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Führungswechsel bei Kern Microtechnik: Ekkehard Alschweig (r.) zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück. Die Verantwortung übernimmt künftig das Geschäftsführer- und Gesellschafter-Duo Simon Eickholt (M.) und Sebastian Guggenmos. 

Musterbetrieb auf Wachstumskurs

Generationenwechsel bei Kern Microtechnik

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Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen sei kein Industrie-Standort, heißt es immer wieder. Doch der international erfolgreiche Präzisionsmaschinenbauer Kern Microtechnik beweist genau das Gegenteil. An der Spitze des Unternehmens mit den Hauptsitzen in Murnau und Eschenlohe vollzieht sich nun ein Generationenwechsel.

Murnau/Eschenlohe – Als „Hidden Champions“ (heimliche Gewinner) bezeichnet man in der Wirtschaftswelt gerne mittelständische Unternehmen, die zwar wenig bekannt sind, aber in ihrem Bereich ganz vorne mitmischen. Kern Microtechnik ist solch ein Kandidat. Die GmbH hat sich vor allem auf die Entwicklung und Herstellung von hochpräzisen Fräsmaschinen spezialisiert, die sogar in der Lage sind, im Mikro- und Nanobereich zu arbeiten. Das ist zum Beispiel dann gefragt, wenn kleinste Bauteile hergestellt werden sollen oder Mini-Bohrungen nötig sind. Hightech aus dem Blauen Land – und offenbar ein hochprofitables Geschäft. Denn seit Jahren befindet sich der Maschinenbauer, der nach eigenen Angaben fast 200 Mitarbeiter beschäftigt und rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz macht, auf Wachstumskurs. Die Perfektion „made in Germany“ ist gefragt: Die Auftragsbücher sind voll, geliefert wird in die ganze Welt. Die Kunden kommen etwa aus der Medizintechnik, Forschung und Uhrenbranche, darunter befinden sich Top-Adressen wie Bosch, IWC oder Rolex.

Maßgeblich verantwortlich für diese Erfolgsgeschichte ist Ekkehard Alschweig. Der 68-jährige Maschinenbau-Ingenieur kaufte 2000 von Günter Kern die 1962 gegründete Feinwerktechnik-Firma aus Murnau-Westried und baute sie konsequent zum Technologie-Primus um. 2007 kam ein entscheidender Expansionsschub: Alschweig erwarb die ehemaligen Marker-Hallen in Eschenlohe. Dort entstehen jetzt die besagten Fräsmaschinen, in Murnau-Westried blieb die Teilefertigung. Hinzu kommen drei Vertriebs- und Service-Standorte in Zürich (Schweiz), Shanghai (China) und Chicago (USA).

Für Inhaber Alschweig steht jetzt die wohl schwierigste Aufgabe an: der Generationenwechsel, den er mit einem entscheidenden Schritt einleitete. Er verkaufte die Mehrheitsanteile an den oberen Führungskreis des Unternehmens – und zieht sich gleichzeitig aus der operativen Geschäftsführung zurück. Diese Aufgabe werden sich künftig der Betriebswirt Simon Eickholt (39) und der bisherige Werkleiter und Ingenieur für Microtechnik, Sebastian Guggenmos (38), teilen. Die Verträge sind bereits unterschrieben, wirksam wird der Deal im Januar 2019. „Ich lege die Entscheidungen in jüngere Hände“, erklärt Alschweig im Tagblatt-Gespräch. Er werde aber sein Büro behalten und weiterhin dem Betrieb zur Verfügung stehen.

Konkrete Summen nennt der Murnauer nicht. Nur soviel: Eickholt und Guggenmos übernehmen 51 Prozent der GmbH-Anteile – und haben damit das Sagen. Zudem erwerben Sebastian Wühr (Werkleiter der Auftragsfertigung) und Matthias Fritz (Entwicklungsleiter) zusammen 15 Prozent. Den Rest, 34 Prozent, behält Alschweig, der auf diese Weise die Zukunft seiner Firma langfristig sichern will. „Alle neuen Gesellschafter und Geschäftsführer sind noch relativ jung, haben aber viel Erfahrung in ihren jeweiligen Aufgabengebieten und gestalten die strategische Ausrichtung unserer Firma seit Jahren maßgeblich mit“, erklärt er dazu.

Und wie geht’s bei Kern Microtechnik mit der neuen Chefetage weiter? „Wir wollen, dass die Firma nachhaltig wächst“, sagt Eickholt. Der Platz dazu ist vorhanden. Ein Trend in der Branche sei zum Beispiel der Kundenwunsch, nicht nur eine Maschine geliefert zu bekommen, sondern gleich ein komplettes Paket inklusive Schulung und Service. Auch ist die Optimierung der Produktionsabläufe ein Thema. Das Unternehmen sei gut aufgestellt. Und die Standorte in Murnau und Eschenlohe seien sicher, denn: „Wir sind hier daheim.“

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