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Besuch in den USA: Glaskünstlerin Tanja Nicklaus mit Erzbischof William Edward Lori (l.) und Father Michael White bei der Kircheneinweihung.

Tanja Nicklaus aus Murnau bestückt Kirchen im In- und Ausland

Glaskünstlerin lässt zwei Leidenschaften verschmelzen

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Sie vereint ihre Liebe mit ihrer Leidenschaft: Bei Tanja Nicklaus’ „Herzenswerken“ verschmelzen die Faszination für Glas und die Passion für die Bibel sowie für christliche Mystik. Die Glaskünstlerin aus Murnau bestückte Kirchen im In- und Ausland. In den USA steht seit kurzem eine ihrer aufwändigsten Arbeiten.

Murnau– Geht es um Glas, ist Tanja Nicklaus in ihrem Element. Das musste fast zwangsläufig so kommen.

Das Elternhaus hat sie geprägt. Als Kind durfte Nicklaus zu feierlichen Anlässen aus pokalähnlichen, besonders gravierten Gefäßen trinken, sie wurde in Kirchen und in Ausstellungen mitgeschleppt, und der Vater sammelte Glaskunst. Er war als Zahnarzt ausgewiesener Feinmotoriker, die Mutter arbeitete früh als Directrice in der Schweiz. Tochter Tanja erbte von ihm das begabte Händchen, von ihr das unglaublich gute Gestaltungsgefühl – und verband beides mit dem, was sie in Kindheitstagen verzaubert und nie mehr losgelassen hat. „Glas“, sagt Nicklaus, „ist für mich durch seine Transparenz und seine Lichtdurchlässigkeit immer schon ein faszinierendes Material gewesen.“

Murnauer Beitrag: die Tür des Tabernakels (Mitte) in der „Church of Nativity“ in Lutherville-Timonium (USA) mit den Nachbildungen von zwölf verschiedenfarbigen Steinen aus Glas.

Die Wahl-Murnauerin, 1964 in München geboren, wurde Glaskünstlerin mit ausgewiesener Liebe für sakrale Arbeiten. In diesem Metier zählt sie zu den Fachfrauen im Land, speziell im Bereich Christuskörper und Glaskreuze. Ihre Werke finden sich in Kirchen im In- und Ausland. Herausragendes aktuelles Beispiel ist ihre Arbeit für das Tabernakel in der im September eingeweihten katholischen „Church of the Nativity“ in Lutherville-Timonium (Maryland/USA), die sie schlicht als beglückend empfand. Ein Oberammergauer Bildhauerbetrieb hatte bei der Ausschreibung den Zuschlag für das gesamte sakrale Interieur erhalten, das hiesige Handwerker herstellten. Man fragte bei Nicklaus an, ob sie in der Lage sei, die Schmucksteine vom Brustschild des Hohepriesters aus dem Tempel in Jerusalem für die Tabernakeltür in Glas umzusetzen: farbige Nachbildungen von zwölf verschiedenen Steinen, die für die zwölf Stämme Israels stehen.

Nicklaus, die nach Stationen in Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau ihre Werkstatt mit Laden im lilafarbenen Haus betreibt, das an der Murnauer Sollerstraße zu sehen ist, und die auch weltliche Motive wie Schmuck fertigt, wollte, gar keine Frage. In 32 Arbeitsschritten setzte sie das Projekt um und erlebte im September die Eröffnung des Gotteshauses vor Ort mit. Sie erzählt begeistert von der „offenen Familienkirche“ mit 1000 Sitzplätzen, in der Eltern mit Kindern auch in einer Art Café die Messe miterleben können. Aufträge wie diese sind der Schreinerin und Meisterin für Glasveredelung ein inneres Anliegen. Da geht sie schon mal eine wirtschaftlich-emotionale Mischkalkulation ein, es zählen dann „Freude und Ehre“, nicht in erster Linie der Geldbeutel. „Ich bin ein leidenschaftlich frommer Mensch“, sagt Nicklaus. „Es ist für mich Herzensthema, im sakralen Bereich zu arbeiten.“

Himmlisch: das Kreuz auf dem Wank, das Tanja Nicklaus mit einem Glaskranz gestaltet hat.

Im Jahr 2000 kam in dieser Hinsicht vieles ins Rollen. Damals betrieb sie wie 2010 zur Passion einen Laden mit ihrer Kunst in Oberammergau. „Da haben Menschen meine Arbeiten entdeckt und zu schätzen gewusst“, sagt Nicklaus, die sich wegen ihres Hangs zum Experimentieren auch „Materialchemistin“ nennt. Seit 2000, sagt sie, arbeite sie für die evangelische Landeskirche in Bayern. Insgesamt sieben kirchliche Ankäufe stehen mittlerweile zu Buche. Damals ging ihr erstes Altarkreuz an ein Gotteshaus in Flandern und das Skulpturenpaar „Elisabeth und Maria“ nach Chicago. In Garmisch-Partenkirchen bestückte die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern 2004 die Christuskirche mit Altarkreuz und beiden Leuchtern, 2007 gestaltete sie das Emmaus-Kreuz am Wank, an dem Berggottesdienste gefeiert werden, mit einem Glaskranz um die Mitte der Balken.

Sakrale Auftragsarbeiten, sagt Nicklaus, die seit 28 Jahren als freischaffende Künstlerin tätig ist, „sind für mich einfach die Highlights“. Die Nachfrage nehme auch im privaten Bereich zu, wenn es etwa darum geht, Hausaltäre individuell zu gestalten. Nicklaus brennt für die Bibel und für christliche Mystik, die in ihre Arbeit einfließen. Und die mit ihrer Faszination für Glas zu einem wunderbaren Ganzen verschmelzen.

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