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Hoch die Krüge: So ausgelassen wie im vergangenen Jahr wird es heuer auf der Murnauer Wiesn – wenn sie überhaupt stattfindet – wohl nicht zugehen.

Festwirt Christian Fahrenschon ist verhalten optimistisch

Gibt es Murnaus Wiesn heuer im Sommer nur als Lightversion?

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Das Münchner Oktoberfest und andere Großveranstaltungen wurden zwar abgesagt. Aber noch ist offen, ob und - wenn ja - in welchem Umfang die Murnauer Wiesn heuer im Sommer stattfinden kann. Festwirt Christian Fahrenschon ist verhalten optimistisch - und bringt eine abgespeckte Version ins Spiel. 

Murnau – Ob das Volksfest in Murnau ein Erfolg wird, bestimmte bislang das Wetter. Starkregen, Tropenhitze – das waren die größten, wenn auch seltensten Übel für Festwirt Christian Fahrenschon und seine Familie. Schlechte Tage vermasselten die Bilanz, auch wenn es diese in den vergangenen Jahren wirklich selten gab. Der Juli garantierte zuletzt Sommer, Sonne – und viele verkaufte Mass Bier. Doch in diesem Jahr geht es nicht in erster Linie um den Gerstensaft und Hendl, nicht um Party und Rekorde, es geht um die Wirtsfamilie aus Rosenheim und die Coronakrise.

An den Entwicklungen hängt die Zukunft der Wirtsleute. Christian Fahrenschon, der Chef, hat bereits mit seinem Steuerberater und seiner Finanzberater einige Szenarien kalkuliert. Sein Ergebnis: „Einen kompletten Ausfall der Saison würden wir nicht überleben. Im Juni und Juli liegt die Schmerzgrenze.“ Verbietet die Regierung danach auch noch Veranstaltungen dieser Größenordnung, „müssten wir in Insolvenz gehen“. Überspitzt formuliert heißt das: Schafft es die Wirtsfamilie mit ihrem Tross am 10. Juli zum 42. Mal nach Murnau, steigen ihre Chancen, das Jahr 2020 zu überstehen.

Noch ist keine Dramatik angebracht. Der Festwirt äußert sich weiterhin verhalten optimistisch. „Ich denke, dass es eine Art von Volksfest in Murnau geben wird. Bis Murnau ist noch lange.“ Mit der Marktgemeinde hat Fahrenschon vereinbart, bis Ende Juni abzuwarten. 14 Tage vor dem Start entscheiden die Beteiligten endgültig. Aufbau und Organisation „gehen kurzfristig“, betont der Gastronom. „Wir befinden uns in einer glücklichen Lage.“ Kosten entstehen erst mit der Fahrt an den Staffelsee. Fahrenschon hofft auf gelockerte Ausgangbeschränkungen in den nächsten Wochen. „Du kannst die Leute nicht ewig einsperren“, betont er. Die Wirtschaft, speziell die Gastronomie, brauche einen Anstoß. Gerade für kleine, regionale Betriebe, zu denen er auch seinen Festbetrieb zählt.

Die Fahrenschons und ihr Fuhrpark von 64 Fahrzeugen touren den Sommer über durch Oberbayern (Bad Aibling, Geretsried, Penzberg). Ihre Volksfeste ziehen keine überregionale oder weltweite Kundschaft an, sagt der Chef. Großveranstaltungen und auch das Münchner Oktoberfest sind mittlerweile für diesen Sommer abgesagt. Ein Volksfest wie das Murnauer, mit durchschnittlich 500 bis 800 Besuchern pro Tag, sieht Fahrenschon weniger betroffen. „Das ist ein minimaler Biergarten.“ Außerdem zählt die Murnauer Wiesn gemäß Ordnungsrecht nicht zu den Großveranstaltungen, hat Fahrenschon erfahren. Dafür bräuchte es täglich 5000 Besucher.

Dafür dürfte die Murnauer-Wiesn 2020 anders aussehen. „Wir haben ganz viele Konzepte“, betont der Veranstalter. Ein überfülltes Zelt und Partyabende streicht er. Auch wenn bislang nichts verboten ist, deutet Fahrenschon Änderungen an: „Es wird bestimmt kein Bierzelt mit Mordstrara geben. Es wird eine gedämpfte Stimmung sein.“ Außerdem brauche sich niemand „auf den Schoß des Nachbarn“ zu hocken. Der Wirt rechnet mit deutlich weniger Besuchern.

Doch ein Volksfest in Sparversion ist besser als kein Volksfest. Viele Existenzen hängen an den Bierzelt-Touren. Am schlimmsten trifft die Pandemie die Schausteller-Branche. Für sie bricht die einzige Einnahme weg. Fahrenschon hat ein Gespräch mit einem befreundeten Betreiber aus Baden-Württemberg gesehen. Im Winter hatte sich der Mann ein neues Fahrgeschäft zugelegt. „Der hat geweint im Interview, der hat Existenzangst.“

Auch um ihr Personal, die vielen Saisonkräfte sorgen sich die Wirtsleute. Wer bislang angestellt ist, läuft auf Kurzarbeit. Für die saisonalen Mitarbeiter aus dem Ausland, manche seit 20 Jahren im Betrieb, haben sie vom Hotel- und Gaststättenverband Ausgangsgenehmigungen erhalten. Alle übergaben Fahrenschon zudem eine freiwillige Selbstauskunft über den Gesundheitszustand. Mit Lieferanten wie Musikern steht der Wirt dauernd in Kontakt. Alles wartet. Alles hofft. Fahrenschon blickt gar schon auf nächstes Jahr. „2020 wird auch rumgehen.“ Er muss es bloß irgendwie überleben.

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