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Noch Platz für Erweiterungen: das Gewerbegebiet Straßäcker in Murnaus Norden. Dahinter die Werdenfelser Kaserne. 

Ein landkreisweites Problem

Gewerbegrund wird in Murnau zur Mangelware

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Murnaus Kemmelpark galt lange Zeit in Sachen Gewerbegrund als eine Art stille Reserve. Doch jetzt ist alles vergeben. Die Folge: Der Ort könnte momentan für größere Firmenansiedlungen keine Flächen anbieten. 

Murnau – Die Freude unter Murnaus Volksvertretern ist groß: Das einstige Kasernenareal Kemmelpark ist nach etwa zehn Jahren der Vermarktung endlich ausverkauft, die Konversion steuert auf einen erfolgreichen Abschluss zu. Wie berichtet, sollen auf den letzten beiden Großflächen ein medizinisches Forschungszentrum sowie ein Bürokomplex entstehen.

Doch damit ergibt sich eine wirtschaftspolitisch heikle Frage: Wo sollen künftig Betriebe mit einem erhöhten Platzbedarf untergebracht werden? Die Marktgemeinde hat kein Gewerbeareal in der Größenordnung von mehreren tausend Quadratmetern in petto – nicht gerade ideal für den zweitgrößten Landkreis-Ort. Es gibt zwar Pläne für ein neues Gebiet an der Poschinger Allee. Doch das Projekt, das auch auf der Prioritätenliste der Kommune steht, kommt bekanntlich nicht richtig voran. Hintergrund ist ein Streit mit dem Nachbarn Seehausen über ein neues Wasserschutzgebiet. Wie schnell fehlender Gewerbegrund zum Problem werden kann, erlebte Murnau vor einigen Jahren: Bei einem der größten Arbeitgeber, dem Autozulieferer Geiger Automotive, dachte man über einen Neubau auf der grünen Wiese nach – ließ aber dieses Vorhaben wieder fallen.

Der Ortspolitik ist das knappe Flächenangebot für Unternehmen bewusst: Freie-Wähler-Chef Welf Probst – der Handwerksmeister hat selbst einen Betrieb – spricht von einem „Engpass“. „Die Reserven sind sehr begrenzt. Das ist traurig, aber wahr.“ Nur habe er keine Patentlösung parat. Murnaus Entwicklungsmöglichkeiten seien stark eingeschränkt. Eventuell ergebe sich mit Blick auf den Bau der Westtangente eine Option – im Grenzgebiet Murnau/Seehausen. Überhaupt, so Probst, sollte man das Thema Gewerbe-Ansiedlungen landkreisweit sehen und anpacken.

„Wir bräuchten mittelfristig wieder einen Vorrat an Gewerbeflächen“, meint Herbert Bogner, Vorsitzender des Murnauer Wirtschaftsfördervereins. „Es wäre wünschenswert, dass sich hier etwas tut.“ Ihm sei aber derzeit kein Fall bekannt, bei dem akuter Handlungsbedarf besteht. Bogner macht keinen Hehl daraus, dass er eine Kombi-Lösung aus Wohnen und Arbeiten im Kemmelpark-Zentrum bevorzugt hätte. Diese Variante war auch im Gespräch, wurde aber zugunsten des besagten Forschungszentrums verworfen. Damit hätte man, so Bogner, beispielsweise kleinen Handwerksbetrieben gut helfen können.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) sieht indessen das Ganze gelassen. In der Regel gehe es nicht um umfangreiche Industrie-Areale, Geiger sei da eine Ausnahme gewesen, erklärt er. Entscheidend sei es, Expansions- oder Veränderungswünsche früh zu erkennen. „Wir finden dann schon einen Platz.“ Der Abschluss der Kemmelpark-Vermarktung bedeute nicht, so der Rathaus-Chef weiter, dass die gewerbliche Entfaltung Murnaus beendet sei. Es gebe eine Vielzahl an Möglichkeiten.

„Wir müssen intelligent mit der Gewerbeflächen-Entwicklung umgehen“, meint der Rathaus-Chef. Vorstellbar sind seiner Ansicht nach zum Beispiel eine Vergrößerung des Gewerbegebiets Straßäcker, eine Nutzung des Postareals oder – wenn dies machbar ist – eine Erweiterung des Handwerker- und Gewerbehofs. Auch würden immer wieder Immobilien frei – etwa wenn die Verwaltung nach der Rathaus-Sanierung aus dem hinteren Trakt des alten Gemeinde-Krankenhauses wieder auszieht. Beuting ist aber kein Fan von einer Ausdehnung ins Umland. „Der Markt hat eine schöne Struktur. Wir wollen nicht übermäßig wachsen.“

Dass es vor allem Produktionsfirmen nicht leicht haben, ein Fleckchen zu ergattern, ist im gesamten Landkreis zu beobachten. „Wir haben eher zu wenig Gewerbeflächen – erheblich zu wenig“, beklagt Günter Hopfensperger, Geschäftsführer der Zugspitz Region GmbH, die den Landkreis wirtschaftlich voranbringen will. Werde ein Gebiet neu ausgewiesen, fülle es sich in der Regel recht schnell. Es sei hierzulande schwierig, geeignete Flächen zu bekommen, erklärt der Manager – und verweist auf die vielen Schutzzonen.

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