Zieht nach Penzberg: der Murnauer Hauptsitz des Autozulieferers Geiger Automotive. Foto: Archiv-Lory
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Zieht nach Penzberg: der Murnauer Hauptsitz des Autozulieferers Geiger Automotive.

Traditionsunternehmen zieht nach Penzberg

Schwerer Schlag für den Landkreis: Geiger verlässt Murnau

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Schwerer Schlag für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Das Traditionsunternehmen Geiger Automotive, einer der größten Arbeitgeber der Region, kehrt Murnau den Rücken zu und zieht nach Penzberg. Die Entscheidung hatte sich bereits im Frühjahr abgezeichnet.

Murnau/Penzberg – Umzugspläne sind bei Geiger Automotive nichts Neues. In der Chefetage des krisenerprobten Autozulieferers mit Hauptsitz im Murnauer Ortsteil Neu-Egling wurden in der Vergangenheit immer wieder entsprechende Gedankenspiele angestellt. Die Hintergründe sind bekannt: Dem Betrieb, der sich auf die Herstellung von Kunststoffteilen für die Autoindustrie spezialisiert hat und zum japanischen Sanoh-Konzern gehört, fehlt es am idyllischen Riegsee an Erweiterungsmöglichkeiten.

Zwei Werke werden nach Penzberg verlagert

Nun macht das Unternehmen ernst: Die beiden bayerischen Werke Murnau und Ziemetshausen werden bis zum 31. Dezember 2022 in den Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau nach Penzberg verlagert – und zwar in das ehemalige Werk der Hörmann Automotive Penzberg GmbH (HAP), das heuer im Sommer dicht machte. Dies erklärt Martin Thorbjörnson, Geschäftsführer der Geiger Automotive GmbH, in einer Pressemitteilung. Überraschend kommt dieser Schritt nicht: Bereits heuer im März war dieses Szenario bekanntgeworden (wir berichteten).

Als Gründe nennt das Unternehmen unter anderem die geringere Auslastung, erst Recht im Zuge der Corona-Pandemie, den fehlenden strategischen Vorteil mit zwei sehr nahe beieinanderliegenden Produktionsstätten und eine schwache Infrastruktur an diesen Standorten. „Daher können wichtige Optimierungen für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit in Produktion und Logistik nicht vollständig umgesetzt werden“, schreibt Thorbjörnson im besten Managersprech. Die letztliche Entscheidung sei nach einer Prüfung verschiedener Optionen – dazu zählte auch ein Neubau auf der grünen Wiese bei Murnau oder Ziemetshausen – in Japan gefallen.

In Penzberg will man „stark investieren“, Kostenvorteile nutzen und auf diese Weise die Zukunft des Unternehmens sichern. Dort sollen voraussichtlich 400 Mitarbeiter einen Job finden. Allen Beschäftigten in Murnau und Ziemetshausen will Geiger Automotive anbieten, mit in die ehemalige Bergwerksstadt zu ziehen. Dazu soll es auch Unterstützung geben, etwa in Form von Umzugszulagen oder Hilfen bei der Suche nach Wohnraum.

Ehrgeiziger Zeitplan

Der Zeitplan ist ehrgeizig: Die ersten Umzugsmaßnahmen sollen Ende dieses Jahres beginnen und die Bereiche Verwaltung, Vertrieb, Beschaffung, Engineering und Logistik am Standort Murnau betreffen. Die Verlagerung der Produktion startet dann laut Geiger Automotive kurz danach und soll bis Dezember 2021 abgeschlossen sein. In Ziemetshausen ist dieser gesamte Prozess von August 2021 bis zum 31. Dezember 2022 geplant.

Das zukünftige Werk in Penzberg verfügt über eine Produktions- und Logistikfläche von insgesamt rund 30 000 Quadratmetern sowie über Büros und Gesellschaftsräume mit einer Fläche von rund 3500 Quadratmetern.

Geiger Automotive wurde 1960 gegründet und betreibt derzeit sechs Werke in vier Ländern: Deutschland, USA, China und Mexiko. 2019 machte die GmbH nach eigenen Angaben 170 Millionen Euro Umsatz und beschäftigte 1000 Mitarbeiter. Der Hauptsitz befindet sich zusammen mit der Produktionsstätte in Murnau. Weitere Werke in Deutschland sind in Ziemetshausen und Tambach-Dietharz (Thüringen) angesiedelt.

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