Das Kettenkarussell leuchtet: Eindrücke vom Murnauer Volksfest 2019. 
+
Das Kettenkarussell leuchtet: Eindrücke vom Murnauer Volksfest 2019. 

Wirt Christian Fahrenschon plant abgespeckte Version

Großes Fragezeichen hinter Murnauer Volksfest

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
    schließen

Ob das Murnauer Volksfest heuer stattfindet? Angesichts der Corona-Situation ist Skepsis angebracht. Festwirt Christian Fahrenschon plant eine abgespeckte Variante.

  • Festwirt Christian Fahrenschon plant das Murnauer Volksfest für 9. bis 18. Juli.
  • Anvisiert hat der Gastronom eine reduzierte Form.
  • Ob das Fest angesichts der Pandemie stattfinden kann, wird sich zeigen.

Murnau – Und wieder tickt die Uhr. Auch im Frühjahr 2021. Sie tickt ein weiteres Mal gegen Christian Fahrenschon, seine Wirtsfamilie, seinen Betrieb, seine Volksfeste, die ihn im ganzen Oberland bekannt gemacht haben. Voriges Jahr, nach dem Virus-Ausbruch, hat er nur fünf Feste ausrichten dürfen. In einem ganzen Sommer. Wobei das keine Feiern im Prä-Corona-Sinn waren mit Tanzen, Schunkeln, Party, sondern mobile Biergärten mit ein paar hundert Plätzen auf ein paar tausend Quadratmetern. 50 000 Gäste zählte der Wirt an fünf Orten. „Ohne eine Infektion“, betont der Rosenheimer. Mit diesem Etikett – gelobt auch vom bayerischen Gesundheitsministerium, wie Fahrenschon sagt – wirbt er für ein infektionsfreies Volksfest. Auch in Murnau, 9. bis 18. Juli, so steht es auf der Internetseite. Aber er weiß schon, dass es schwierig wird. 2020 fiel das Murnauer Volksfest aus. Das Risiko erschien den Mandatsträgern dann doch zu groß.

Manche Kollegen hören auf

Fahrenschon erreicht man am Telefon. Er wartet gerade vor einem Baumarkt. „Da kann ich normal rein, aber ich kann nur den Kopf schütteln.“ Es ist der Tag danach, als bekannt wird, dass zu Ostern wieder einigermaßen viel zugesperrt wird. „Ist das ein Spaß, dass Sie genau jetzt anrufen?“, fragt der Wirt. Selbst ihm, dem Dauer-Optimisten, vergeht die Gaudi. Er hat Kollegen erlebt, die nicht mehr weitermachen, Festwirte aus der Region südlich von München. Sie ziehen die Rente ein paar Jahre vor. Er selbst hat ein „dickes Minus“ verbucht im Corona-Jahr. „Wenn wir von Pfingsten bis Herbst die Feste durchziehen hätten können, hätten wir mit einem kleinen Plus abgeschlossen.“ Aber ein Ort nach dem anderen hat ihm gesagt: Bei uns nicht, zu heikel. In Vaterstetten und Bad Aibling durfte er, in Geretsried und Penzberg nicht. „Ich war verwundert, dass jeder Landkreis macht, was er will.“

„Ominöses Papier“

In Murnau war die Lage besonders unübersichtlich. Öffentlich stellten sich die Wirte vor Ort erst hinter Fahrenschon. Bei der Abstimmung im Hauptausschuss lag dann plötzlich eine Stellungnahme der Staffelseewirte vor, die sich gegen einen Biergarten auf dem Volksfestplatz aussprachen. Ein „ominöses Papier“ nennt es Fahrenschon. „Ich war da schon ein bissl enttäuscht.“

Gemeinde: Gesundheit geht vor

Anders als in Penzberg, als beide Seiten den kleinen Zwist kürzlich bei einem Tête-à-Tête wegwischten, habe es bislang noch keinen Kontakt zum Rathaus gegeben. Voriges Jahr schrieb der Rosenheimer einen Brief an Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Er hat keine Antwort erhalten. Immerhin: Fahrenschons Vertrag verlängert sich automatisch, so lange ihn der Markt nicht kündigt. Ist nicht passiert, bestätigt auch Pressesprecherin Annika Röttinger. Sie sagt, dass sie überhaupt nichts sagen kann zum Volksfest 2021. „So oder so müssen wir flexibel sein. Ganz klar gilt: Die Gesundheit und Sicherheit der Bürger steht an erster Stelle.“

Einseitiges Vorgehen?

Jetzt ist es nicht so, dass Fahrenschon eine Zusage Ende März erwartet hat. Aber sehr wohl beobachtet er, was in Murnau vonstatten geht. Vorigen Sommer etwa, als die Kommune mit harter Hand die größeren Veranstaltungen kassierte, sah der Wirt, „was im Markt los war“. Überfüllte Betriebe, wenig Abstände, lang kein solch rigides Konzept wie auf seinen Volksfesten light. „Da muss ich mich schon fragen, ob das Thema nicht ein bisschen einseitig behandelt wurde.“

Wirt hat nachgerüstet

Aber gut, die Zeit für einen Neustart ist gekommen. Fahrenschon hat nachgerüstet. Er hat etwa zwei große Luftreinigungsgeräte angeschafft, die seinen Angaben nach an die 97 Prozent aller Viren filtern, wenn er denn irgendwann mal wieder ein Zelt aufstellen darf. Ob er sie jemals brauchen wird? „Vielleicht kann ich sie in die Ecke stellen“, sagt er. Mit einigen Kollegen und dem Gaststättenverband bemühte er sich um Schnelltests für den Biergartenbetrieb. 10 000 Tests hätte Fahrenschon fürs Erste abgenommen, um seine Gästen freizutesten. Antwort von Behördenseite: in der Anzahl momentan nicht verfügbar. Trotzdem kämpft er für die Tradition, die praktisch jeden Murnauer geprägt hat. Die Volksfeste ab Juli plane er normal, also dieses neue Normal mit Biergarten, 400 bis 600 Plätzen und einem kleinen Vergnügungspark, sprich Fahrgeschäften. Fahrenschon berichtet auch von einem Kinder- und Jugendpark andernorts. Am Anfang habe jeder schwarz gesehen, Volksfest in der Pandemie, wie soll das gut gehen? Am Ende, nach den Festen, erhielt er Lob von allen Seiten.

Botschaft Richtung Murnau

Volksfest geht auch ohne Virus. Diese Botschaft möchte er nach außen tragen. Auch und vor allem nach Murnau.

Auch interessant: Biergarten statt Festzelt?

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare