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Hat viel Herzblut investiert: Stern-Pächter Bruno Wallmeier will Ende des Jahres aufhören.

Seehauser Gastronomie vor Zäsur 

Neuer Stern-Wirt: Messlatte liegt hoch

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Es geht um viel mehr als um eine Dorfwirtschaft: Der Gasthof Zum Stern stellt eine tragende Säule des gesellschaftlichen Lebens in Seehausen dar. Diesem steht eine Zäsur bevor: Der langjährige Pächter Bruno Wallmeier will sich Ende 2018, nach dann 21 Jahren, zurückziehen. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Seehausen– Bruno Wallmeier hat es sich nicht leicht gemacht. „Es ist eine schwierige Entscheidung gewesen“, sagt der 64-Jährige. „Aber irgendwann muss man abdanken.“

Der Pächter des Seehauser Hotel-Restaurants Zum Stern plant seinen Abschied für Ende 2018, wenn der aktuelle Fünf-Jahres-Vertrag mit der Gemeinde ausläuft. Eigentlich. Denn vielleicht wird es zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz ohne Wallmeier gehen, eventuell wird die Gemeinde Seehausen den verdienten Gastronomen zumindest für eine Übergangsphase im zukünftigen Betreiber-Konstrukt noch brauchen, der seit 20 Jahren die Verantwortung für den Stern trägt. Die Kommune sondiert, sucht einen Nachfolger, in der vergangenen Woche wurde das gemeindeeigene Objekt öffentlich ausgeschrieben. Die Personalie: extrem wichtig und „relativ schwierig“, weiß Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) mit Blick auf die Größe des Betriebs und den Anspruch, den man mit dem mit vier Sternen klassifizierten Gasthof verfolgt. Seehausen sucht nicht einen x-beliebigen Wirt, der nebenbei ein paar Fremdenzimmer managt. Der Stern mit seinen insgesamt rund 400 Innen-Sitzplätzen ist viel mehr: zentraler Veranstaltungssaal im Dorfleben, Vereinsheim, Hotel mit neun Gästezimmern plus Ferienwohnung, Restaurant mit Biergarten. „Nicht jeder wird den Stern betreiben können“, sagt Hörmann. Der Nachfolger müsse Aufwand und Verantwortung – sowohl finanziell und betriebswirtschaftlich als auch personell – schultern können.

Wallmeier geht ins Detail, verweist auf hohe Investitionen, die er getätigt habe – und für die eine Ablöse anfällt, deren Höhe er nicht beziffert. Er führt einen mittelständischen Betrieb: Vergangenes Jahr hat der gelernte Restaurantfachmann in der Hauptsaison inklusive Aushilfen und Teilzeit-Jobber 48 Mitarbeiter beschäftigt – in einer Branche, in der vor allem Fachkräfte nur schwer aufzutreiben sind. „Es gehört viel Idealismus dazu“, sagt Wallmeier, der jede Menge Herzblut investiert hat. Aber der Abschied falle leichter, „wenn man weiß, dass alles wieder in gute Hände kommt“. Also begleitet er die Suche, hörte sich im Kollegenkreis und speziell bei den Staffelseewirten um, lotet Interesse aus. Er weiß: „Einen Nachfolger zu finden, ist in der Gastronomie ein generelles Problem.“ Deshalb hat er der Gemeinde auch für eine Übergangsphase verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt – er wird das Schiff nicht einfach führerlos zurücklassen und bei Bedarf auch etwas länger an Bord bleiben, bis der geeignete Kapitän in Sicht ist. Er habe mit der Gemeinde „immer super zusammengearbeitet“, betont Wallmeier.

Die Kommune, die in einem geeigneten Zeitfenster Heizung sowie Lüftung erneuern und den Brandschutz im Stern anpassen will, hat den einen oder anderen Nachfolge-Kandidaten auf einer Liste, die immer wieder aktualisiert wird. Wer in Frage kommt, wird zu Vorgesprächen geladen. Möglichst noch im März soll der Gemeinderat dann eine Entscheidung über den neuen Betreiber fällen. Die Zeit drängt: „Es gibt schon Anfragen ohne Ende für 2019“, stellt Wallmeier klar.

Sein Nachfolger soll die bewährte Ausrichtung im Kern beibehalten, kann aber Nuancen verändern. „Wir wollen jemanden, der motiviert Neues einbringt, ohne das Grundkonzept einer bayerischen Traditionswirtschaft zu verlassen“, sagt Hörmann, der auf das große Ansehen des Hauses in der Umgebung verweist: „Wir brauchen einen gestandenen Wirt, der das hohe Niveau hält.“

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