufhört, respektieren aber seine Entscheidung, sich beruflich neu zu orientieren. Wir danken ihm für die gute Zusammenarbeit“, heißt es ganz unaufgeregt aus dem Rathaus.

Zukunft des Lokals unklar: „Jetzt noch kurzfristig jemanden zu bekommen, ist so gut wie unmöglich“

Bürgermeisterkandidat Rudi Utzschneider (CSU) findet es „beeindruckend“, was Höller mit seinem Team dort geleistet habe. Vor allem aber will er wissen, wie es jetzt auf dem Gelände weitergehen soll. „Ich bin gespannt, wie man diese Lücke bis Saisonende schließen will.“ Eine Frage, die auch Phillip Zoepf umtreibt, der ebenfalls seinen Hut für den Chefposten im Rathaus in den Ring geworfen hat. Für den Vorsitzenden der Bürgerliste „Mehr Bewegen“ steht die Überplanung der Murnauer Bucht ganz weit oben auf der Agenda. Bereits mehrere Anträge hat seine Gruppierung im Gemeinderat eingereicht, Ziel ist nach eigenen Worten ein ganzheitlicher Ansatz: „Die Murnauer Bucht bietet ein enormes Potenzial, das eine nachhaltige Ausrichtung für die Murnauer Bevölkerung, aber auch für den Tourismus verdient.“ Eine echte Goldgrube für den Ort – in puncto Freizeitwert, aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Zoepf hält es für nahezu aussichtslos, auf die Schnelle noch einen neuen Betreiber für das Lido „Beach & Burger“ zu finden: „Jetzt noch kurzfristig jemanden zu bekommen, ist, realistisch betrachtet, so gut wie unmöglich.“ Die Kündigung des Wirts bedauert er ebenso: Höller habe aus dem Strandbad „eine sehr gut gehende Gastronomie“ gemacht.

Über das weitere Vorgehen in Sachen Strandbad will der Murnauer Gemeinderat in einer seiner nächsten Sitzungen entscheiden. Bei einer Klausurtagung im März 2019 im Kloster Irsee hatten sich die Volksvertreter bereits mit dem Thema „Murnauer Bucht“ als Ganzes beschäftigt und sich Gedanken dazu gemacht. So sei die Auslobung eines städtebaulichen Realisierungswettbewerbs beschlossen worden, erklärt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum).

Der letzte Facebook-Post des beliebten Restaurants:

Seit Jahren wird über die Neugestaltung der Murnauer Bucht diskutiert. Jetzt kommt Bewegung in die Sache: Im Gemeinderat wurden zumindest Eckpunkte vorgestellt, auf die man sich im Rahmen einer Klausurtagung verständigt hatte.Dazu zählen eine Gastronomie, der freie Seezugang sowie das naturnahe Strandbad.

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