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Steht derzeit leer: dieser Bauernhof im Ortsteil Zell. Er gehört zu dem Paket, das die Gemeinde Großweil gekauft hat.

Gemeinde kauft landwirtschaftliches Anwesen und 50 Hektar Land

Großweil tätigt Immobiliendeal im großen Stil

Die Größenordnung ist außergewöhnlich: Die Gemeinde Großweil hat für knapp 3,5 Millionen Euro ein landwirtschaftliches Anwesen mit 50 Hektar Land erworben. Einen Teil will sie an örtliche Bauern veräußern. Gemeinderatsmitglied Karl Steingruber regt an, dies schnell zu tun.

Großweil – Grünland, Wald, Viehweiden, Streuwiesen, Moosflächen sowie ein Bauernhof mit Nebengebäuden – all das gehört zu einem großen Immobilienpaket, das die Gemeinde Großweil erworben hat. Für die 50 Hektar und die Gebäude gab sie knapp 3,5 Millionen Euro aus. Das Geld ist überwiesen. Die Hofstelle liegt im Weiler Zell, die Grundstücke befinden sich in der näheren Umgebung.

Eine Erbengemeinschaft hatte das Paket zum Verkauf angeboten. Und die Kommune schlug zu. Sie will die Flächen zum Teil an örtliche Landwirte verkaufen. „Das wäre eine gute Geschichte“, sagt Bürgermeister Manfred Sporer (CSU-Dorfgemeinschaft). Die Gemeinde möchte aber auch Land behalten, um Ausgleichsflächen vorrätig zu haben. „Damit ist die Gemeinde ansonsten nicht übermäßig bestückt.“

Christoph Gratz, Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft Ohlstadt, nennt noch ein weiteres Argument für den Kauf. „Man wollte verhindern, dass sich die Flächen ein Dritter, der mit Großweil und Kleinweil nichts zu tun hat und bei dem man nicht weiß, was er damit anfängt, unter den Nagel reißt.“

Die Schulden der Gemeinde sind durch den Kauf in die Höhe geschnellt. Sie betragen derzeit 5,28 Millionen Euro, pro Kopf sind das 3685 Euro. Zum Vergleich: Der Landesdurchschnitt gleich großer Orte liegt bei 605 Euro.

Gratz nennt einen Horizont von fünf Jahren, um die Verbindlichkeiten zu minimieren. Ratsmitglied Karl Steingruber (Freie Wählergemeinschaft Großweil) dauert das zu lange. Er findet, dass man beim Verkauf aufs Tempo drücken sollte, um „die günstige Zinsphase jetzt auszunutzen“.

Das Interesse der Landwirte scheint vorhanden zu sein. „Wir werden schon danach gefragt“, sagt Sporer. Martin Sonner, Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), erklärt: „Es kommt auf die Größe und den Preis an.“ Ein Haken ist: Das Grünland ist noch bis 2025 verpachtet. Solange so ein Vertrag läuft, „kann man es nicht nutzen“, gibt Sonner zu bedenken. Allerdings hätte der neue Eigentümer Pachteinnahmen. „Es ist eine Chance für die einheimische Landwirtschaft“, betont Steingruber.

Wenn es für ein Areal mehrere Bewerber geben sollte, wird laut Sporer eventuell das Los entscheiden. „Aber das muss der Gemeinderat festlegen.“ Klar ist: Die Kommune will keine Preistreiberei nach dem Motto: Wer mehr bezahlt, bekommt eine bestimmte Wiese. „Das würde nur böses Blut schaffen“, betont der Rathauschef. Wie die Kommune die Verkaufspreise ermitteln will, steht noch nicht fest. „Der Gemeinderat wird beraten, was als Grundlage herangezogen wird.“

Laut Kämmerer Gratz soll das Ganze für die Kommune „kein Draufzahlgeschäft“ werden, man wolle aber auch „keinen Reibach“ machen.

Für ihn sind Ausgaben von mehr als drei Millionen Euro nicht alltäglich. „Das hört sich im ersten Moment bedrohlich an“, räumt er ein. Aber die aktuelle Zinssituation mache es möglich, eine solche Investition zu stemmen. Für den Grundstückskauf musste die Kommune einen Kredit aufnehmen und sich die Zustimmung der Rechtsaufsicht am Landratsamt holen.

Als die 50 Hektar zum Verkauf standen, gab es wohl Landwirte, die sich für einzelne Flächen interessierten. Doch die Eigentümergemeinschaft wollte den Grund und die dazugehörigen Gebäude offensichtlich nur im Gesamtpaket verkaufen. Knapp 3,5 Millionen Euro kann ein Bauer in der Regel aber nicht auf den Tisch legen.

Über die Zukunft der Hofstelle in Zell gibt es noch keine Entscheidung. Zur Zeit steht das Bauernhaus leer. Denkbar ist nach Sporers Angaben, auf dem Gelände Bauplätze zu schaffen.

Roland Lory

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