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Kühle Optik: Murnaus Sitzungssaal mit den großen, weißen Wänden. 

Gemeinde Murnau startet Ausschreibung

Gesucht: Kunst für kahle Rathaus-Wände

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Der neue Sitzungssaal ist ein Highlight im aufwändig und teuer sanierten Murnauer Rathaus. Das Einzige, was stört, sind die kahlen Wände. Das soll sich ändern. Die Gemeinde sucht nämlich per Auslobung ein künstlerisches Konzept – und setzt dabei auf Zeitgenössisches.

Murnau – Treue Besucher der Murnauer Gemeinderatssitzungen können sich sicherlich noch gut daran erinnern: Der Blickfang des Raums, in dem die Ortspolitiker tagen, war einst ein imposantes Gemälde von Ludwig von Herterich. Doch „Die Tafelrunde“, so der Name des Werks, das den berühmten Architekten Emanuel von Seidl mit seinen großbürgerlichen Freunden zeigt, wurde nach der Renovierung auf Beschluss des Gemeinderats im Treppenaufgang aufgehängt, da es dort laut Verwaltung „von jedem Besucher frei zugänglich besichtigt werden kann und noch besser zur Geltung kommt“.

Die Wände des modern ausgestatteten Sitzungssaals sind hingegen nach wie vor weiß – was die politische Schaltzentrale recht kühl erscheinen lässt. Die Gemeinde will dies ändern und hat daher eine Auslobung zur künstlerischen Gestaltung der besagten Flächen gestartet. Mit Konzepten können sich Kreative, die ihren Wohnsitz in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen oder Weilheim-Schongau haben, bis zum 13. Dezember bewerben. Bemerkenswert: Die Kommune legt sich im Ausschreibungstext kaum fest – und lässt viel Freiraum. Vermutlich wird es auf Bilder hinauslaufen, vorstellbar wären aber auch andere Darstellungsformen wie etwa Installationen. Nur bei den Kosten gibt es ein Limit: Für das Ganze stehen maximal 30 000 Euro zur Verfügung.

„Der Markt Murnau möchte durch die Neugestaltung Künstler aus der Region und die Position der zeitgenössischen Kunst in der Marktgemeinde stärken“, heißt es dazu auf Tagblatt-Nachfrage. Man sei offen für unterschiedlichste Vorschläge. Und weiter: „Gerne können sich auch mehrerer Künstler als Arbeitsgemeinschaft gemeinsam bewerben. Wesentlich ist eine Gesamtgestaltung für den ganzen Raum.“

Eine Jury, der unter anderem Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), Kulturreferentin Dr. Elisabeth Tworek (SPD), Schloßmuseumschefin Dr. Sandra Uhrig, Marktbaumeister Klaus Tworek und weitere Experten angehören, soll eine Vorauswahl treffen – und der Bauausschuss schließlich Anfang 2020 eine endgültige Entscheidung. Innerhalb von sechs Monaten soll dann, so der Zeitplan, das Kunstwerk realisiert werden. Im gesamten Rathaus sieht ein Gestaltungskonzept vor, Altes und Neues zu verbinden.

Der Wettbewerb wird in der örtlichen Kunstszene genau verfolgt. „Das Interesse ist schon da“, berichtet Heribert Riesenhuber, Vorsitzender des Kulturbeirats. „Ich glaube, dass viele großformatige Bilder vorgeschlagen werden.“ Seiner Ansicht nach ist es richtig, dass im Sitzungssaal zeitgenössische Kunst zum Zuge kommt. „Das ist eine tolle Chance.“

Doch es gibt auch kritische Stimmen. „Mich macht das nicht glücklich“, sagt Freie-Wähler-Chef Welf Probst. Ihm wäre es lieber gewesen, dort wieder von Herterichs „Tafelrunde“ zu sehen. Diese stehe für die Ortsgeschichte und passe perfekt in den Versammlungsraum, in dem die Geschicke des Marktes gelenkt werden. Modernes ist in seinen Augen besser im Foyer im Erdgeschoss des Rathauses aufgehoben.

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