Eines von sechs vorhandenen Häusern: Sie werden durch neun neue ersetzt. Insgesamt sollen an der Reschstraße 87 Wohnungen entstehen, die vorwiegend für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes gedacht sind. 
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Eines von sechs vorhandenen Häusern: Sie werden durch neun neue ersetzt. Insgesamt sollen an der Reschstraße 87 Wohnungen entstehen, die vorwiegend für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes gedacht sind. 

Marktgemeinderat Murnau

Wohnungsbau an Reschstraße: Bauleitplanung startet

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Der nächste Schritt bei einem Großvorhaben ist getan: Der Murnauer Marktgemeinderat hat eine Bauleitplanung für das Wohnbauprojekt des Bundes an der Reschstraße gestartet.

  • Der Murnauer Gemeinderat hat eine Bauleitplanung für ein Großvorhaben des Bundes an der Reschstraße auf den Weg gebracht.
  • Dort sollen insgesamt 87 Wohnungen entstehen.
  • Die Volksvertreter sprachen sich für den Entwurf des Murnauer Büros Kottermair Rebholz aus.

Murnau – Es dürfte das größte Bauvorhaben in Murnau über Jahrzehnte werden. Dahinter steht die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz Bima, will an der Reschstraße in erheblichem Umfang zur Tat schreiten. Bisher verfügt sie dort über sechs Häuser mit 30 Wohnungen. Doch es ist noch einiges an Platz auf dem Areal vorhanden. Außerdem sind die Häuser aus dem Jahr 1936 nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Die Bima will mehr Wohnraum auf derselben Fläche schaffen. Die alten Häuser möchte sie abreißen. Die Wohnungen sind vorwiegend für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes vorgesehen.

Ein Monat Bedenkzeit

Bereits vor einem Monat setzten sich die Marktgemeinderäte mit der Materie auseinander. Doch die Sache wurde vertagt. Die Ratsmitglieder wollten etwas Zeit haben, um sich die Entwürfe der Architekturbüros Kottermair Rebholz (Murnau) und PSA Pfletscher und Steffan (München) genauer anzusehen. Diese waren bei einem Planungswettbewerb als Sieger hervorgegangen.

Murnauer Büro macht das Rennen

Letztlich das Rennen machte das Büro Kottermair Rebholz. Deren Entwurf sieht neun dreistöckige Häuser mit Satteldächern und 87 Wohnungen unterschiedlicher Größe vor. Es gibt Wohnhöfe, Gärten, einen Spielplatz und einen Treffpunkt für Bewohner. Von „überschaubaren Nachbarschaften“ spricht Architekt Marcus Kottermair.

Gegen „Urbanisierung“

Das Nachsehen hatte das Büro PSA, das vier Stockwerke, 108 Wohnungen und Flachdächer vorgeschlagen hatte. „Der Entwurf ist schon sehr städtisch“, fand CSU-Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider. Gegen eine „Urbanisierung“ sprach sich Wohnungsreferent Felix Burger (SPD) aus. Vier Etagen waren Welf Probst (Freie Wähler) zu viel. Er plädierte für ein „verträgliches Wachstum“. Veronika Jones, Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, vertrat die Ansicht, dass der Entwurf von Kottermair Rebholz „viel besser zu Murnau“ passt und sich besser einfügt. Die Räte waren sich also weitgehend einig. Nur Michael Hosp (CSU) stimmte für den PSA-Entwurf.

Bebauungsplan kommt

Der Marktgemeinderat fasste noch weitere Beschlüsse. So entschied er einstimmig, in eine Bauleitplanung einzusteigen. Dies hatten Anwohner angeregt. Ein Bebauungsplan hat nach den Worten von Marktbaumeister Klaus Tworek den „Makel, dass er Zeit kostet“. Wenn nicht viele Einwände kommen, sei es zwar möglich, das in einem Jahr durchzuziehen. Es kam in Murnau allerdings auch schon vor, dass so etwas drei, vier Jahre dauert. Ein Vorteil sei, so Tworek, dass eine „städtebauliche Idee“ manifestiert werde. Der Emissionsschutz wird in so einem Verfahren Thema, ebenso Verkehrsaspekte. Die Bürger werden eingebunden, Anwohner können Einwände einreichen. Aus Sicht von Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ist dies ein „wesentlicher Vorteil“. Ein anderer: „Die Interessen der Gemeinde können so am besten geregelt werden.“

Lechner will Öko-Bauweise

Weiterer Beschluss: Die Verwaltung soll einen städtebaulichen Vertrag ausarbeiten, mit dem sich dann zunächst der Bauausschuss befassen soll. Stefan Lechner (ÖDP/Bürgerforum) regte noch an, mit der Bima über das Thema ökologisches Bauen zu sprechen. Beuting meinte, dies könne man im Bebauungsplanverfahren klären. Michael Manlik, Fraktionssprecher des ÖDP/Bürgerforums, fand jedoch: „Das kann schon zu spät sein. Das sollte jetzt schon eingebracht werden.“

Schreiben der Anwohner

Im Vorfeld hatten Anwohner ein Schreiben an den Bürgermeister und die Gemeinderäte geschickt. Darin regten sie nicht nur eine Bauleitplanung an, sondern brachten auch Bedenken vor: Da ging es um die Höhenentwicklung und wohnbauliche Weiterentwicklung unter Berücksichtigung des Kemmelparks; der Erhalt des Grüngürtels entlang der nördlichen Grenze als Naherholungsgebiet für Anwohner, Bewohner des Altersheims und die im Kemmelpark und Umfeld arbeitenden Menschen wurde ebenfalls angesprochen; oder auch Ängste wegen der Verschattung der nördlich angrenzenden Gebäude durch Wandhöhen von über 11 Metern sowie die Immissionsbelastung, die durch die offene Bauweise einer Tiefgarage inmitten eines Wohngebiets entstünde. 52 Anwohner unterschrieben nach Angaben von Dirk Strittmatter. Zu Beginn der Ratssitzung meldete er sich zu Wort. Er sprach von einem „Fehler“ in den Plänen. Offenbar hatte PSA etwas falsch dargestellt.

Beteiligter Architekt unterschreibt

Pikant: Auch Marcus Kottermair unterschrieb. Felix Burger fand es „nicht gut“, dass einer der Architekten auf der Liste steht. „Das hat einen faden Beigeschmack.“ Kottermair sagte dem Tagblatt, er habe als Anwohner unterzeichnet. Er habe das Schreiben weder initiiert noch formuliert. Aus heutiger Sicht würde er „wahrscheinlich“ nicht mehr unterschreiben. „Wahrscheinlich war es unklug.“

Burger: „Großer Wurf“

Wie auch immer: Der Gemeinderat hat „ein großes Projekt aufs Gleis gesetzt“, wie es Beuting ausdrückte. Und Burger betonte: „Das ist ein großer Wurf.“

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