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Kaum noch Umsätze: Murnaus Einkaufsmeile in Zeiten der Corona-Krise.

Corona-Krise in Murnau

Geschlossene Geschäfte: Unternehmer fordern von Gemeinde Soforthilfe

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Die Corona-Krise trifft die Unternehmen mit voller Wucht – auch in Murnau. Vor allem im Einzelhandel sind die Sorgen angesichts drohender Umsatzeinbrüche sehr groß. Der Wirtschaftsförderverein fordert daher von der Marktgemeinde weitreichende Hilfen, unter anderem einen zehn Millionen Euro schweren Sofortfonds.

Murnau – In Murnaus Fußgängerzone ist das Geschäftsleben weitgehend zum Erliegen gekommen. Um das Corona-Virus einzudämmen, bleiben seit Mittwoch die meisten Läden zwangsweise geschlossen. Ausgenommen sind die Betriebe, die zur Grundversorgung notwendig sind, etwa Supermärkte, Tankstellen oder Apotheken. In vielen Schaufenstern in der Einkaufsmeile des Marktes hängen Schilder, die auf Bestell- und Lieferdienste sowie Online-Angebote hinweisen – und die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass der Spuk bald vorbei ist. „Wenn alles wieder ,normal‘ läuft, machen wir Euch wieder glücklich und schön“, teilt etwa eine Mode-Boutique ihren Kunden mit.

Der Wirtschaftsförderverein, der rund 120 Mitglieder zählt, darunter vor allem Einzelhändler, hat indessen auf Krisenmodus umgeschaltet. „Die Einnahmen fallen weg, die Fixkosten aber bleiben“, fasst der Vorsitzende der Interessenvertretung, Ex-Gemeinderat des ÖDP/Bürgerforums und Buchhändler Guntram Gattner, das Dilemma zusammen. In den meisten Fällen müssten weiterhin das Personal, die Mieten, die Nebenkosten, der Wareneingang, laufende Kredite und, und, und bezahlt werden. Er kenne Gaststätten, die pro Monat feste Belastungen in Höhe von 20 000 Euro haben. Oder Modeläden, die jetzt die bereits eingekaufte Saisonware nicht losbekommen. Die Stimmung sei entsprechend angespannt, berichtet Gattner. „Es ist schlimm“, sagt er. Viele hätten Existenzängste. Die Beschäftigten seien mitunter in den Urlaub geschickt worden – oder es werde Kurzarbeit beantragt. Die große Gefahr liegt auf der Hand: Es drohen Pleiten – und Entlassungen.

Für Gattner ist die Sache klar: „Wir brauchen finanzielle Soforthilfe.“ Hier sieht er die Marktgemeinde in der Pflicht – zusätzlich zu den Angeboten, die Freistaat und Bund machen. „Das muss parallel laufen“, findet der Geschäftsmann.

An die Adresse von Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) hat sich daher der Wirtschaftsförderverein mit einem Antrag gewandt, der sich „Alarmplan Corona-Pandemie“ nennt. Gefordert wird eine Reihe an Unterstützungen und Entlastungen. Der dickste Brocken: Die Kommune soll nach den Vorstellungen von Gattner und seinen Mitstreitern einen Sofortfonds in Höhe von zehn Millionen Euro auflegen – „für schnelle und unbürokratische Hilfe für Murnauer Betriebe aller Art, bis staatliche Hilfe greifen kann“, heißt es in dem besagten Schreiben. Gattner schlägt vor, Beträge bis 10 000 Euro als Zuschuss zu gewähren – und größere Summen als zinslose Darlehen. Außerdem ist in dem Antrag unter anderem die Rede von Stundungen von Steuern und Abgaben, von der Einrichtung eines Koordinationsstabs und einer Info-Plattform sowie von einem Appell an die Vermieter, den Geschäftsleuten entgegenzukommen.

Die Ortspolitik steht unter Spannung. Nach Tagblatt-Informationen wurde für gestern Abend eine nichtöffentliche Krisensitzung des Gemeinderats angesetzt. Die Grünen und Mehr Bewegen drängen in unterschiedlichen Eilanträgen darauf, einen Härtefonds einzurichten. Im Vorfeld der Sitzung kündigte Beuting an, „weitere Maßnahmen in Millionenhöhe“ vorzuschlagen, „die in die Richtung der Wünsche des Wirtschaftsfördervereins gehen“. Der Rathauschef weiter: „Hierbei dürfen wir aber die gemeindlichen Pflichtausgaben nicht aus den Augen verlieren. Wir versichern, Unternehmen im Rahmen der gesetzlichen Regelungen zu unterstützen.“

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