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Endloser Sommer: Impressionen aus dem Murnauer Freibad Lido.

Freibad Lido in Murnau

Gibt es Defizite bei der Badeaufsicht?

Ein tragischer Badeunfall mit Todesfolge in seiner Heimatgemeinde Oberammergau und die rechtlichen Folgen für die Bademeister haben Christian Schumacher sensibilisiert. Er beklagt, dass die Badeaufsicht im Murnauer Lido ungenügend sei.

Murnau – Über Wochen brannte heuer die Sonne vom Himmel. Daher war auch bei Kurt Höller, Pächter des Murnauer Freibads Lido, in letzter Zeit gut was los. Alles eitel Sonnenschein also? Nicht ganz. Denn jetzt meldet sich der Oberammergauer Christian Schumacher zu Wort. Er beklagt Defizite bei der Badeaufsicht.

Schumacher selbst verrichtete den Job im Freibad drei Sommer lang. Der 54-Jährige ist der Meinung, dass bei Hochbetrieb zwei Badeaufsichten vor Ort sein müssten: eine, die den See im Blick hat und eine, die auf das Gelände schaut. Doch er war nach eigener Aussage meist allein auf dem Areal zugange, nur sonntags habe er ab und zu Unterstützung erhalten. Im Mai schickte er der Marktgemeinde Murnau, die das Freibad verpachtet, einen Brief mit seinen Bedenken. „Als alleinige Badeaufsicht ist man bei Hochbetrieb überfordert“, sagt der Oberammergauer. Es gehe ihm um die Sicherheit. „Eine Gemeinde hat hier eine Verantwortung.“ Schumacher findet, dass die Kommune Murnau das Thema selbst in die Hände nehmen und es nicht dem Pächter überlassen sollte.

Vor allem wochentags mangle es im Lido an fachlich ausgebildetem Badeaufsichtspersonal, sagt der Oberammergauer. Höller, der die Wasseraufsicht zu organisieren hat, kann die Aufregung nicht verstehen. Wenn geöffnet ist, sei in jedem Fall eine ausgebildete Aufsicht vor Ort. An starken Tagen seien in der Regel zwei Kräfte auf dem Gelände. „Wenn wenig los ist, reicht locker eine Person.“ Der Gastronom verfügt über eine hauptamtliche Badeaufsicht und über ein paar Leute, die auf Abruf tätig werden. „Allerdings sind wir mit der Gemeinde am Schauen, wo man etwas optimieren kann.“ Dies bestätigt Nina Herweck-Bockhorni, Pressesprecherin des Marktes Murnau. Sie verweist zudem auf eine Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Diese sei „Bestandteil des seit vielen Jahren bestehenden Pachtvertrages mit Herrn Höller. Darin wird geregelt, wie die Wasseraufsicht zu organisieren ist und welche Personen hierzu befähigt sind“. Das Ganze habe durch rettungsfähige Personen zu erfolgen. Das sind zum Beispiel Menschen, die das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber haben. „Herr Höller ist verpflichtet, dem Markt Murnau diesbezüglich Nachweise vorzulegen“, und dem sei er nachgekommen. Solche hat der Markt Murnau laut Herweck-Bockhorni nach einem Gespräch mit Schumacher vor Kurzem erneut angefordert. „Herr Höller hat sie dann ebenfalls vorgelegt.“

Für die Anzahl der Aufsichtspersonen gibt es nach Angaben der Sprecherin keine starre Regelung. „Kriterien sind unter anderem die Art und Größe des Naturbades, die Überschaubarkeit der Wasserfläche und die zu erwartende Nutzungsfrequenz.“ Bisher hätten Besuchern des Strandbades keine Beschwerden bezüglich der Wasseraufsicht an den Markt Murnau herangetragen.

Doch es gibt weitere Punkte, die Schumacher missfallen. Er beklagt, dass es in der Murnauer Bucht keine Wasserwachtstation gibt. Eine solche „mit entsprechender Jugendarbeit würde manche in der heutigen Zeit vor Verwahrlosung schützen“. Schwimmausbildung und -training sowie Wasserrettung seien wichtig. Von den Stationen Uffing oder Seehausen hinüber nach Murnau „ist es weit. Der UKM-Notarzt ist eher da, aber bei schlimmeren Badeunfällen sicher zu spät“. Zudem lässt nach Schumachers Meinung die Aufsichtspflicht der Eltern zu wünschen übrig.

Roland Lory

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