Bleibt in Murnau: der 1960 gegründete Autozulieferer Geiger Automotive.
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Bleibt in Murnau: der 1960 gegründete Autozulieferer Geiger Automotive.

Traditionsunternehmen bleibt in Murnau

Geiger Automotive bläst Umzug nach Penzberg ab

  • vonWolfgang Schörner
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  • Andreas Seiler
    Andreas Seiler
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Damit hatte niemand gerechnet: Das Traditionsunternehmen Geiger Automotive, einer der größten Arbeitgeber der Region, bleibt nun doch in Murnau. Der als Zukunftsprojekt angepriesene Umzug nach Penzberg wurde überraschend abgesagt. In der Staffelsee-Gemeinde ist daher die Freude groß.

Murnau/Penzberg – Umzugspläne sind beim Autozulieferer Geiger Automotive, dessen Hauptsitz im Murnauer Ortsteil Neu-Egling liegt, nichts Neues. Immer wieder wurden in der Vergangenheit entsprechende Gedankenspiele angestellt – sehr zum Missfallen der Orts- und Kreispolitik. Schließlich handelt es sich um einen der wenigen Industriebetriebe, die die touristisch geprägte Region zwischen Staffelsee und Karwendel vorzuweisen hat. Doch der jetzige Standort am Riegsee (rund 250 Mitarbeiter) mag zwar idyllisch sein, gilt jedoch als nicht gerade ideal, was die Entwicklungs- und Erweiterungsmöglichkeiten angeht.

Unternehmen gehört zum japanischen Sanoh-Konzern

Im September 2020 kündigte das Unternehmen, das mit seinen insgesamt sechs Niederlassungen zum japanischen Sanoh-Konzern gehört und sich auf die Herstellung von Kunststoffteilen für die Autoindustrie spezialisiert hat, einen weitreichenden Schritt an, der für den Landkreis einen herben Schlag bedeutet hätte. Die beiden bayerischen Werke Murnau und Ziemetshausen sollten demnach schrittweise bis Ende 2022 in den Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau nach Penzberg verlagert werden – und zwar in die ehemalige Werkhalle der Hörmann Automotive Penzberg GmbH.

Dem Vernehmen nach muss die Stimmung im Geiger-Management geradezu euphorisch gewesen sein. Man wollte eine moderne und intelligente Produktionsstätte samt Logistikzentrum mit insgesamt 400 Arbeitsplätzen schaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Intern machte der hippe Begriff „Future Factory“ die Runde – die Fabrik der Zukunft.

Doch daraus wird nichts: Die Chefetage blies das ambitionierte Vorhaben ab. Die Hintergründe sind nicht genau durchschaubar: Geiger Automotive bleibt in einer Pressemitteilung vage und begründet die Absage damit, dass es bei einer Prüfung der Anlagen in Penzberg „neue Erkenntnisse“ gegeben habe. Geschäftsführer Martin Thorbjörnson wird auf Nachfrage etwas konkreter: „Im Herbst beauftragte Gutachten haben einen zusätzlichen Sanierungsbedarf zu Tage geführt, über den wir uns mit dem Vermieter nach längerer Verhandlung nicht einigen konnten“, berichtet er. Nach Tagblatt-Informationen spielten angeblich Brandschutz und Altlasten eine Rolle. Ein Umzug, so ist aus gut informierten Kreisen zu hören, hätte das Budget gesprengt.

Am ursprünglichen Plan, die beiden Standorte im Freistaat auf einen zu reduzieren, hält man jedoch fest. Der Verkauf des Betriebes und der Vermögenswerte in Ziemetshausen bis Ende 2022 werde weiter vorangetrieben. Zugleich kündigt Geiger Automotive an, die Produktion in Murnau fortzusetzen und sich auf „die weitere Optimierung und Verschlankung der Produktionsprozesse“ zu konzentrieren. Entlassungen stehen laut Thorbjörnson nicht auf der Agenda.

Freude im Murnauer Rathaus

Im Rathaus der Staffelsee-Gemeinde ist die Freude verständlicherweise groß: „Das ist ja toll“, lautete die erste Reaktion der Zweiten Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler). Geiger Automotive sei im Ort fest etabliert – und darüber hinaus ein wertvoller Arbeitgeber sowie Steuerzahler.

Des einen Freud ist des anderen Leid: „Ich bin natürlich nicht glücklich“, sagt der Penzberger Rathauschef Stefan Korpan (CSU). Dies habe sich nicht angedeutet.

Und was meinen die Arbeitnehmer? „Das ist eine nachvollziehbare Entscheidung, die uns allerdings mit gemischten Gefühlen zurücklässt“, sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Mario Herrmann. Möglicherweise fehle das Geld, das für das Penzberg-Projekt investiert wurde, an anderer Stelle.

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