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Lieblingsplatz war für Emanuel von Seidl sein Badehaus, das Gloriettl, das in seinem Park direkt an einem der Weiher lag.

Gartenhaus soll vorübergehend wieder im Seidlpark stehen 

Gloriettl-Aufbau: Die Zeit drängt

Im Murnauer Seidlpark soll heuer das Gartenhaus Gloriettl wieder aufgebaut werden – temporär. Der Bauausschuss stimmt dem Vorhaben zu. Das Projekt eilt, denn zum Kulturknall-Festival im Juli soll die Holzkonstruktion stehen.

Murnau Er hat Murnau seinen Stempel aufgedrückt. Der Architekt Emanuel von Seidl baute sich vor mehr als 100 Jahren in der Marktgemeinde eine Villa und gestaltete die Häuser des Ober- und Untermarkts in ihrer Farbigkeit und Detailvielfalt.

Heuer jährt sich sein Todestag zum 100. Mal. Daher findet der diesjährige Kulturknall, den der Verein Menschen helfen organisiert, im Seidlpark statt. Beim Förderkreis Murnauer Parklandschaft gab es schon länger den Gedanken, das Gloriettl wieder aufzubauen. Doch zunächst kümmerten sich die Ehrenamtlichen um die Sanierung des Eiskellers. Mit der Wiedererrichtung des Gloriettl, Seidls Badehaus, will man die enge funktionale und städtebauliche Beziehung zwischen diesem, den zwei Weihern und dem Eiskeller erlebbar machen.

Vorgesehen ist eine temporäre Aktion. Es soll eine einfache Holzkonstruktion mit Holzverschalung errichtet werden. „Damit würde die historische Substanz geschützt“, sagt Dieter Wieland, Ehrenvorsitzender des Förderkreises. Vorhanden sind nur noch die Bodenplatte und der Sockel des offenen Kamins. Wieland betrachtet den Wiederaufbau als „Chance, das Niveau des alten Parks zu zeigen. Es soll ja was passieren zum 100. Todestag“. Eine detailgetreue Rekonstruktion des Hauses, in dem einst holländische Möbel standen, ist jedenfalls nicht geplant. Doch selbst bei einer zeitlich beschränkten Lösung ist eine denkmalpflegerische Erlaubnis nötig. Denn der Seidlpark ist denkmalgeschützt, das Areal wird als „Landschaftspark, englischer Landschaftsgarten“ geführt.

Im Landratsamt geht man nach Angaben der Murnauer Bauverwaltung davon aus, dass das Gebäude, das wegen seiner Größe eigentlich nicht verfahrensfrei errichtet werden darf, wegen des temporären Charakters ohne förmliches Genehmigungsverfahren aufgebaut werden kann. Das Thema wurde jetzt im Bauausschuss behandelt. Johann Scherrer (CSU) hatte Zweifel, dass der Bau nur vorübergehend stehen wird. Wenn eine Dauerlösung geplant sein sollte, hätte das „eine andere Dimension“ und müsste seiner Meinung nach im Marktgemeinderat behandelt werden. Der Bauausschuss wäre in diesem Fall „das verkehrte Gremium“.

Allgemein stieß das Vorhaben bei den Räten auf Wohlwollen. „Die Idee ist sehr reizend“, meinte etwa Sabine Pecher (ÖDP/Bürgerforum). Auch Vize-Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler) zeigte sich sehr angetan: „Wunderbar, eine feine Sache.“ Wobei sie es „fast schade“ fände, wenn die Konstruktion nur vorübergehend stünde. Marktbaumeister Klaus Tworek machte deutlich, dass bei einer Dauerlösung eine Baugenehmigung nötig wäre. Am Ende stimmte der Ausschuss dem denkmalpflegerischen Erlaubnisantrag zu. Dieser geht jetzt ans Landratsamt zur weiteren Behandlung.

Einen Haken hat die Sache: Es pressiert. Der Kulturknall findet bereits im Juli statt. Ein halbes Jahr ist schnell vorüber. Wieland hofft, „dass die Behörden uns helfen“. Für die Vorplanung hatte der Förderkreis Ende 2018 einen Zuschuss von 1000 Euro aus dem EU-Förderprogramm Leader bekommen. Das Gloriettl soll bei Aufführungen und Konzerten als Mittelpunkt dienen und auch für kleine Ausstellungen genutzt werden.

Roland Lory

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