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Stellenabbau: der Autozulieferer Geiger Automotive im Murnauer Ortsteil Neu-Egling. 

Entlassungen noch diesen Monat

Geiger Automotive: Branchenkrise bedroht Zulieferer - 33 Kündigungen allein in Murnau

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Der Autozulieferer Geiger Automotive setzt angesichts der Branchenkrise den Rotstift an. Allein am Stammsitz Murnau sollen noch bis Monatsende 33 Kündigungen ausgesprochen werden.

Murnau – Handelskriege, schwächelnde Nachfrage, Abschied vom Verbrennungsmotor: Die Autoindustrie steckt in einer schweren Krise. Den Umbruch in Deutschlands Schlüsselindustrie bekommen die Zulieferer hart zu spüren. Dazu zählt auch das Traditionsunternehmen Geiger Automotive mit Hauptsitz im Murnauer Ortsteil Neu-Egling, das sich auf die Herstellung von Kunststoffteilen spezialisiert hat.

Die Firma kündigte kürzlich eine „Restrukturierung“ mit einem umfangreichen Stellenabbau an, der die drei deutschen Standorte Murnau, Ziemetshausen und Tambach-Dietharz betrifft. Eine Nachricht, die sich wie ein Lauffeuer im Landkreis verbreitete. Schließlich ist der Betrieb, der vor einigen Jahren schon mal über einen Wegzug nachdachte und mittlerweile zum japanischen Sanoh-Konzern gehört, einer der größten Arbeitgeber der Region.

Geiger Automotive/Murnau: Branchenkrise bedroht Zulieferer

Nun wurden Details bekannt: Laut der Unternehmenssprecherin Katharina Kott entfallen 33 der insgesamt 50 geplanten Kündigungen auf das Werk in Murnau, das derzeit rund 300 Mitarbeiter zählt. Betroffen davon seien in erster Linie Tätigkeiten, die nicht direkt mit der Produktion zu tun haben.

Doch damit nicht genug: So sollen auch die natürliche Fluktuation genutzt, vorzeitige Ruhestandsregelungen vereinbart und befristete Arbeitsverhältnisse nicht verlängert werden. Unterm Strich fallen in allen deutschen Niederlassungen 124 Stellen weg (von rund 800; gerechnet seit dem 1. Juli). Eine Gesamtzahl für Murnau nannte die GmbH nicht. Der Betriebsrat, der mit der Geschäftsführung einen Sozialplan ausgehandelt hat, geht von rund 40 Jobs aus, die hier vor Ort dem Sparkurs zum Opfer fallen.

Geiger Automotive Murnau: 33 Kündigungen - 40 Stellen insgesamt gestrichen

Geiger Automotive verweist auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld, das zu den Einschnitten führe. Das international aufgestellte Unternehmen, das auch Werke in den USA, Mexiko und China betreibt, mache seit einigen Jahren Verluste, berichtet Kott. Und für 2020 hätten die Kunden bereits einen Auftragsrückgang von bis zu zehn Prozent signalisiert. „Die Tendenz ist negativ“, sagt die Sprecherin. Noch vor wenigen Jahren, als die Firma nach Japan verkauft wurde, hatte das Geschäft von Geiger Automotive noch geboomt. Doch die Zeiten ändern sich.

Mit den „Sanierungsmaßnahmen“ – der Jobabbau sei nur ein Teil davon – hoffe man, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Kott ist zuversichtlich: „Es sieht so aus, dass wir es schaffen, wieder in den grünen Bereich zu kommen.“ Der Standort Murnau stehe derzeit nicht zur Diskussion.

Geiger Automotive: “Mehr arbeiten mit weniger Personal“

Es werde versucht, schlankere Strukturen zu schaffen, fasst Wolfgang Nebl, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, den eingeschlagenen Kurs zusammen. „Wir müssen mehr arbeiten mit weniger Personal.“ Der Arbeitnehmervertreter findet, dass die Autozulieferer die Leidtragenden der Mobilitäts- und Klimaschutzdebatte seien. Denn seiner Ansicht nach wird die deutsche Autoindustrie kaputtgeredet.

„Ich bedauere den Abbau von Arbeitsplätzen sehr“, erklärt Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). „Wir werden unser Möglichstes tun, um die Firma Geiger bei Entwicklungsabsichten an ihrem Bestandsort zu unterstützen.“

Ins gleiche Horn stößt Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Auch er sichert Unterstützung zu – beispielsweise wenn es um bauliche Veränderungen geht. Was den Chef der Kreisbehörde aber wundert: Im Zuge einer Betriebsbesichtigung vor etwa einem halben Jahr sei von der angespannten Lage noch nicht die Rede gewesen.

Entlassungen bei weiteren Branchenvertretern im Landkreis befürchtet indessen der Seehauser CSU-Landratskandidat Florian Lempert. Es müsse dringend ein „Gesamtplan“ erarbeitet werden, um neue Wirtschaftsbereiche anzusiedeln, etwa die Informationstechnologie. Lempert schwebt dazu unter anderem ein Kompetenzzentrum Digitales Handwerk vor.

Wer von den Kündigungen betroffen ist, sollte sich gut über seine Rechte informieren. zudem sollte geklärt werden, ob dem Arbeitnehmer eine Abfindung nach der Kündigung zusteht.

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