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Freie Wähler fordern: Murnau muss sich gegen Fluten wappnen

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Von: Roland Lory

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Ein Brennpunkt: An der Leonhardistraße in Froschhausen pumpt die Feuerwehr 2020 Wasser ab.
Ein Brennpunkt: An der Leonhardistraße in Froschhausen pumpt die Feuerwehr 2020 Wasser ab. © Feuerwehr Murnau

Die Hochwassergefahr ist in Murnau im Vergleich zu anderen Orten sicher überschaubar. Dennoch sollte die Marktgemeinde aus Sicht der Freien Wähler aktiv werden. Ratsmitglied Welf Probst findet: „Die Infrastruktur ist krisenfest zu machen.“

Murnau – Die Bilder aus den Katastrophengebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben im abgelaufenen Jahr viele Menschen erschüttert. Es stellte sich auch die Frage, wie es dazu kommen konnte. Dieses Jahrhunderthochwasser, „aber auch alle vorhergehenden schlimmen Katastrophen müssen uns zum Handeln aufrütteln und zwingen“. Dies findet zumindest Ratsmitglied Welf Probst von den Freien Wählern. „Auch Murnau wurde und wird immer wieder von Starkregenereignissen ereilt“, heißt es in einem Antrag der Gruppierung. Bevor die Kanalisation im Ober- und Untermarkt Ende des vergangenen Jahrhunderts erneuert wurde und die Pflasterung und Regenabläufe existierten, „gab es laufend schwere Folgeschäden durch extreme Wettergeschehen“. Dies habe man sehr erfolgreich und sichtbar in den Griff bekommen. „Auch wenn die Gefahren im Markt Murnau überschaubar sind, so muss zum Wohle der Bürger trotzdem das gesamte Gemeindegebiet für die immer wieder kehrenden Wetterkapriolen ertüchtigt und vorbereitet werden.“

Dazu schlagen die Freien Wähler verschiedene Schritte vor: Da wäre zum Beispiel die Erstellung einer Starkregengefahrenkarte für das gesamte Gemeindegebiet. Zudem sollten kleinste Bachläufe (zum Beispiel in der Weindorfer Senke) kritisch und vorausschauend betrachtet und die Flächenversiegelung reduziert werden. Diese sei „bei allen Neubauten aufs Geringste zu beschränken oder anderweitig zu umgehen, aber auch zu kontrollieren“. Weiterer Punkt: Bevor man neue Bauflächen ausweist, müsse man die Hydrologie kritisch betrachten. „Zur Not gibt es eben kein neues Bauland“, sagt Probst. Bereiche und Stellen, die heute schon immer wieder volllaufen wie zum Beispiel vor dem Gewerbegebiet Straßäcker, Froschhausen oder die Seidlstraße müssten seiner Meinung nach umgehend mit mehr Ablaufmöglichkeiten ausgestattet werden.

Unterlieger schützen

Ein weiterer Baustein ist aus Probst Sicht die Loisach: Der Flusslauf, zur besseren Befahrbarkeit für die Flößerei Mitte des 19. Jahrhunderts begradigt, sollte zum Schutz der Unterlieger wieder in den ursprünglichen Verlauf verlegt werden, um damit die Fließgeschwindigkeit zu bremsen. „Hier ist das Wasserwirtschaftsamt mit einzubeziehen.“

An der Loisach den alten Zustand wiederherzustellen, hält WWA-Abteilungsleiter Johannes Riedl für „unmöglich“ und für eine „Illusion“. Doch dem Vorschlag für eine Starkregengefahrenkarte kann er viel abgewinnen. „Natürlich ist das sinnvoll.“ Zunächst gelte es zu klären, wo die Problemstellen sind. Danach gehe es darum, „was macht man, und wer ist dafür zuständig“. Letzteres ist manchmal gar nicht so einfach, etwa wenn irgendwo Wasser den Hang herunterläuft und sich sammelt. „Wichtig ist, dass man erst einmal Karten hat“, betont Riedl. Diese könnten im Rahmen des Sonderförderprogramms gegen Sturzfluten erstellt werden, das der Freistaat Bayern vor ein paar Jahren aufgelegt hat. Es ermöglicht den Kommunen, maßgeschneiderte Konzepte für den bestmöglichen Hochwasserschutz zu schaffen. Mehrere Gemeinden aus der Region nehmen das Programm in Anspruch. „Schwaigen ist am weitesten“, sagt Riedl.

Termin Ende Januar

Wann sich die Murnauer Gremien mit der Thematik befassen, ist noch unklar. „Bei der Erstellung einer Starkregengefahrenkarte handelt es sich um ein sehr umfangreiches und wichtiges Thema, an dem verschiedene Stellen und Einrichtungen des Marktes Murnau beteiligt sind“, sagt Rathaussprecherin Annika Röttinger. Ende Januar werde es dazu einen Termin mit den beteiligten Behörden geben. „Erst dann können wir darüber Auskunft geben.“

Ratsmitglied Michael Hosp (CSU), Referent für Katastrophenschutz, findet den Vorstoß der Freien Wähler sinnvoll. „Man muss das einfach mal näher betrachten.“ Wobei er die Meinung vertritt, dass man nicht alles schützen könne. Mit Hangwasser „wird es uns immer wieder mal erwischen“.

Die Freien Wähler haben jedenfalls einen ganzen Ideenkatalog vorgelegt. Probst hält es für nötig, jetzt tätig zu werden und nicht zu warten. „Wir müssen dem Wasser den Raum geben, den es verlangt.“ Die Infrastruktur sei „krisenfest zu machen“.

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