Künftiger Geiger-Standort: Das ehemalige HAP-Gelände an der Seeshaupter Straße in Penzberg liegt seit drei Monaten brach. Foto: Schörner-Archiv
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Künftiger Geiger-Standort: Das ehemalige HAP-Gelände an der Seeshaupter Straße in Penzberg liegt seit drei Monaten brach.

Reaktionen auf Neuausrichtung des Traditionsunternehmens

Geiger-Betriebsrat: Umzug nach Penzberg nachvollziehbar

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Der Entschluss des Traditionsunternehmens Geiger Automotive, die beiden bayerischen Standorte Murnau und Ziemetshausen nach Penzberg zu verlagern, stößt beim Gesamtbetriebsrat auf Verständnis. Damit, so die Hoffnung, sichere der Autozulieferer seine Zukunft. Die hiesige Politik ist indessen über die Abwanderung nicht begeistert.

Murnau/Penzberg – Es war offenbar eine genau abgestimmte Aktion, mit der Geiger Automotive am Montag die Öffentlichkeit und die Belegschaft über die Umzugspläne informierte. Kurz vor 17 Uhr erhielt die Tagblatt-Redaktion eine Pressemitteilung, in der Geschäftsführer Martin Thorbjörnson bekanntgab, die bayerischen Werke Murnau und Ziemetshausen (bei Augsburg) in Penzberg zusammenzufassen. In der Industriestadt des Nachbarlandkreises Weilheim-Schongau soll auf dem Gelände des ehemaligen HAP-Werkes (Hörmann Automotive Penzberg) ein neuer Standort mit voraussichtlich rund 400 Mitarbeitern entstehen (wir berichteten).

Unternehmen gehört zum japanischen Sanoh-Konzern

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Mario Herrmann kann die strategische Weichenstellung, die sich bereits heuer im März abgezeichnet hatte, nachvollziehen. Denn: „Wir können uns in Murnau nicht mehr vergrößern“, erklärt der Arbeitnehmervertreter. Das Problem ist nicht neu – und beschäftigte immer wieder die Kommunalpolitik: Das international aufgestellte Unternehmen, das zum japanischen Sanoh-Konzern gehört, klagte in der Vergangenheit unüberhörbar über fehlende Entwicklungsmöglichkeiten am Hauptsitz im Ortsteil Neu-Egling. In Penzberg besteht dagegen reichlich Platz: Allein die Produktions- und Logistikfläche umfasst dort fast 30 000 Quadratmeter.

Herrmann hofft, dass sich Geiger Automotive auf diese Weise fit für die Zukunft macht. Den Schritt kommentiert er mit den Worten „schmerzlich-positiv“. Seinen Angaben zufolge stehen zwar keine Kündigungen im Raum – und es sollen auch alle Mitarbeiter ein Übernahmeangebot erhalten. Aber in Ziemetshausen dürfte nur ein kleiner Teil bereit sein, mit nach Penzberg zu ziehen. „Die Entfernung ist zu groß“, sagt Herrmann. Ideal wäre ein Neubau zwischen beiden Standorten gewesen.

Spezialist für Kunststoffteile

Der Name Geiger ist eng mit dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen verbunden: Der Spezialist für Kunststoffteile hat seinen Ursprung in der Firma Geiger Plastik, die 1960 im Kreisort gegründet wurde. Die Autozulieferbranche gilt als sehr konjunkturanfällig. Vergangenes Jahr setzte der Traditionsbetrieb den Rotstift an und baute im Zuge einer „Restrukturierung“ Arbeitsplätze ab. Das Werk in Murnau zählt laut Betriebsrat derzeit rund 250 Beschäftigte.

„Es ist schade, dass einer der größten Mittelständler unseren Landkreis verlässt“, sagt Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Leider fehlten hierzulande große Flächen zur Industrie-Ansiedlung – „und solch eine Infrastruktur, wie sie die Firma Geiger in Penzberg vorgefunden hat, können wir nicht anbieten“, räumt der Chef der Kreisbehörde ein. Dennoch sei er froh, dass die Arbeitsplätze zumindest in der Region erhalten bleiben. Der Wegzug bietet nach Ansicht Speers auch Chancen, „um das Gewerbegelände in Neu-Egling neu zu entwickeln“. Dazu sei nun die Wirtschaftsförderung gefragt.

Ähnlich sieht es Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum): „Wir bedauern den Umzug sehr“, sagt er. In den vergangenen Jahren habe sich der Markt darum bemüht, Entwicklungschancen vor Ort aufzuzeigen. Aber auch der Rathauschef kommt zum bitteren Schluss: „Letztlich kann der nördliche Landkreis Garmisch-Partenkirchen zur Zeit noch nicht mit den Standortbedingungen anderer Regionen mithalten.“ Es sei Aufgabe der Kommunen, dies zu ändern.

Im Penzberger Rathaus wurde die Nachricht über den Standortwechsel verständlicherweise positiv aufgenommen: „Wir freuen uns sehr, dass so ein großer Arbeitgeber auf das HAP-Gelände kommt“, sagt Bürgermeister Stefan Korpan (CSU). Geiger Automotive, findet er, habe einen guten Namen und einen guten Ruf. Wenn man die Chance hat, dass solch ein Unternehmen nach Penzberg zieht, dürfe man nicht Nein sagen. Das Gelände an der Seeshaupter Straße liegt seit drei Monaten brach. Am 30. Juni hatte HAP seinen Betrieb eingestellt.

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